06.12.2018 - 10:39 Uhr
KirchendemenreuthOberpfalz

Eine Weide, auf der es spukt

Seit 328 Jahren gibt es die Einöde Kriegshut im Landkreis Neustadt/WN. Woher der Name rührt, ist nicht endgültig geklärt. Ein Streit unter Nachbarn könnte die Ursache sein.

Auch wenn der Name kriegerisch klingt, der Weiler Kriegshut liegt friedlich auf einer Höhe von 520 Metern über Normal-Null in der Gemeinde Kirchendemenreuth im Landkreis Neustadt/WN.

Im Ortsverzeichnis der Gemeinde Kirchendemenreuth findet sich der martialisch klingende Ortsname "Kriegshut". Die 328 Jahre bestehende Einöde auf einer Höhe von 520 Metern über Normal-Null (ü. NN) gehörte ehemals zur Gemeinde Altenparkstein (450 Meter ü. NN). Die Orte werden überragt von dem 638 Meter hohen Vogelberg.

Der Einödhof wird vor 1730 noch als "Greichhout", danach als "Krieghuet" bezeichnet. Professor Johann Will schreibt 1939 in einer Abhandlung über die Orte im Landkreis Neustadt/WN: "Im Volke heißt der Ort auch naaris Hout, es weizt und spukt dort." "Greigartes" bedeutet mundartlich so viel wie Spuk. So könnte der Name "Spukhut", eine Weide, auf der es spukt, heißen. Das alles war selbst für den Autor wenig befriedigend.

Drei Tagwerk

Mit der weiteren Namensforschung setzte sich Mitte der fünfziger Jahre Werner Schwertner aus Friedersreuth auseinander. Fündig wurde er im Staatsarchiv Amberg und in den verstreut herumliegenden Akten der Gemeinde Altenparkstein. Hier fand sich ein verloren geglaubter, gesiegelter Erbbrief vom 10. Dezember 1732. Noch erkennbar waren das beschädigte Siegel, ein im Schild stehender doppelschwänziger Löwe, und die Unterschrift "Zrönner". Die Aufschrift des Briefs: "Erbbrief der dorff gemein Altenberkhstein yber 3 tägwerch öeden zue huet neben dem Kriegholz zugehörig".

Der Verfasser war Johann Zrönner, Kastner und Mautner zu Kemnath des Kurfürsten von Bayern. Zuständig für die Angelegenheit war Johann Andre Pösnecker, kurfürstlicher Landrichteramts- und Pflegverwalter zu Waldeck, Kemnath.

Holzbestand

Im Brief ging es um den Verkauf von drei Tagwerk Land. Der Preis sollte sechs Gulden betragen und ein jährlicher Zins sollte dem Kastner-Amt übergeben werden. Der Brief machte deutlich, dass es sich um einen Holzbestand beim Flurnamen "Kleiner Hengst" und um einen jahrzehntelangen Streit mit etlichen Prozessen handelte. Darin eingebunden war auch Johann Georg Rickhauer, kurfürstlicher Forstmeister zu Pressath. Kastellan Zrönner wollte mit dem Verkauf alle Auseinandersetzungen aus der Welt geschafft haben. Bei den Prozessen ging es um eine Art Kleinkrieg. Ein Grund, warum das Holz die Bezeichnung "Kriegsholz" erhielt und von der Gemeinde als "Hut" erworben wurde. Aus den Unterlagen des Katasteramtes Kemnath-Waldeck geht hervor, dass ein Christoph Wopperer 1690 im Kriegshut für 35 Gulden ein Häusl errichtete und jährlich eine Steuer von 42 Heller bezahlen musste. 1744 wird das Häusl als ein "Pinter-Häusl" bezeichnet. "Pinter" ist eine hier gebräuchliche Berufsbezeichnung. "Pinter" bedeutet Binder (Böttcher = Fassbinder; auch Besenbinder ist möglich).

"Pinter-Häusl"

Das Wort "Pinter", genau in dieser Schreibweise, begegnete dem Ortsheimatpfleger Jörg Krämer in vielen Schriftstücken des 18. Jahrhunderts aus der Region. So in den Briefprotokollen der Stadt Neustadt/WN im Jahre 1759/60 bei der Verehelichung eines "Pintermeisters". Ein "Pinter-Häusl"  bezeichnet also das Wohn- und Arbeitshaus eines Binders. 1728 erwirbt Adam Schrämbl das "schlechte Gütl" von den Erben des Vorbesitzers, dann folgt ein Wolfgang Heining.

Neben Kriegsholz

1793 übernimmt Bartl Heining den Einödhof für 400 Gulden. Aus dem Jahre 1808 stammt folgende Beschreibung: "Hölzernes Haus mit Stallung und einem hölzernen Stadt. Dazu gehörig, drei Ackerl auf der Kriegshut und eine einmähdige Wiese." Ergänzend wird ausdrücklich erwähnt, dass das Häusl auf der Hut neben dem Kriegsholz erbaut ist. Im Volksmund ergab sich dann für die Flur und das kleine Anwesen der Name Kriegshut.

Ab 1817 gehörte die Einöde mit acht Bewohnern zum Amt Waldeck und der Pfarrei Parkstein. Der Wert des kleinen Anwesens stieg. 1842 kaufte Josef Mayer, Müller in Altenparkstein, den Hof mit 6/29 Tagwerk Grundbesitz um 500 Gulden. Vor 154 Jahren taucht erstmals der Name der heutigen Besitzer auf. 1864 übernimmt Georg Steiner aus Obersdorf verheiratet mit Anna Kühner aus Wendersreuth das Anwesen um 1187 Gulden. Dieser vererbt es 1892 an seinen Sohn Johann Wolfgang. 1932 steht Johann Steiner im Grundbuchamt, ihm folgen Wilhelm und Josef Steiner. Seit 2008 bewirtschaftet als Nebenerwerbslandwirt sein Enkel Mathias den Hof und die Felder. Er hält Schafe und einige Ziegen. So gesehen ist die Kriegshut seit über 150 Jahren im Besitz der Familie Steiner.

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