17.06.2019 - 12:46 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Zum 365. Mal nach Gößweinstein

"Aus der Tiefe zu dir rufen ...", Vergiss mein nicht ...", "Meerstern, ich dich grüße ...": Mit jahrhundertealten Wallfahrtsliedern auf den Lippen suchen exakt 100 Pilger aus der Pfarrei die Nähe der Heiligsten Dreifaltigkeit.

Singend und betend kehren die Gößweinstein-Wallfahrer nach Kirchenthumbach zurück.
von Autor RFÜProfil
Singend und betend kehren die Gößweinstein-Wallfahrer nach Kirchenthumbach zurück.

Überlieferungen nach pilgern die Christen aus "Dumba" seit 1654 immer am Wochenende nach Pfingsten betend und singend zur berühmten fränkischen Gnadenstätte nach Gößweinstein. Dabei wird auch die Erinnerung an Gehörtes über das Unwesen der Panduren geweckt und die Gräueltaten der schwedischen Horden, die besonders in und um Kirchenthumbach bis Creußen gewütet haben, an Hunnen- und Tatareneinfälle. Die Katastrophen der Pestepedemien, die im Laufe der Jahrhunderte das Abendland erschütterten, drängen ebenfalls ins Bewusstsein.

Denn die alljährliche Wallfahrt ist auf ein Gelübde der Kirchenthumbacher zurückzuführen, die in ihrer Not die Heiligste Dreifaltigkeit angerufen haben und erhört wurden. Um 1600, als die Pest flächendeckend ausbrach, versprachen sie, jährlich einmal am Dreifaltigkeitssonntag nach Gößweinstein zu pilgern, wenn sie dem „Schwarzen Tod“ entrinnen werden. Landauf und landab herrschte damals die Beulen- und Lungenpest, die ein Viertel der Bevölkerung hinwegraffte.

Es ist allerdings davon auszugehen, dass es bereits im 15. oder sogar 14. Jahrhundert Wallfahrten gab. Im Laufe der Jahrhunderte haben viele Pilger in ihren Anliegen und Bedrängnissen Erhörung an der Gnadenstätte gefunden. In diesem Jahr waren es 100 Teilnehmer, die den beschwerlichen Pilgerweg auf sich nahmen. Mit dabei waren zahlreiche Frauen und Jugendliche sowie eine neun Personen starke Bläsergruppe. Als Wallfahrtsführer stellte sich wiederum Josef Schreglmann zur Verfügung. Alles war perfekt organisiert. Für die medizinische Versorgung der Pilger war die Rotkreuzgemeinschaft zuständig, für die Sicherheit der Wallfahrer sorgte die Feuerwehr.

Am Sonntag in aller Herrgottsfrühe wurde um 4.30 Uhr in der Basilika zur Heiligsten Dreifaltigkeit ein Gottesdienst zusammen mit den Pilgern aus Eschenbach gefeiert. Zelebrant war der Kirchenthumbacher Pfarrer Augustin Lobo. Danach wurde der Rückmarsch angetreten. Das Wetter war wallfahrerfreundlich, lediglich auf dem Nachhauseweg regnete es zwischen Pegnitz und Troschenreuth. Doch ein überzeugter "Waller" steckt so etwas locker weg.

Am Nachmittag erwartete Pfarrer Augustin Lobo die Wallfahrer am Ortsrand und begleitete sie in die Pfarrkirche. Singend und betend zog die Pilgergruppe im Heimatort ein. Auch viele weitere Gläubige aus der Pfarrgemeinde schlossen sich der Prozession auf den letzten hundert Metern an. Mit dem Segen und dem Dank des Geistlichen an die Teilnehmer sowie dem Lied „Großer Gott, wir loben dich“ endete die Wallfahrt, die traditionell am Dreifaltigkeitssonntag stattfindet und heuer zum 365. Mal veranstaltet wurde.

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