19.03.2020 - 10:59 Uhr
KemnathOberpfalz

Zufallsfund weckt Nostalgie

Ein Zufallsfund weckte Jugenderinnerungen bei Werner Nickl: "Auch ich war gerade in jener Zeit Wölfling bei den Kemnather Pfadfindern", verriet der scheidende Bürgermeister bei der Präsentation des "Kemnather Heimatboten 2019" im Rathaus.

Dank vieler Köche gelang der Brei: Mit 116 Seiten ist der von Robert Schön (Fünfter von links) redigierte "Heimatbote 2019", der auch an den 40. Gründungstag des Heimatkundlichen Arbeitskreises erinnert, so umfangreich wie nie. Rechts Bürgermeister Werner Nickl.
von Bernhard PiegsaProfil

Katrin Pasieka-Zapf hatte für einen Beitrag im druckfrischen regionalgeschichtlichen Jahrbuch des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises (HAK) das Gruppenbuch der "Pfadis" für 1964 und 1965 durchgeblättert und darin einen launigen Bericht über die Aufstellung des Gipfelkreuzes auf dem Anzenstein entdeckt.

700 Jahre zurück

"Die großfomatige handgebundene Kladde hatten die Ministranten beim Aufräumen im Pfarrheim gefunden", wusste Pasieka-Zapf. Einige frühere Pfadfinder hätten bereits um einen Blick in dieses verschollen geglaubte ungewöhnliche Zeitdokument nachgesucht. Die pfarreigeschichtliche "Miniatur" ist freilich nur einer von 15 vereins-, stadt- und regionalgeschichtlichen Reminiszenzen, die auf 116 Seiten einen Bogen vom Mittelalter bis zur Gegenwart schlagen. 700 Jahre zurück greift Hans Lukas mit einer Quelle über den Besuch König Ludwigs des Bayern auf der Burg Waldeck im Januar 1319.

Doch auch HAK-Vorsitzender Robert Schön, der wieder die Redaktion des "Heimatboten" übernahm, "schielt" in seinem Artikel über "die Oberndorfer Filialkirche im 18. Jahrhundert" ins Hochmittelalter hinüber. Stadtpfarrer Georg Haller, so der frühere Stadtverwaltungsleiter und jetzige Stadtarchivar und Kreisheimatpfleger, habe schon 1818 gemutmaßt, dass die eigentliche Keimzelle Kemnaths im heutigen Oberndorf zu suchen sein könnte: "Es existiert ein Schriftstück, worin Haller von 'Altkemnath, dem heutigen Oberndorf' schreibt, und Oberndorf ist ja auch eine der hochmittelalterlichen Urpfarreien unserer Gegend, die im 14. Jahrhundert in die neu angelegte Stadt Kemnath verlegt wurde."

Außergewöhnliche Persönlichkeit

Ein Schmankerl zum 175. Geburtstag Ludwigs II. serviert Museumsleiter Anton Heindl mit einer Rückschau auf das Kemnather Geburts- und Namensfest für den "Märchenkönig" im August 1880. In einem weiteren Beitrag erinnert Heindl an die Brandkatastrophen, die die Wolframshofer Schlossanlage 1859 und 1920 empfindlich beschädigten. Unter der Überschrift "Unbekannte Dreißiger Jahre in Kemnath" trug Robert Schön Dokumente, Personalien und andere Fundstücke aus der "Hitlerzeit" zusammen. "Es ist auch heute noch eine heikle Gratwanderung, Akteure dieser Zeit namentlich zu erwähnen", schilderte Schön seine Erfahrungen mit Nachforschungen über jene Jahre.

Den Kemnather Stadtpfarrer der Jahre 1850 bis 1869, Emanuel Bachmayer, würdigte Robert Treml als "außergewöhnliche Persönlichkeit", der insbesondere die Jugendarbeit und das Schulwesen am Herzen gelegen hätten. Ein Protokoll der Jahrhundertfeier des wiederaufgebauten Marktes Waldeck von 1896 entriss Hans Lukas der Vergessenheit.

Riesenfräulein und Kuhpfändung:

Riesenfräulein und Kuhpfändung

Weitere Artikel im "Kemnather Heimatboten 2019" behandeln die Geschichte des früheren Landpolizeipostens Immenreuth (Robert Schön), die ursprünglich aus dem Elsass stammende, aber auch im Kemnather Land tradierte und vor allem durch eine Ballade Adalbert von Chamissos zum Gemeingut gewordene "Riesenfräulein"-Sage (Robert Schön), die Pfändung einer Kuh in Immenreuth anno 1875 (Fritz Deinlein) und die 40-jährige Geschichte des 1979 gegründeten Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises (HAK) (Bernhard Piegsa).

Liane Preininger vervollständigt das "Portfolio" mit Abschiedsgrüßen an Forstverwaltungs-Bereichsleiter Johann Weber und Stadtpfarrer Konrad Amschl und Willkommenswünschen für deren Nachfolger Dirk Lüder und Stadtpfarrer Thomas Kraus. Nicht fehlen durften die Jahreschronik von Katrin Pasieka-Zapf und Werner Dollhopf und der Tätigkeitsbericht des HAK-Vorsitzenden. Hans Rösch, Rainer Sollfrank und Holger Stiegler steuerten Bilder bei.

Das Jahrbuch gibt es für 4 Euro im Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum sowie im örtlichen Buchhandel erhältlich.

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