Kirchenlaibach bei Speichersdorf
29.12.2021 - 11:54 Uhr
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Interview mit Pfarrer Sven Grillmeier: Der heilige Josef als Vorbild für alle Menschen

In der Dreifaltigkeitskirche in Kirchenlaibach stand dieses Jahr der heilige Josef im Mittelpunkt. Als Festprediger konnten hochrangige Geistliche gewonnen werden. Die Resonanz war groß. Im Interview zieht Pfarrer Sven Grillmeier Bilanz.

ONETZ: Welchen Stellenwert hat der heilige Josef für Sie persönlich?

Pfarrer Sven Grillmeier: Seit frühester Kindheit war ich mit meinem Opa jedes Jahr in der nahe meinem Elternhaus gelegenen Josefskapelle in Waldershof, um die Josefsnovene zu beten. Diese Verehrung hielt auch während der Schulzeit und beim Studium an und wurde in meinen beiden Kaplansstellen vertieft. Irgendwie kam und komme ich vom heiligen Josef nicht los. Es fasziniert mich, dass von ihm kein Wort in der Heiligen Schrift überliefert ist und er oft als der Heilige am Rande bezeichnet wird. Am Rande – aber keineswegs überflüssig. Still und treu tut er seinen Dienst für das Jesuskind und dessen Mutter.

ONETZ: Was ist für Sie eine seiner zentralen Botschaften?

Pfarrer Sven Grillmeier: Josef und Maria wollten laut Matthäusevangelium heiraten. Als er erfuhr, dass Maria ein Baby bekommen würde, wusste auch er nicht, was er tun sollte. Ein Engel erschien Josef im Traum und sagte ihm, Marias Kind sei der Sohn Gottes. Er solle Maria heiraten und ihr Baby Jesus nennen. Josef gehorchte dem Engel und heiratete Maria. Es gehörte zur Grundhaltung des heiligen Josef, keine übereilte Entscheidung zu treffen, sondern erst einmal über das Ganze zu schlafen und im Geiste und in der Liebe Gottes und Jesu Christi darüber nachzudenken und erst dann zu handeln. Das ist eine christliche Grundhaltung, die sich jeder Mensch zum Vorbild nehmen sollte.

ONETZ: Wie schafft man das, so viele hochkarätige Prediger zu gewinnen?

Pfarrer Sven Grillmeier: Es war schon eine besondere Herausforderung. Das Josefsjahr war sehr kurzfristig ausgerufen worden. Noch Anfang Januar stand die genaue Predigerliste nicht ganz fest. Umso glücklicher bin ich, dass alle Angefragten unserem Wunsch äußerst aufgeschlossen und teils kurzfristig nachkamen. Wir durften uns über die Stadtpfarrer Wolfgang Hierl (Landshut St. Wolfgang), Franz Pfeffer (Kelheim), Michael Hirmer (Teublitz), Pfarrer Alois Krist (Probst und Prälat der Augustiner-Chorherren Abtei Neustift/Brixen), Eduard Fischnaller, die Weihbischöfe Reinhard Pappenberger und Josef Graf aus Regensburg, Bischof emeritus Friedhelm Hofmann (Würzburg), Bischof Rudolf Voderholzer (Regensburg) sowie Erzbischof Ludwig Schick (Bamberg) als Zelebranten und Prediger freuen.

ONETZ: Der heilige Josef wurde in den Predigten aus verschiedensten Blickwinkeln betrachtet?

Pfarrer Sven Grillmeier: In der Tat. Die Vielfältigkeit der Betrachtungsweise gehörte zu den Besonderheiten in den Predigten der Josefsfeiern. Das Spektrum reichte von anthropologisch über eschatologisch und pastoraltheologisch bis hin zu ekklesiologisch. Der Heilige wurde als Trost der Bedrängten, Hoffnung der Kranken, Haupt der heiligen Familie, Vorbild der Arbeiter, Bräutigam der Mutter Gottes, Nährvater des Sohnes Gottes, Stütze der Familien, Spiegel der Geduld, Verwalter seines Besitzes, Spross aus Davids Geschlecht, Patron der Sterbenden und Schutzpatron der Kirche unter die Lupe genommen. Dadurch wurde in besonderer Weise deutlich, dass der heilige Josef ein außergewöhnlicher Schutzpatron für jeden Menschen sein kann.

ONETZ: Die Gläubigen haben das Angebot mehr als gut angenommen?

Pfarrer Sven Grillmeier: Die Resonanz war überwältigend. Meine Mitstreiter und ich freuen uns schon etwas darüber, da dadurch auch unsere Mühen belohnt wurden. Es gab keinen Festgottesdienst, in dem unsere Dreifaltigkeitskirche nicht bis auf den letzten Platz besetzt war.

ONETZ: Es wurde auch immer mit vielen Ministranten, Konzelebranten und Diakonen gefeiert?

Pfarrer Sven Grillmeier: Da bin ich meinen Mitbrüdern, die immer mitfeierten, sehr zu Dank verpflichtet. Allen voran Monsignore Martin Neumaier (Premenreuth), der auch regelmäßig für das Bußsakrament zur Verfügung stand, den Diakonen Harald Schraml (Neusorg) und Franz Lautenbacher (Mehlmeisel) für den Dienst am Wort und am Altar. Nicht weniger unseren Ministranten, die sich in großer Zahl immer die Zeit nahmen und zuverlässig ihren Dienst taten. Das ganze Josefsjahr war eine Gemeinschaftsleistung par excellence.

ONETZ: Auch die Gestaltung der Liturgie hat zum besonderen Charakter beigetragen?

Pfarrer Sven Grillmeier: Im Vorfeld begannen die Feierlichkeiten mit dem Josefsrosenkranz und der Josefslitanei. Für einen liturgischen Hörgenuss sorgten die Gesangs- und Instrumental-Ensembles. So gaben „4Dimensions“ unter Leitung von Sebastian Ponnath, die Sängerinnen Julia Bäß und Gabi Fees unter Begleitung von Dominik Fick, Lars Amann, Walter Thurn und Pater Romanos Werner an der Orgel mit Liedern aus der Messe wie „Ite ad Joseph“ von Ignatz Mitterer und anderen kirchlichen Gesängen und klassischen Werken den Gottesdiensten ein besonderes Gepräge.

ONETZ: Was bleibt in besonderer Erinnerung?

Pfarrer Sven Grillmeier: So viele Begegnungen und gute Gespräche mit Gläubigen, wenn ich etwa vor dem Pfarrhof auf den jeweiligen Prediger wartete. Da waren intensive theologische Gespräche genauso dabei wie herzliches Lachen nach den Gottesdiensten. Andererseits will ich nicht verhehlen, dass mir am jeweiligen Monatsneunzehnten bei den letzten, oft hektischen Vorbereitungen den ganzen Tag schon immer wieder mal die Frage in den Sinn kam: Warum tu ich mir das an? Aber immer überwog das Gefühl: Alles gut gegangen. Es war sehr schön!

Kirchenlaibach bei Speichersdorf23.03.2021
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