22.11.2020 - 10:48 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Kirchenthumbacher Steinbruchgelände verkauft

Das Steinbruchgelände im Kerschgraben mit dem Flurnamen "Schmitzreuth" hat den Besitzer gewechselt. Hauptkäufer ist der Bund Naturschutz. Von dem 16 Hektar großen Areal gehen 8,7 an ihn. Den Rest übernehmen Freistaat und Landkreis.

Die Vermessung des ehemaligen Steinbruchgeländes zwischen Kirchenthumbach und Sommerau übernehmen Phillip Kirsch (von links), Reinhold Wilterius von Bund Naturschutz, Ortsgruppe Kirchenthumbach, sowie Vermessungsingenieur Sebastian Böcker.
von Fritz FürkProfil

Das Kirchenthumbacher Steinbruchgelände ist verkauft worden. Die Ortsgruppe des Bund Naturschutzes, der als Hauptkäufer fungiert, wird zukünftig die Pflege des Geländes und die Verantwortung dafür übernehmen. "Sobald beim Notar alle Formalitäten abgewickelt sind, werden wir mit der Pflege beginnen", sagte Ortsvorsitzender Reinhold Wilterius. Inzwischen hat das Vermessungsamt das Areal vermessen.

Der Steinbruch hat in der Kernzone eine Fläche von rund acht Hektar und wurde vor 60 Jahren von der Firma Prüschenk Kirchenthumbach im Zuge der Verteilung von Grundstücken durch die Flurbereinigung als Gewerbegebiet angelegt. Seit etwa 50 Jahren ist der Steinbruch allerdings stillgelegt. Die Kalksteinvorkommen waren nie wirklich wirtschaftlich und qualitativ ausreichend, um das Areal auszubeuten. Seit dieser Zeit liegt das Gelände brach, war aber weiterhin im Eigentum der Firma Prüschenk. Nach dem Konkurs des Unternehmens im Jahr 2010 ging der Besitz über an die Sparkasse Eschenbach bzw. einen Insolvenzverwalter.

Der ehemalige Kalkbrennofen der Firma Prüschenk ein Blickfang an der B470

Der Kerschgraben liegt am äußersten Rand des Jura-Gebietes Fränkische Schweiz und bietet aufgrund seiner Beschaffenheit Einblicke in die dafür typische Geologie. Ein großer Fossilienreichtum kann ebenso besichtigt werden wie für die Geologie typische Vorkommen an Schwammriffen, Ponoren und Dolinen. Freistehende Kalkrifffelsen sind typisch für das Juragebiet Veldensteiner Forst, aber auch im Kerschgraben zu sehen. Die für den Landkreis Neustadt/WN außergewöhnliche Formation wurde auch vom Geopark Bayern-Böhmen erkannt, und es werden deshalb regelmäßig öffentliche Führungen durch Geoparkranger angeboten.

Die seit Jahrzehnten andauernde Brache hat zu einer für den Landkreis außergewöhnlichen Situation bezüglich Flora und Fauna geführt. Es hat sich auf den Kalkmagerrasen, an den Felsabbrüchen und in den temporären Wassertümpeln eine besondere Biologie gebildet. Eine Kartierung wurde im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde erstellt und liegt vor. Sie weist das Vorkommen zahlreicher Rote-Liste-Arten nach. Um nur einige Arten zu nennen: Schlingnatter, Gelbbauchunke, Zauneidechse, höchst seltene Schmetterlingsarten. Alle stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Die Trockenrasen bieten vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten Rückzugsmöglichkeiten.

Seit dem Konkurs der Firma Prüschenk ist die Ortsgruppe aktiv, um den Erhalt bzw. Verbesserung der aktuellen Situation im Steinbruch voranzutreiben. Es besteht eine sehr enge Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Naturpark im Landkreis. Im Laufe der Jahrzehnte kam es zu einer starken Verbuschung des Geländes und damit zur beginnenden Verdrängung der schützenswerten Magerrasenflächen bzw. Beschattung der Hänge und Felsen. Dem muss entgegengearbeitet werden. Entweder durch Beweidung, oder durch manuelles Herausnehmen und Begrenzung des Aufwuchses.

Hauptaufgabe der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe waren bisher Maßnahmen zur Erhaltung des Status Quo. Dafür wurden in Eigenleistungen Hangfreilegungen durchgeführt. Im Herbst 2017 waren 15 Personen aktiv, um in reiner Handarbeit den Felsabbruch im östlichen Bereich komplett freizustellen. Dies ermögliche eine verbesserte Sonneneinstrahlung und folglich die Förderung des für solche Lagen typischen Flora und Fauna. In einer weiteren Aktion stellten 2017 Helfer, ebenfalls in Handarbeit, die Zufahrt wieder her, damit die weiteren Pflegemaßnahmen grundsätzlich möglich werden. Um die Bevölkerung mit in die Thematik einzubinden werden seit Jahren Führungen, gemeinsam mit dem Geopark, angeboten. Hinzukommen mehrere Veranstaltungen im Rahmen des Kinderferienprogramms mit dem Thema „Fossilien im Steinbruch“. Der Ankauf mit Pflege und Entwicklung ist für den Ort und wohl auch für den gesamten Landkreis ein Leuchtturmprojekt. Nicht zuletzt hat die Ortsgruppe auch aufgrund seiner Leistungen im Steinbruch den Umweltpreis 2018/2019 vom Landkreis erhalten.

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