20.04.2021 - 14:12 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Photovoltaik: Marktrat sucht Vorzugsgebiete für Freiflächenanlagen

Ein weiterer Zubau von Photovoltaik-Freiflächen soll in der Gemeinde naturverträglich sein. Ein Wunsch des Kirchenthumbacher Marktrates, der in der jüngsten Sitzung zu einer langen Diskussion mit einem Landschaftsarchitekten führt.

Landschaftsarchitekt Dietmar Narr moderierte die PV-Flächen-Diskussion und kündigte eine Studie zu möglichen Vorzugsgebieten für Sonnenkraftwerke an.
von Robert DotzauerProfil

Der weitere Ausbau von Photovoltaik-Freiflächenanlagen sollte idealerweise räumlich gesteuert werden, um die Auswirkungen auf Natur und Landschaft zu minimieren. Die bevorstehende Genehmigung einer Großanlage bei Altzirkendorf und ähnliche Wünsche aus dem Bereich des Gemeindeteiles Thurndorf veranlassten Bürgermeister und die Kirchenthumbacher Räte nun, sich um eine Expertenmeinung zu bemühen. Besonders wegen der Unverwechselbarkeit der Landschaft, um den Kütschenrain zu schützen und um Rücksicht auf den Landschaftsschutz im Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald zu nehmen, suchte das Gremium mit Unterstützung des renommierten Landschaftsarchitekten Dietmar Narr nach ausgewogenen Lösungsansätzen.

Begrenzte Planungshoheit

"Ein Unterfangen mit hoher Vielschichtigkeit", sagte Narr und verwies auf die Begrenzung der kommunalen Planungshoheit. Planungsabsichten schloss der Moderator schon von vornherein für anerkannte Naturschutz- und Wasserschutzgebiete, Waldflächen und Biotope aus. Narr verwies zudem auf Vorgaben der Raumplanung des Regionalen Planungsverbandes und auf aufgewiesene Öko- und Ausgleichsflächen. In Kirchenthumbach gehöre auch die Naherholung zu den Ausschlusskriterien.

Kirchenthumbach

Wie kann deshalb eine mengenmäßige Steuerung gelingen und welche kommunalpolitische Willensbekundung herrscht im Marktrat? Bei den vom Architekten genannten „Totschlag-Argumenten“ drohe das Aus für jedwede künftige PV-Freiflächenanlage, mutmaßte Bürgermeister Jürgen Kürzinger, um gleichzeitig zu betonen: „Wir sind in einer Findungsphase“. Richten soll es ein Leitfaden zur Zulassung weiterer Großanlagen. Diese Meinung wurde in allen Diskussionsbeiträgen deutlich.

Zubauten steuern

Für ein generelles Ja zu PV-Anlagen mit Einschränkungen in der Nähe von Wohnanlagen plädierte Winfried Sporrer. Rudi Stopfer urteilte: „Wir brauchen Sonnenstrom-allerdings nicht um jeden Preis. Auch die Optik und die Einbindung in die Landschaft muss stimmen“. Zu diskutieren sei über die Flächengröße und Anzahl der Anlagen, erklärte Josef Schreglmann und auch Dominik Brütting betonte die Marschrichtung, nichts zu verhindern, aber zu begrenzen. Klare Kriterien aber keinen Automatismus wünschte sich Dritter Bürgermeister Alexander Schatz.

Die Überlegungen von Georg Adelhardt gingen in Richtung einer Nutzung von minderwertigen landwirtschaftlichen Flächen. Ein Irrglaube, wie der Landschaftsarchitekt anmerkte. „Gute landwirtschaftliche Nutzflächen verursachen weniger Ausgleichsmaßnahmen“. Ein grundsätzliches Ja mit gleichzeitiger Flächenbegrenzung kam auch von den Markträten Richard Götz und Georg Schraml „Wir wollen gestalten“, forderte Jürgen Geyer. Daraus folgernd empfahl Narr, sich an der kommunalen Bauleitplanung zu orientieren und als Grundlage für weitere Überlegungen den Flächennutzungsplan heranzuziehen.

Örtliche Öko-Bilanz berücksichtigen

Auf eine klare Linie drängte Daniel Götz. Überlegenswert sei auch eine PV-Begrenzung nach Leistung. Josef Schreglmann und Alexander Schatz brachten daraufhin die örtliche Öko-Bilanz als Genehmigungsmaßstab ins Gespräch. „Wir sollten weitermachen.“ Diesen Eindruck gewann Bürgermeister Jürgen Kürzinger. Bei der Fülle an Ideen für einen dauerhaft verträglichen Zubau von PV-Freiflächenanlagen im Gemeindegebiet akzeptierte das Gremium den Vorschlag des Architekten, aufbauend auf den Besonderheiten der Kirchenthumbacher Kultur- und Naturlandschaft im Rahmen einer Studie drei Lösungsansätze für PV-Vorzugsgebiete vorzustellen.

PV-Bebauungsplan Altzirkendorf genehmigt

Der Regelungsbedarf für weitere PV-Freiflächenanlagen gewann auch beim nächsten Tagesordnungspunkt an Bedeutung. Thema war die Solarparkplanung in Altzirkendorf. Ein Vertrag mit der Firma Voltgrün Energie zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan schuf weitere Fakten auf dem Weg zur Genehmigung des Bauleitplanes. Abgestimmt mit dem Bayerischen Gemeindetag billigte das Gremium den Vertragsentwurf einstimmig.

Nur noch drei Behörden und das Bayernwerk äußersten sich bei einer erneuten Auslegung zum Entwurf des PV-Bebauungsplanes. In der Abwägung kam es zu keinen Änderungen des Entwurfsstandes. Dem Satzungsbeschluss zur offiziellen Aufstellung des Bebauungsplanes für das Sonnenkraftwerk in Altzirkendorf stand deshalb nichts mehr im Wege. Er erfolgte einstimmig.

Kommandantenbestellung verlängert

Einverstanden war die Ratsversammlung mit der Besetzung der Kommandantenstellen der Feuerwehr Neuzirkendorf. Coronabedingt konnten der Kommandant und sein Stellvertreter von den Aktiven noch nicht gewählt werden. Entsprechend den Vorgaben im Bayerischen Feuerwehrgesetz ernannte der Marktgemeinderat bereits zum 1. Juli 2020 Patrick Fischer zum geschäftsführenden Kommandanten und Thomas Gundel zum Stellvertreter. Die anhaltende Pandemie und die Infektionsschutzbestimmungen des Staates zwangen den Rat, die Bestellung bis zur offiziellen Wahl durch die Brandschützer zu verlängern.

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