31.07.2019 - 09:32 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Kia ora und haere mai - ein Roadtrip durch Neuseeland

23 Tage auf der Südinsel Neuseelands. So lang – und doch zu kurz. Immer wieder entdeckten wir spektakuläre Landschaften entlang der Ostküste bis in den unberührten Süden und über den Haast-Gebirgspass an der rauen Westküste entlang.

Ein Land, so vielfältig und atemberaubend - Redakteurin Maria Oberleitner tourt durch Neuseeland - und findet dort immer wieder aufs Neue ihr Glück.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Vorbei an Gletschern und Regenwäldern, die das Land zwischen imposanten Bergen und dem Meer bewachsen. Schließlich mitten durchs Paradies: Zu Fuß über den Abel Tasman Coastal Track und mit dem Kajak vorbei an dösenden Robben. Zugegeben, auf den Flug – in unserem Fall München-Dubai-Sydney-Christchurch, Gesamtreisezeit knapp 31 Stunden – hätten wir gut verzichten können. Doch spätestens beim Landeanflug über die schneebedeckten Berge, Seen und weiten Graslandschaften hatte uns das Land in seinen Bann gezogen. Während wir am ersten Tag noch etwas verdattert vom Jetlag durch Christchurch laufen, rauben uns die Gletscherseen im Landesinneren schon an Tag zwei den Atem. Sie sind so unheimlich blau, dass es einem die Tränen in die Augen treibt: Lake Tekapo, dahinter die Alpen. Davor Lupinenfelder: Blau, rosa, lila und schier unendlich. Als Tourist lässt es sich bei dieser Schönheit leicht ignorieren, dass sie eigentlich unerwünschtes Unkraut sind, die den heimischen Pflanzen den Platz zum Wurzeln stehlen.

Weiße Strände mit flauschigen Bewohnern. Nicht nur einmal entdeckt Maria Oberleitner Robben in Neuseeland.

Alleine die Fahrt auf der Straße, die vom Lake Pukaki aus zum Mount Cook (die Maori nannten ihn Aoraki) führt, ist die ganze Reise nach Neuseeland wert. Aoraki ist mit 3724 Metern der höchste Berg Neuseelands und Teil der Alpen. Der kleinste Roadtrip der Welt, bei dem man nach jeder Kurve spektakuläre Aussichten auf See und Berge erhaschen kann. Wir entscheiden uns schließlich: Wir wollen noch näher ran an den Bergriesen. Der Hooker Valley Track ist ein vielbegangener Weg. Man hat nur in vereinzelten Momenten das Gefühl, ganz alleine zu sein. Trotzdem lohnt sich der Fünf-Kilometer-Spaziergang, denn er ist einfach zu malerisch. Drei Hängebrücken überqueren wir dabei, Riesengänseblümchen und Tussockgras am Rande des Weges bewundern wir und genießen den fantastischen Ausblick auf die Berge rundherum. Im Hooker Lake, dem Gletschersee vor Mount Cook, schwimmen im Sommer einige Eisschollen. Näher an den Aoraki heran kommen wir nicht – zumindest nicht, ohne ihn zu besteigen. In den nächsten Tagen machen wir Bekanntschaft mit Robben, Gelbaugenpinguinen, gucken Seelöwen beim Schlafen zu und erkunden „Herr der Ringe“-Drehorte. Auf unserem Weg durch die „Catlins“, eine raue, zerklüftete Küstenlandschaft ganz im Süden, verlieben wir uns in den glockenartigen Gesang der Tuis und Bellbirds (Korimako), die sich hier am Nektar des Harakeke (neuseeländischer Flachs) laben.

