22.10.2019 - 11:32 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Fischer, Wagner, Torfwerk

Dem Handwerk fehlt der Nachwuchs, immer mehr Landwirte geben auf. Mit den Kleinbetrieben stirbt auch die Vielfalt im Dorf. Vor fast 70 Jahren bot sich noch ein ganz anderes Bild.

Rinder waren früher nicht nur Milchlieferanten, sie wurden auch als Zug- und Arbeitstiere eingesetzt. Unser Bild aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts zeigt die Familie Zeitler beim Einbringen der Ernte.
von Fritz FürkProfil

1950 gab es in Kirchenthumbach nicht weniger als 105 Gewerbetreibende und 166 landwirtschaftliche Betriebe. Das geht aus einer Erhebung hervor, die der Handwerker- und Gewerbeverein in Zusammenarbeit mit der Gemeinde zu der Zeit vornahm und die der damalige Bürgermeister Hans Schuller durch Siegel und Unterschrift amtlich bestätigte.

Es gab drei Maurer- und zwei Malergeschäfte, sechs Schreinereibetriebe, eine Glaserei, eine Schlosserei, eine Sattlerei, eine Polsterei und drei Zimmerer. Des Weiteren wurden aufgeführt: Schmieden (2), Elektro-Installateur (1), Mühlen (4), Bäckereien (6), Metzgereien (4), Friseurgeschäfte (4), Gärtnerei (1), Schneidereien (17), Schuhmacher (5), Wagnereien (3), Brauereien (2), Mechaniker-Werkstätten (2), Einzelhandelsgeschäfte (12), Herstellung von Rechenapparaten (1), Gastwirtschaften (13), Sägewerke (2), Torfwerke (1), Fischereibetriebe (2), Spar- und Darlehenskasse (1), Apotheke (1), Spenglerei (1) und Kohlenhandlungen (2). Ferner wurden zwei Arztpraxen, zwei Zahnärzte (Dentisten), ein Bader, zwei Hebammen und eine Gemeindeschwester mit Ambulanz im Elisabethenheim registriert.

Die 166 gezählten Landwirte leisteten sich 100 Pferde. In den Stallungen standen 916 Rinder, 68 Schafe, 699 Schweine und 121 Ziegen. Gezählt wurden zudem 214 Bienenvölker, 592 Gänse und 336 Hühner. Die Bauern bewirtschafteten insgesamt 1609 Hektar Land. Davon entfielen auf Ackerland 662,84 Hektar, auf Wiesen 406,73 Hektar, auf Wald 350 Hektar und auf Ödung 100,76 Hektar.

In der Gemeinde wohnten zum 1. März 1951 exakt 2336 Menschen. Davon waren 2088 Katholiken und 240 Nichtkatholiken, wie es damals im Amtsdeutsch hieß. 42 Familien suchten zu diesem Zeitpunkt eine Wohnung.

Auch interessant: Beim Standesamt wurden damals in einem Jahr 158 Geburten und 55 Sterbefälle eingetragen. Die Zahl der Gefallenen von 1939 bis 1950 wurde mit 100 angegeben. Als "vermisst" waren 78 junge Männer gemeldet.

Damals gab es auch noch eine Vergnügungssteuer. Die Gemeinde nahm im Jahr 1950 daraus satte 600,50 Mark ein. Für den Bau einer neuen Wasserleitung wurden 132 000 Mark ausgegeben.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.