28.11.2018 - 14:44 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Als die Kalk-Industrie in "Dumba" blüht

"Kalk aus Kirchenthumbach." Mit diesem Thema beschäftigen sich Jürgen Böhme, Fritz Fürk und Martin Kohl schon lange. Am Ende der Forschungen entschließen sich die Autoren, die Ergebnisse in einer Publikation zusammenzufassen.

Die Vorstellung der Publikation „Kalk aus Kirchenthumbach“ findet in der historischen Backstube bei Margit und Martin Kohl statt. Von links: Fritz Fürk, Jürgen Böhme, Kreisheimatpfleger Hannes Oberndorfer, Martin Kohl und Dr. Andreas Peterek.
von Autor RFÜProfil

Gesagt getan: Jetzt ist das 64-seitige Druckwerk in DIN-A4-Format fertig. Mediengestaltung und Druck in Farbe hat die Druckerei Stock aus Eschenbach übernommen. Zur Vorstellung des Beitrages zur Geschichte des Marktes Kirchenthumbach, Folge vier, in der historischen Backstube des Nußsteinhauses waren auch Dr. Andreas Peterek vom Geopark Bayer-Böhmen sowie Hannes Oberndorfer in seiner Eigenschaft als Kreisheimatpfleger gekommen.

Jürgen Böhme, einer der drei Autoren, hat in dem Werk die Geologie dieses Landstriches unter die Lupe genommen. Er beginnt seinen Beitrag damit, die Geologie sei die Wissenschaft von Aufbau, Zusammensetzung und Struktur der Erdkruste, von den Eigenschaften ihrer Gesteine und ihrer Entwicklungsgeschichte sowie von den Prozessen, welche die Erdkruste formten und bis heute formen. Die Gesteinsschichten, die im Steinbruch Ernstfeld zu sehen sind, stammen aus der Jurazeit und dürften 161 bis 150 Millionen Jahre alt sein. Zu dieser Zeit sei die hiesige Gegend von einem flachen, tropischen Meer bedeckt gewesen. Die Kalkschichten haben eine Mächtigkeit von 37 Meter und sind 0.1 bis 08 Meter dick. Deshalb könne man Fossilien in noch guter Qualität finden. Böhme befasste sich auch mit der Kirchenthumbacher Störung. Die Gesteine aus dieser Zone seien als Sandsteine bis ins 20. Jahrhundert hinein in dieser Gegend weiterverarbeitet und wegen ihrer guten Bearbeitbarkeit auch sehr beliebt gewesen. Wirtschaftlich seien sie wohl zunächst, weiträumig gesehen, eher unbedeutend. Ganz anders verhalte es dich mit dem Abbau, der Weiterverarbeitung und der Vermarktung des Kirchenthumbacher Kalksteins.

Fritz Fürk hat die über 100-jährige Geschichte der Firma Prüschenk aufgearbeitet. Sein Beitrag beginnt mit der politischen Situation um 1900 und beschreibt die Firmengeschichte von der Gründung im Jahre 1907 bis zum Ende des Unternehmens im Jahre 2010. Der Bogen der Firmenhistorie spannt sich von der Dampfziegelei über die Kalkgewinnung bis hin zum modernen Straßenbau. Fürk, der sich seit Jahrzehnten der Heimatforschung widmet, beschreibt zunächst den engagierten Ökonom Franz Eckert, der dem Markt Kirchenthumbach um die Jahrhundertwende seinen Stempel aufgedrückt und Arbeitsplätze geschaffen hat. Später verkaufte er seine Brauerei, das Ziegelwerk und zwei Restaurationsbetrieb, ehe es ihn nach München zog. Die Dampfziegelei und die Kalkherstellung übernahm Jakob Prüschenk. Da die 1904 eröffnete Eisenbahnlinie Pressath-Kirchenthumbach mit der Firmengeschichte unzertrennbar ist, befasste sich Fürk auch mit der Eisenbahngeschichte. Dazu gehören einige Schmankerln aus der Zeit, als durch "Dumba" noch die Lok dampfte.

Martin Kohl beschreibt das Kapitel Kalksteinbrechen und je nach Verwendung die Verarbeitung. Er erinnerte an den Bau der Brennöfen in den Jahren 1907, 1923, 1941 und 1960. Der letztgebaute Ofen steht noch und erinnert an die einst blühende Kalk-Industrie. Kohl hat auch Anlagen gefunden und veröffentlicht - zur Chemie des Kalkes, Bautechnik, zum Kalk-Löschen sowie zur vorrangigen Verwendung von Kalk in Bauwesen, Industrie und Landschaft. Dass die Feldbahn, die die Steine von Ernstfeld zu den Brennöfen und zur Kalkmühle transportierte, wieder surrt und schnurrt, ist vor allem Martin Kohl zu verdanken.

Reich illustriert ist das Druckwerk mit Fotos aus alten Zeiten, Bauplänen sowie mit Farbbildern vom Tag des offenen Denkmals am 9. September 2018. Peterek schrieb in seinem Grußwort unter anderem: Der von der Bundesstraße 470 gut sichtbare Kalkofen von Kirchenthumbach ist nicht nur Blickfang, er repräsentiert in besonderer Weise Industrie- und Technikgeschichte. In seiner Art und guter Erhaltung ist der Kalkofen einzigartig für die Region des Geoparks Bayern-Böhmen. Als Projektleiter und Geschäftsführer des Geoparks dankte er dem KKK und seinen Akteuren für die Initiative zu dieser Infobroschüre. Hannes Oberndorfer bot seine Hilfe an bei der Ideensammlung und Realisierung von Plänen für den weiteren Erhalt des Brennofens neben der B 470.___Gekauft werden kann die Publikation zum Preis von acht Euro an den Schaltern der Raiffeisenbank und der Sparkasse, im Büro der Firma Kollmer im Nußsteinhaus sowie bei den Autoren Jürgen Böhme, Fritz Fürk und Martin Kohl. Die Auflage ist mit 400 Stück limitiert.

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