Willkommen im Fjordland

Ein Roadtrip schöner als der nächste: Die Straße zum Milford Sound ist die einzige Straße, auf der man mit dem Auto mitten durchs Fjordland fahren kann. Ab Te Anau ist die Milford Road eine fast 120 Kilometer lange Sackgasse. Wir starten frühmorgens in Te Anau Downs – und eigentlich könnten wir nach jeder Kurve anhalten. Immer wieder tun sich wundervolle Wandermöglichkeiten auf – zu Wasser- fällen, Schluchten, Seen oder kleinen Flüssen. Als wir mit dem Boot am majestätisch aufragenden Mitre Peak vorbeischippern, blicken wir in einen wolkenlos blauen Himmel. Und das, wo es hier im Fjord doch an fast 200 Tagen im Jahr regnet. Auf der Rückfahrt machen wir im Eglinton Valley ein kleines Pick- nick-Päuschen – und bereiten uns bei einem Nickerchen auf die Adrenalin-Hochburg Queenstown vor. Absolutes Kontrastprogramm: Bungee-Jumping im Shotover Canyon, Skydiven oder Rafting – hier gibt es die volle Ladung Abenteuer für Adrenalin-Junkies. Wir entscheiden uns für Parasailing: ein runder Gleitschirm, der von einem Boot über den Lake Wakatipu gezogen wird. Wohooo – wir fliegen! Aus 150 Metern Höhe haben wir einen überwältigenden Rundblick auf den Remarkables-Gebirgszug und den See, der mit seinen 80 Kilometern der längste See des ganzen Landes ist. Bevor wir Queenstown den Rücken kehren, probieren wir den „besten Burger Neuseelands“ (Fergburger, minimale Wartezeit mit viel Glück 20 Minuten – aber wirklich lecker) und weiter geht es, immer den Highway 6, die Coast Road entlang. Langersehnt: Endlich sehen wir Kiwis. Die kleinen, laufenden Vögel mit dem langen Schnabel sind selten geworden auf der Insel. Zu viele natürliche Feinde wie Hunde, Katzen, Marder und Opossums haben die Menschen auf die Insel gebracht. Mit ihren kleinen Stummel-Flügeln können sie zwar nicht fliegen – tagsüber, wenn sie schlafen, verstecken sie darin aber ihre Schnäbel. Nachwuchs ist für Kiwi-Weibchen eine echte Tortur: Die Eier werden in ihrem Körper so riesig, dass zuletzt sogar die inneren Organe in Richtung Kopf gequetscht werden – das Ei wiegt bis zu 25 Prozent ihres Körpergewichts. Die kleinen Racker sind zum Nationalsymbol Neuseelands geworden, auch die Einheimischen bezeichnen sich selbst als „Kiwis“.

Eine Landschaft, die sprachlos macht: Neuseeland ist definitiv eine Reise wert, findet Redakteurin Maria Oberleitner.

Absolutes Highlight an der Westküste: die Wanderungen im Paparoa National Park. Nebelfetzen schwadern zwischen riesigen Baumfarnen, Nikau-Palmen wachsen links und rechts des Weges und verleihen dem Weg ein subtropisches Flair. An der Küste bestaunen wir schließlich die „Pancake Rocks“: Felsen, die aussehen wie geschichtete Pfannkuchen. Bizarr – und wild- romantisch. Rund 300 Kilometer weiter nördlich: Abel Tasman National Park, der flächenmäßig kleinste Park auf der Insel. Gefühlt: Karibisch. Winzige Buchten, goldene Sandstrände, Sonnenschein und glitzern- des Wasser. Wir wan- dern einen Teil des „Great Walks“ von Tonga Quarry bis Anchorage Bay. Hängebrücken, Wasserfälle und immer wieder traumhafte Aussicht auf blaue Lagunen und das Meer. Unsere letzten Tage auf der Insel verbringen wir an der Golden Bay in dem verschlafenen 200-Seelen-Örtchen Collingwood. Bis zu sieben Kilometer erobert sich das Watt hier bei Ebbe zurück – ein Paradies für Vögel. Wir beobachten planschende Robben-Babys, edle schwarze Schwäne und sehen einer Rotkehlstrandläufer-Mama bei der Fütterung hungriger Vogelkinder zu. Am Tag unseres Rückfluges erhaschen wir auf dem Meer vor Kaikoura tatsächlich einen Blick auf einen riesigen Pottwal. Aoraki nennt ihn die Crew auf dem Boot, mit denen wir auf dem Meer unterwegs sind. Der Kreis schließt sich: Ka kite ano. Neuseeland, wir sehen uns wieder.

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