06.06.2019 - 14:28 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

"Liebe Frau" weist den Weg

Die barocke Mutter-Gottes-Statue mit dem Kind ist heuer 300 Jahre alt. Aus diesem Anlass erhält das Standbild ein neues, frisches Aussehen. Bis es soweit ist, gibt es viel zu tun für Restaurator Konrad Götz.

Frauenbild Kirchenthumbach.
von Autor RFÜProfil

Der Bamberger hat dieser Tage mit der umfangreichen Restaurierung der aus heimischem Sandstein gehauenen Statue begonnen. Den Auftrag dazu hat die Kirchenverwaltung schon vor längerer Zeit erteilt. Etwa sechs Wochen werden die Arbeiten in Anspruch nehmen. Im Rosenkranzmonat Oktober - konkret am Sonntag, 20. Oktober, dem Tag der Allerweltskirchweih - soll das in neuem Glanz erstrahlende Schmuckstück auf dem Kirchenvorplatz gesegnet werden, gab Pfarrer Augustin Lobo auf Anfrage bekannt.

Die Runderneuerung der "Lieben Frau" ist sehr umfangreich. Nach dem Reinigen der Statue traten witterungs- und altersbedingte Schäden zu Tage. So stellte der Restaurator fest, dass die Köpfe von Maria und dem Kind bei einer früheren Restaurierung nicht nach dem Stand der Technik befestigt wurden. Deshalb war es notwendig, die beiden Häupter mit Edelstahldübeln zu stabilisieren.

Die Schadstellen am Sandstein sind besonders an der Westseite gravierend. Mit einem speziellen Restaurierungsmörtel werden sie ausgebessert und mittels Steinmetzkunst nachbearbeitet, um so wieder zur Urform zu gelangen. Schaden genommen haben auch die Akanthusblätter sowie die Draperie, das Kleid von Maria.

Nach den Reparaturarbeiten und einer längeren Austrocknungszeit wird schließlich die neue Farbe aufgetragen. Schon vor 300 Jahren seien derartige Steinfiguren in bunten Farben bemalt und nicht naturbelassen in Sandsteinfarbe gesetzt worden, informierte Götz.

Die Statue war 1719 von einem namentlich nicht bekannten Künstler geschaffen und noch im gleichen Jahr aufgestellt worden. Den ersten Standort hatte die Steinplastik in einem von Bäumen umgebenen Straßenwinkel am Ende der Ortschaft in Richtung Bayreuth. Damals reichte nordwärts von Kirchenthumbach dichter Wald bis an das obere Markttor heran. Nur schlechte Wege und einsame Pfade führten in die umliegenden Ortschaften. Damit in Zusammenhang steht auch der Ursprung der Marienfigur.

An einem düsteren Tag im Spätherbst war, so die Überlieferung, eine fromme Bäuerin aus Pfaffenstetten bei einem Besuch bei ihren Verwandten in Kirchenthumbach länger geblieben als vorgesehen. Es wurde schon dunkel, und man bat die Frau, doch über Nacht zu bleiben. Diese verließ sich aber auf ihre, wie sie meinte, guten Ortskenntnisse und machte sich auf den Nachhauseweg.

Weit kam die Bäuerin nicht, da wälzte sich von Thumbach her dichter Nebel in den ohnehin schon finsteren Wald hinein, so dass man kaum die Hand vor den Augen sah. Die Frau verlor bald die Richtung und wollte reumütig nach Kirchenthumbach zurückkehren, fand aber aus dem Wald nicht mehr heraus. Alles Rufen war vergeblich. Das Heulen ferner Wölfe und die klagenden Rufe eines Uhus steigerten die schlimme Lage noch. Die Bäuerin fürchtete, im Wald sterben zu müssen.

Innbrünstig flehte sie zur heiligen Jungfrau, der Helferin in der Not, und gelobte, wenn sie gerettet werde, an dieser Stelle eine Mariensäule errichten zu lassen. Mit einem Male wurde es licht um die Verirrte. Sie erkannte deutlich die Örtlichkeit und schlug den rechten Weg ein. Ein heller Schein begleitete sie, bis sie das Ende des unheimlichen nächtlichen Waldes erreicht hatte und endlich die Lichter ihres Hofes erblickte.

Das Gelübde konnte zwar vorerst nicht erfüllt werden, weil Geld in den schweren Kriegszeiten knapp war. Doch nach Jahren fleißigen Sparens beauftragte die gute Frau einen Bildhauer, die Madonna mit dem Jesusknaben zu schaffen. Beraten und unterstützt wurde sie vom damaligen Pfarrer Adam Nebenhög, der von 1699 bis 1721 Seelsorger von Kirchenthumbach war.

Dass der Sockel der Statue einmal als Wegweiser diente, ist unverkennbar. Eingemeißelte Hände zeigen die Richtungen nach Kemnath - "stras nach kemet" - und Bayreuth ("bareit") an. Rätsel gibt ein Hinweis auf, der spielgelverkehrt in Stein gehauen wurde. Vor 15 Jahren ließ Bürgermeister Fritz Fürk eine vom ihm geschaffene Gedenktafel "im Frauenbild" errichten.

Das Kirchenthumbacher Frauenbild wird restauriert.
Das Kirchenthumbacher Frauenbild wird restauriert.
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