18.04.2019 - 14:28 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

"Hausaufgaben nicht gemacht"

Zum Beschluss des Kirchenthumbacher Marktgemeinderats in der April-Sitzung, die alte Grund- und Teilmittelschule abzureißen, und den Bericht darüber schreibt ein Leser:

von Externer BeitragProfil

Ich halte die Entscheidung, als Folge des Neubaus zwingend das Schulhaus abzureißen, für falsch. Spätestens in der letzten Marktgemeinderatssitzung hat sich deutlich gezeigt, dass die Regierungsbank im Rathaus nur eine Alternative verfolgt, nämlich den Neubau und, zwingend damit verbunden, den Komplettabriss. Die Aufgabe, die Schulhaussituation im Sinne der Marktgemeinde für die Zukunft zu verbessern, besteht jedoch nicht darin, mit einer vorgefassten Meinung nur ein Ziel zu verfolgen, sondern darin, eine für Kirchenthumbach sinnvolle Alternative zu finden. Dazu einige Gedanken:

Ist ein Neubau nützlich, und wofür? Ja! Ein Neubau stellt eine gute Alternative für ein zukunftsfähiges Schulhaus dar. Es gibt aber noch offene Fragen, wie zum Beispiel die nachhaltige Finanzierung. Der Antrag der CWG, die für die Entscheidung "pro Neubau" essenziellen Prozent der Fördermittel in das Ratsprotokoll aufzunehmen, wurde vom Bürgermeister verweigert. Es ist sicher nicht für alle nützlich, die genannten 70 Prozent später nicht mehr nachvollziehen zu können. Dabei geht es nicht um "Erbsenzählerei", sondern um die Transparenz demokratischer Entscheidungen, die sich der Bürgermeister auf die Fahnen geschrieben hatte.

Ist der Abriss nützlich und wofür? Laut zweitem Bürgermeister habe die volle Planungsfreiheit für den Neubau und, damit zwingend verbunden, der Abriss für dieses wegweisende Projekt absolute Priorität. Richtig ist, dass das Projekt "Schule" nicht nur für die nächsten Generationen wichtig ist. Warum es dann in einigen Wochen durchgeboxt werden soll und nicht langfristig vorbereitet wird, ist mir nicht verständlich. Dass der Abriss auch einem Nachbargrundstück nutzt, ist offensichtlich. Ob dies ebenso für die Allgemeinheit nützlich ist?

Dass es keine alternativen Flächen für den Neubau gäbe, ist offensichtlich falsch. Der Bürgermeister bestätigte, bisher erfolglose Grundstücksverhandlungen zu führen. Warum jedoch, wenn diese keine Alternative wären, und warum erst so spät? Dass es keine Alternativen für die Weiternutzung des Altbaus gibt, ist ebenfalls falsch. Nicht nur, weil es ein kurzfristiges Kaufangebot für das Elisabethenheim gibt. Auch liegen nur deshalb keine alternativen Nutzungsmöglichkeiten vor, weil keine geprüft wurden - ebenso wenig deren Finanzierung. Vereinsräume, Wohnungen oder auch ein Seniorenheim wären nur einige Möglichkeiten. Warum liest man häufig, dass andere Gemeinden mit hohen Fördersätzen alte Gebäude sanieren und für die Schule wurde dies nicht geprüft?

Alle Argumente hier vollständig zu behandeln, ist leider nicht möglich. Ich komme aber zu folgendem Schluss: Über die vergangenen Jahre wurden keine Alternativen zum Schulhausneubau geprüft. Die Entscheidungen durch den Gemeinderat samt ausreichender Würdigung aller Aspekte wurden nicht genügend vorbereitet, geschweige denn unter Einbeziehung aller Interessensgruppen diskutiert. Vielmehr wird versucht, ein wichtiges und zukunftsträchtiges Großprojekt schnell zu starten.

Ich darf Bürgermeister Jürgen Kürzinger zitieren: "In einer Kommune ist es von großer Bedeutung, ständig im Dialog zu stehen und gemeinsam am Haus der Gemeinde zu bauen. Es braucht Interessensausgleich und Übereinkünfte, um Kirchenthumbach weiter zu entwickeln, um große Projekte durchzuziehen." Auf Basis der sich vom Bürgermeister selbst gestellten Aufgabe komme ich zu dem Schluss, dass die Gemeinderegierung ihre Hausaufgaben zum Thema "Schulhaus" nicht gemacht hat.

Ewald Plößner, Kirchenthumbach

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