21.02.2019 - 18:35 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

"Dumba" baut eine neue Schule

Die Würfel sind gefallen: Mit überwältigender Mehrheit beschließt der Marktgemeinderat am Mittwochabend den Neubau der Grund- und Mittelschule. Das Projekt begeistert aber nicht alle.

Das Kirchenthumbacher Schulgebäude im Schulgäßchen zu sanieren, ist zu teuer. Deshalb stimmt der Marktgemeinderat für einen Ersatzneubau.
von Redaktion ONETZProfil

Für die Regierung der Oberpfalz besteht aus förderrechtlicher Sicht Einverständnis mit der Errichtung eines Ersatzneubaus, heißt es am Mittwoch in der Marktgemeinderatssitzung. Wesentliches Argument war, dass die Generalsanierung des Altbaus über 14 Prozent (750 000 Euro) teuerer als ein vergleichbarer Neubau wäre.

Einleitend zur Beratung und Beschlussfassung brachte Bürgermeister Jürgen Kürzinger zum Ausdruck, dass allen Marktgemeinderäten die Machbarkeitsstudie vorliege. Er forderte dazu auf, dass sich der Fragenkatalog auf das Wichtigste beschränken sollte. Der Rathauschef verwies zudem darauf, dass weder die Abbruch- und Planungskosten noch das Gutachten und die Container für die Fortführung des Schulbetriebes gefördert werden.

Neubau: 1013 Quadratmeter

Die Regierung der Oberpfalz nahm in ihrer baurechtlichen Stellungnahme Bezug auf die vom Architekten Ulrich Greiner aus Neustadt/WN erstellte Machbarkeitsstudie vom Frühsommer vergangenen Jahres sowie auf weitere vorgelegte Unterlagen über einen Kostenvergleich zwischen Sanierung und Neubau sowie über eine Flächengegenüberstellung und ein Raumprogramm. Bezugnehmend auf die festgestellten Mängel hielt die Bezirksregierung grundsätzlich eine Generalsanierung für erforderlich.

Eine Gegenüberstellung der Kosten durch das Architekturbüro Greiner ergab, dass sich diese bei einer Generalsanierung auf 5,91 Millionen Euro belaufen, ein Neubau schlägt mit knapp 5,16 Millionen Euro zu Buche. Beim Raumprogramm hat das Architekturbüro für den Neubau eine Fläche von 1013 Quadratmetern ermittelt. Bei einer Generalsanierung mit Erweiterung von Gruppenräumen und der Pausenhalle ergab sich eine Nutzfläche von knapp 1368 Quadratmetern. Bezugnehmend auf die Kosten für einen Neubau mit einer Nutzfläche von 1013 Quadratmetern verwies die Regierung auf den Kostenrichtwert für Schulgebäude in Höhe von 4297 Euro pro Quadratmeter, was in der Berechnung einer Summe von etwa 4,35 Millionen Euro entspricht. Als abschließendes Fazit in der baurechtlichen Stellungnahme heißt es, dass die vorangestellte Kostengegenüberstellung auf Grundlage der vorgelegten Kostenermittlungen verdeutliche, dass die Generalsanierung der Schule deutlich teurer wäre als ein Neubau.

Rund 70 Prozent Förderung

Zur Anfrage von Marktgemeinderat Richard Götz (CWG), insbesondere zur Höhe der Fördersätze, antwortete Architekt Greiner, dass sowohl bei einer Sanierung als auch bei einem Neubau circa 70 Prozent gewährt werden. Für dritten Bürgermeister Werner Trenz stellte sich die Frage, ob sich die Kommune das Projekt überhaupt leisten könne. Hier hielt er es dennoch mit Blick auf die bevorstehende Haushaltsberatung für wichtig, eine Grundsatzentscheidung herbeizuführen. In die gleiche Kerbe schlug zweiter Bürgermeister Josef Schreglmann mit der Schlussfolgerung, dass noch in diesem Jahr mit der Planung begonnen und für die nächsten drei Jahre die Investitionssumme im Haushalt eingeplant werden könne.

Für Marktgemeinderat Jan Wiltsch (SPD) gestatte das Gutachten, eine Entscheidung herbeizuführen. CWG-Sprecher Jürgen Geyer fragte an, ob eine weitere Förderung im Zuge der einfachen Dorferneuerung durch das Amt für Ländliche Entwicklung (ALF) in Anspruch genommen werden könne. Dies verneinte Bürgermeister Kürzinger. Nach seinen Worten werden entsprechende Fördermittel nur für den Abbruch des Kopfanbaus bewilligt.

Vor der Beschlussfassung platzte dem Rathauschef fast noch der Kragen, als es darum ging, wie die endgültige Entscheidung lauten sollte. Dazu stellte der Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Kirchenthumbach, Alfred Rauch, klar, dass bei einem Beschluss für einen Neubau eine Entscheidung über eine Generalsanierung aufgehoben werde. Trotz der zwei Gegenstimmen von Heribert Lassner (SPD) und Jürgen Geyer (CWG) gab es ein deutlich mehrheitliches Votum für einen Ersatzneubau.

Hintergrund:

Eine Schelte von Bürgermeister Jürgen Kürzinger gab es für Marktgemeinderat Heribert Lassner (SPD). Dieser hatte zur Beratung über Generalsanierung oder Neubau der Grund- und Mittelschule umfassend Stellung genommen. Dabei gab er einen chronologischen Rückblick bis ins Jahr 2013. Er erinnerte an den Ortstermin mit dem Kreisbaumeister im Jahr 2017. Letzterer habe nach der zweistündigen Begehung einen Sachstandsbericht mit drei Schwerpunkten gegeben. Dabei sei der Kreisbaumeister auch von der Gesamtnote Eins begeistert gewesen, die das Schulamt für die Schule vergeben habe.

Lassner warf auch die finanzielle Situation der Kommune in die Waagschale. Nach seinen Worten betrage die Verschuldung der Marktgemeinde zum Jahresende drei Millionen Euro. Weitere fünf Millionen Euro kämen bei einer Generalsanierung oder einem Neubau hinzu. Der Redner unterstrich, dass dem Marktgemeinderat von Gesetzes wegen klare Grenzen gesetzt seien. Demnach sei haushaltswirtschaftlich und sparsam zu planen, finanzielle Risiken seien zu minimieren und eine Überschuldung sei zu vermeiden.

Die Antwort des Bürgermeisters folgte prompt. Er gab zu verstehen, „vieles gehe am Thema vorbei“. Auf seine Nachfrage hin sagte SPD-Sprecher Dominik Brütting, dass die Stellungnahme seines Fraktionskollegen eine Einzelmeinung sei und nicht die aller SPD-Räte. Für Brütting sind die Aussagen des Kreisbaumeisters nicht relevant. Er verlasse sich auf die Studie des Architekturbüros, unterstrich er.

Architekt Ulrich Greiner hatte mit seiner Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsstudie einen Ersatzneubau favorisiert.
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