08.03.2021 - 12:12 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Kirchthumbacher Markträte waschen "schmutzige Wäsche"

"Rotes Wasser" beunruhigt viele Kirchenthumbacher. Es ist Sand im Getriebe der Wasserversorgung, befürchten einige Marktgemeinderäte. Die Fraktionen der CWG und der BG Thurndorf fordern deshalb eine rasche Ursachenforschung.

Nicht immer ist das Wasser aus den Leitungen einiger Kirchenthumbacher so klar. Damit beschäftigt sich nun der Marktrat.
von Robert DotzauerProfil

Waschbecken und Klamotten, Dusche und Badewanne: die Verunreinigungen aus den Wasserhähnen in Kirchenthumbacher Haushalten nehmen kein Ende. Selbst das Kaffeewasser ist manchmal rostbraun, beklagten sich CWG-Fraktionssprecher Jürgen Geyer und Alexander Schatz, Sprecher der Bürgergemeinschaft Thurndorf in einem Dringlichkeitsantrag an Bürgermeister und Verwaltung. In der Marktratssitzung forderten sie deshalb eine Ursachenklärung und damit verbunden ein „sauberes Wasser“.

Keine Einzelfälle

Auffallend ist für die Antragsteller, dass die Problematik im gesamten Gemeindegebiet auftritt. Keine Einzelfälle also, wie Jürgen Geyer feststellte und damit dem Argument des Bürgermeisters widersprach, die Gründe der Beanstandungen könnten auch in lokalen Fehlerquellen liegen, etwa im Bereich von Hausinstallationen. Weil gehäuft auftretend forderten die beiden Marktgemeinderäte trotzdem eine systematische Ursachenforschung im Form einer generellen Haushaltsbefragung mit Vorstellung der Beanstandungen in der Mai-Sitzung. „Wir brauchen eine saubere Datenlage auch mit Blick auf die erhebliche Mitfinanzierung der Trinkwasserversorgung durch die Bürgerschaft“, befanden beide Kommunalpoltiker. „Kirchenthumbachs Wasserkunden wollen das, weil sie auf Beanstandungen oft keine plausible Antwort bekommen“. Die Verbraucherbefragung könne gleichzeitig zum Informationsflyer über den Umgang mit dem wertvollsten Lebensmittel ausgestaltet werden, ergänzte Jürgen Geyer.

Kirchenthumbach

Rostrückstände

Nicht gelten lassen wollte Bürgermeister Jürgen Kürzinger die pauschale Kritik am Kirchenthumbacher Trinkwasser. Mit der Feststellung „wir kümmern uns“ verwies der Rathauschef auf regelmäßige Wasserproben durch ein Fachlabor. Alle nach den Vorgaben der Trinkwasserverordnung gemessenen Parameter befänden sich im „grünen Bereich“. Das Lebensmittel Nummer eins genieße auch in Kirchenthumbach hohe Priorität, versicherte der Bürgermeister. Nicht ausschließen wollte der Sitzungsleiter allerdings Rostrückstände nach Leitungsreparaturen. Auch nach Leitungsspülungen könne sich dieses Problem vorübergehend einstellen. Kürzinger verwies zudem auf die Datenblätter aller Laboruntersuchungen in den vergangenen sieben Jahren. Darin habe es keine einzige negative Auffälligkeit gegeben.

Hausinstallationen besser warten

Schützenhilfe erhielt der Bürgermeister von den zur Ratssitzung geladenen Wasserwarten Gerhard Strauß und Christian Rauch. Auch die kommunalen Wassermänner vermuteten als Ursache von Beanstandungen in aller Regel Rückstände in den Wasserkreisläufen der Hausinstallationen. Eine Rolle spiele dabei manchmal auch die richtige Einstellung der Sicherheitsventile und Wasser-Druckminderer. Eine verzwickte Situation, die von Stopfer mit Meldungen aus Heinersreuth befeuert wurde. „In Hascharath füllen sich die Wasserfilter schon in kurzen Abständen mit Sand“. Ein ungewöhnlicher Zustand, der auch bei Neuinstallationen auftrete, wie Stopfer anmerkte.

In der folgenden Diskussion schieden sich die Geister über den Umfang einer Aufklärungskampagne einschließlich einer ergänzenden Fragebogenaktion zu Auffälligkeiten. Für Richard Götz ein Aufwand, der niemand überfordere, wenn der kommenden Wasserrechnung der Marktgemeinde ein Informationsflyer beigelegt werde. Für noch einfacher und dienlicher hielt Jan Wiltsch seinen Vorschlag, in der Gemeinde-Homepage zu informieren und ein Beanstandungsformular einzurichten.

Besser aufklären

Weitgehender war der Wunsch von Ewald Plößner. Der zweite Bürgermeister befand: „Wir sollten nicht erst auf Klagen warten, sondern aufklären“. Hilfreich sei es, die Wasserverunreinigungen in Kirchenthumbacher Haushalten schwarz auf weiß zu ermitteln, um anschließend handeln zu können. Jürgen Geyer zweifelte nicht an Kirchenthumbachs hervorragender Wasserqualität. Doch die gehäuften Einzelbeschwerden seien Anlass, den Beanstandungen auf den Grund zu gehen. Der Verbraucher als Wasserkunde der Marktgemeinde habe ein Recht, gut informiert zu sein. „Rechtfertigen allein genügt nicht“! Deshalb sei auch ein Info-Flyer über Kirchenthumbachs kostbares Nass keine Verschwendung.

Zweifel an einer Fragebogenaktion äußerte Josef Schreglmann. Der CSU-Marktrat befürchtete einen schwachen Rücklauf und eine zu hohe Fehlerquote bei den Beanstandungen. Bei Wasserverunreinigunen werde sich der Verbraucher automatisch beim Wasserwerk oder der Verwaltung melden. Mehr Selbsterkenntnis der Hausbesitzer wünschte sich Christine Smith. Die SPD-Markträtin sprach von der Verpflichtung der Eigentümer, ihre Hausinstallation regelmäßig zu prüfen und gegebenenfalls zu warten. Deshalb sei eine Aufklärungsarbeit der Gemeinde als Träger der Wasserversorgung mit Hinweisen zu möglichen Fehlerquellen zielführender als ein langer Fragenkatalog. Einig war sich schließlich die Ratsversammlung, einen Flyer über Kirchenthumbachs flüssiges Gold zu erstellen und über die Wartung der Hausinstallationen aufzuklären. Der weitergehende Antrag der CWG-Fraktion und der Bürgergemeinschaft Thurndorf zu einer Haushaltsbefragung fand bei Stimmengleichheit von 8:8 Stimmen keine Mehrheit.

Mächtig ins Zeug legte sich Dritter Bürgermeister Alexander Schatz in seiner Funktion als Fraktionssprecher der Bürgergemeinschaft Thurndorf bei seinem Antrag zur Überprüfung der Trinkwasserqualität.
Auch CWG-Sprecher Jürgen Geyer wünschte sich im Rahmen einer Ursachenforschung über die häufig auftretenden Verunreinigungen des Kirchenthumbacher Trinkwassers Klarheit und zusätzlich eine Haushaltsbefragung.
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