Kemnath
12.10.2018 - 11:00 Uhr

Zusammenhalt überdauert die Zeit

Die Ehemaligen des Finanzamtes Kemnath treffen sich und schwelgen in Erinnerungen.

Josef Mittelmeier (Mitte sitzend) freut sich über die gute Resonanz, die sein Aufruf zum Ehemaligentreffen fand. Bild: rn
Josef Mittelmeier (Mitte sitzend) freut sich über die gute Resonanz, die sein Aufruf zum Ehemaligentreffen fand.

Nicht die seit Jahrzehnten angekündigte große Steuerreform, sondern Plaudereien über das, was sich in der gemeinsamen Dienstzeit zugetragen hat und wie der weitere Lebensweg verlief, bestimmten das Finanzer-Treffen im Gasthof „Goldene Krone“ in Kemnath. Angehörige des ehemaligen Finanzamts Kemnath feierten 45 Jahre nach der Teilauflösung und 40 Jahre nach der endgültigen Auflösung ihrer Dienststelle ein Wiedersehen.

Der familiäre Charakter, der das Geschehen im Hause und auch dessen Mitarbeiter prägte, zeigt selbst nach mehr als vier Jahrzehnten noch Wirkung. Ein Beweis dafür war die gute Resonanz, die Josef Mittelmeiers Aufruf zum Ehemaligentreffen erfuhr. Als letzter Personalratsvorsitzender des Amtes hatte er durch Telefonate mit den Pensionisten und noch Aktiven die Werbetrommel gerührt. Mit Matthias Reber, Josef Scharl und Michael Schindler gedachten die Erschienenen ihrer in den zurückliegenden Monaten verstorbenen Kollegen.

Gesprächsstoff zu aktuellen oder geradezu nostalgischen Themen und zum Geschehen in den Familien gab es genug. Die gemeinsamen Jahre, in denen Feiern und gesellige Unternehmungen fester Bestandteil des Jahresablaufs waren, wirken immer noch nach - auch bei alle jenen, die in den 1960er und 1970er Jahren in Kemnath ihre Ausbildung absolviert hatten. Sie alle trauerten irgendwie ihrem ehemaligen Amt nach, das mit 30 Beschäftigten seine Angehörigen prägte. Im Gegensatz zu den heutigen großen Ämtern und Dienststellen sah sich jeder der Gemeinschaft verpflichtet.

Die letzte gemeinsame Feier fand, von Wehmut überschattet, im September 1973 statt. Anlass war die Teilauflösung des Finanzamts zur Gebietsreform. Bereits zum 1. Juli 1973 war es zur Nebenstelle des Finanzamts Waldsassen abgestuft worden. Ende September mussten zehn Beamte, überwiegend im Raum Eschenbach und Pressath beheimatet, mit den dazugehörenden Akten nach Weiden wechseln. Fünf wurden nach Waldsassen und je einer nach Bayreuth und Wunsiedel versetzt. In Kemnath verblieben bis zur endgültigen Auflösung am 8. Mai 1978 - sie war auf Betreiben des damaligen Waldsassener Vorstehers ohne Vorankündigung betrieben worden - 14 Bedienstete als Stammbesetzung. Im historischen Gemäuer erhielten sie für die verbleibende Zeit Verstärkung durch fünf Kollegen.

Die Abschiedsfeier des Jahres 1973 hatte einen kurzen offiziellen und einen längeren geselligen Teil, der allen in guter Erinnerung ist. In der geräumigen Eingangshalle mit den gotisch wirkenden Gewölben wurde Fässchen auf Fässchen angezapft und in der geräumigen Finanzkasse, die von der Bauweise her eher einem Rittersaal glich, standen aufgereiht warme und kalte Gerichte.

Der Chronist des Jahres 1973 schrieb dazu unter anderem: „Der Himmel schickte angesichts des erneuten Aderlasses an der Stadt Kemnath sogar seine Tränen. So konnten die Grillspezialisten ihre Gerichte nicht unter freiem Himmel zubereiten, sondern sie mussten Zuflucht unter Garagendächern und Seiteneingängen nehmen. Während man in der hohen Halle aus angefeuchteten und zum Teil schon gut geschmierten Kehlen Lieder schmetterte, wurde im Oberhaus gefachsimpelt.“ Das jetzige Treffen wurde zu einer geselligen Plauderrunde.

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