23.11.2018 - 16:56 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Ein "prachtvolles Schulhaus"

Es ist ein dominantes und ortsprägendes Gebäude: das 90 Jahre alte Mädchenschulhaus, Teil der Bildungseinrichtung im Schulgässchen. Immer mehr kommunalpolitische Stimmen fordern einen Abriss. Dieses Vorhaben hat aber nicht nur Anhänger.

25 Meter lang, 17 Meter hoch und 10 Meter breit: Das Mädchenschulhaus diente als Multifunktionsgebäude. Es beherbergte im Keller Schulküche und Waschküche, im Erdgeschoss einen großen Saal für den „Haushaltsunterricht für schulentlassene Mädchen“ sowie die „Kleinkinderschule“ und im ersten Stock zwei Schulsäle für Mädchen.
von Autor RFÜProfil

(ü) Im Herbst feierte das Mädchenschulhaus seinen 90. Geburtstag. Das 120 000 Reichsmark teure Gebäude mit vier Schulsälen wurde am 29. September 1928 eingeweiht.

Die "Eschenbacher Volkszeitung" berichtete am 2. Oktober 1928 darüber: "Hochwürdiger Herr Pfarrer Zechmeier gab einen Überblick über die Geschichte des Baues. Überraschend schnell ist in Kirchenthumbach ein neues Mädchenschulhaus entstanden. Zwei klösterliche Lehrkräfte aus dem Orden der armen Franziskanerinnen in Dillingen (Schwaben) werden in Zukunft den Unterricht erteilen. (Die beiden Lehrschwestern sind nur im schwäbischen Kloster, aber keine gebürtigen Schwäbinnen, so dass die Eltern keine Angst haben brauchten, die Kinder verstehen dieselben nicht.)"

Viele Kinder, wenig Platz

Unter Federführung von Pfarrer Leonhard Zechmeier und Bürgermeister Jakob Prüschenk war, nachdem die Bevölkerungszahl rapide angestiegen war, bereits im Jahr 1925 der Bau eines Mädchenschulhaus und damit verbunden eines neuen Kindergartens ins Auge gefasst worden. Seit Jahren war in Kirchenthumbach ein vierter Lehrsaal nötig. Deshalb musste Abteilungsunterricht gegeben werden. Zudem war auch "der bisherige älteste Schulsaal im alten Schulhaus außerordentlich mangelhaft", hieß es in der "Eschenbacher Volkszeitung". "So wurde der Schulgemeinde zunächst von privater Seite vorgeschlagen, zwei neue Schulsäle zu bauen und Knaben und Mädchen zu trennen."

Der Elisabethenverein stellte dafür "einen wertvollen Bauplatz auf dem Garten des Elisabethenheimes kostenlos zur Verfügung, allerdings unter der Bedingung, dass der Wirkungskreis der bisherigen Schwestern auf die Schule ausgedehnt und der Unterricht für die Mädchen den Schwestern des selben Ordens übertragen werde. Der Gemeinderat billigte sofort das Projekt, wenn er auch anfangs noch an der Einrichtung des Zieles stark zweifelte." An den Vorbereitungen beteiligt war auch eine Regierungskommission. Sie "erklärte den Bauplatz und die geplante Anlage der Häuser in Verbindung mit dem Elisabethenhaus in jeder Hinsicht als einwandfrei; doch die Zulassung der klösterlichen Lehrkräfte konnte nicht in Aussicht gestellt werden und erschien als unüberwindbares Hindernis. Durch das Entgegenkommen des Bezirksamtsvorstandes, Herrn Oberregierungsrat von Brand, wurde auch dieses Problem gelöst. Im Herbst 1926 wurde die Genehmigung für die Anstellung der klösterlichen Lehrkräfte seitens der Regierung erteilt und damit war der Weg frei zum Ziel."

Eingebunden war außerdem der Caritasverband Regensburg, mit dessen Hilfe das für den Bau benötigte Kapital beschafft werden konnte. Am 10. September 1927 wurde "der erste Stein zum Grundmauerwerk des Schulhauses gelegt, nachdem 800 Kubikmeter Erde ausgehoben waren, die alle das Pferd des Brauereibesitzers Dobmann beförderte".

Zehn Maurer auf Baustelle

Genau fünf Wochen später, am 20. Oktober, wurde der Dachstuhl aufgesetzt: Der Rohbau war fertiggestellt. "Die ganze Arbeit leisteten in dieser Zeit zehn Maurer, neun Handlanger. 120 000 Ziegel wurden verarbeitet, 450 Kubikmeter Quadersteine aus dem so weit entfernten Naßlitz herbeigeschafft." Im Frühjahr und Sommer 1928 erfolgte schließlich der Innenausbau.

"Das Gebäude, das 25 Meter lang, 17 Meter hoch und 10 Meter breit gebaut wurde, beinhaltet im Kellergeschoß eine große Schulküche, eine Waschküche und einen Vorratsraum", informierte die "Eschenbacher Volkszeitung". "Im Erdgeschoss war ein großer Saal für den Haushaltsunterricht für schulentlassene Mädchen untergebracht. Daran anschließend befand sich die Kleinkinderschule mit eigens angefertigten Bänken. Für die Kindergartenkinder wurde ein separater Hauseingang geschaffen, neben dem sich die Toiletten befanden. Im ersten Stock waren zwei Schulsäle für Mädchen angebaut worden."

Den "Weiheakt des neuen Schulhauses und Kindergartens" vollzog am 29. September 1928 der Schuldekan und Geistliche Rat Lommer aus Eschenbach, assistiert von Kaplan Max Iberle. "In seiner Ansprache machte der Geistliche die gesamte Pfarrgemeinde darauf aufmerksam, dass in den Schulzimmern das Kreuz seinen Ehrenplatz erhalten habe".

Für die politische Gemeinde sprach Bürgermeister Jakob Prüschenk. Er übergab auch "das prachtvolle Schulhaus seiner Bestimmung und überreichte der Generaloberin der Dillinger Franziskanerinnen den Schlüssel für das Gebäude.

Im April 1927 fertigte der Architekt den Plan für den Schulhausanbau an das Elisabethenheim, Anfang September wurde mit dem Bau begonnen.
Pfarrer Leonhard Zechmeier war federführend beim Bau des Mädchenschulhauses.
Er war Bauherr und Baumeister: Bürgermeister Jakob Prüschenk.
Der Kirchenthumbacher Schulkomplex (vorne, rechts) in seiner heutigen Form: Ein Teil davon ist das Ende der 1920er Jahre errichtete Mädchenschulhaus (Mitte), das im Herbst vor 90 Jahren in einem feierlichen „Weiheakt“ seiner Bestimmung übergeben wurde. Links davon ist das Elisabethenheim zu sehen; der Anbau rechts stammt aus dem Jahr 1956.
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