29.07.2020 - 12:39 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

"Backsteinkas'" als Trostpflaster

Bei Fußballern aus der Gründerzeit des SC Kirchenthumbach sind Erinnerungen wach geworden. Auch sie kannten Pater Albrecht Herrmann: Im Augustinerseminar Weiden hat es für sie ein unvergessliches Erlebnis gegeben.

Im Spiel gegen die Mannschaft des Augustiner-Seminars Anfang der 1960 Jahre setzte es für die Kirchenthumbacher Kicker eine krachende Niederlage. Im Bild (stehend, von links) Ludwig Schneider, Sepp Seidl, Schorsch Bernhardt, Fritz Fürk, Pater Albrecht und Raimund Uhl (rechts) sowie (vorne, von links) Reinhold Bernhardt, Sepp Kellner, Günter Ehler, Georg Kausler, Siegfried und Helmut Thurn sowie einige der Augustiner-Schüler.
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Von Georg Paulus

Für mich verbindet sich der Name Pater Albrecht mit zwei Ereignissen. Eines war die Bergfestwoche 1960, das andere die Olympiade in Rom.

Unser Kaplan Richard Hornauer, ein Tüftler und Bastler, hatte mit uns aus alten Radios die Lautsprecher aus- und in Boxen eingebaut, um damit an Fronleichnam den Prozessionsweg zu beschallen. Beim Bergfest 1960 sollten so alle Gläubigen Freiluftgottesdienst, Predigt und Lichterprozession am Abend miterleben können.

Wegen der Sturzgefahr verlegten wir das Kabel in die Erde, zeitgleich war in der Bergkirche als Vorbereitung auf dieses große Fest der Pfarrei Pater Albrecht als Beichtaushilfe eingesetzt. Um bei der Olympiade 1960 in Rom die Leichtathletikwettbewerbe zu verfolgen, hatte ich bei den Arbeiten mein Kofferradio dabei. Das wusste Pater Albrecht. Er kam öfters aus der Kirche heraus, um zu hören, was in Rom passierte. Als er wieder mal da war, hatte gerade Armin Hary im Hundert-Meter-Sprint die Goldmedaille errungen.

„Vielleicht hat er a` schwache Blas`n, weil er so oft g`rennt is`, rätselte eine ältere Frau über Pater Albrecht, als sie nach der Beichte auf dem Heimweg bei uns vorbei kam. Wir ließen ihr den Glauben.

Im Juni 1961 war Wilhelm Schraml zum Priester geweiht und als Nachfolger von Richard Hornauer unser neuer Kaplan geworden. Wir stellten fest, dass er gut predigen und auch gut mit den Jugendlichen umgehen konnte. Weil alle Burschen meiner Gruppe "St. Georg“ gern Fußball spielten, schaffte es Schraml, der gute Beziehungen zu den Augustinern hatte,

dass wir von Pater Albrecht zu einem Spiel gegen seine Mannschaft nach Weiden eingeladen wurden. Im Lichthof des Seminars gingen wir dabei aber sang- und klanglos unter. Hallen- und Bandenspiel waren uns damals noch unbekannt.

Ein Trostpflaster war die Brotzeit, zu der uns Pater Albrecht einlud: „Am Freitag gibt’s im Kloster koa` Wurst, dafür aber an` guaten Backsteinkas` zum Butterbrot.“ Für unsere Fußballer, die Augustiner, Pater Albrecht und unseren Kaplan wurde es ein Abend, den viele nicht vergessen haben. Gäbe es mehr Priester wie Pater Albrecht und die Kapläne unserer Jugendzeit, würden meiner Ansicht nach nicht so viele Menschen die Kirche verlassen: „Der liebe Gott wär` mir scho` recht, aber beim Bodenpersonal, da hapert's!“

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