05.07.2021 - 10:58 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Schulgebäude Kirchenthumbach bleibt ein Zankapfel: CWG fordert im Marktgemeinderat "Nägel mit Köpfen"

Das Schulhaus mutiert vom Steckenpferd zum Stiefkind, sagt die CWG im Marktgemeinderat Kirchenthumbach. Dafür verantwortlich macht sie den Bürgermeister. Eine Sondersitzung auf Antrag der Fraktion soll Jürgen Kürzinger zum Handeln zwingen.

Sanierung oder Neubau des Schulgebäudes? Auf Antrag der CWG-Fraktion beschäftigt sich der Marktgemeinderat Kirchenthumbach in einer Sondersitzung einmal mehr mit diesem Thema. Auch das Elisabethenheim ist dabei noch nicht abgeschrieben. Beim Bürgerentscheid sprach sich eine klare Mehrheit für den Erhalt und eine zukunftsfähige Nutzung der Räumlichkeiten aus
von Robert DotzauerProfil

„Viel zu langsam, viel zu schleppend. Kein Vorankommen. Es passiert einfach nix“: Viele Marktgemeinderäte sind über den „langen Atem“ des Bürgermeisters sauer. „Bald ist ein Jahr nach dem Bürgerentscheid vergangen, und fast nichts ist passiert“, kritisierte Bürgermeister-Stellvertreter Ewald Plößner in einer Sondersitzung des Marktgemeinderats auf Antrag der CWG-Fraktion die Passivität des Rathauschefs beim Schulhaus-Projekt. Trotz der hohen Dringlichkeit genieße das Thema bei Jürgen Kürzinger offensichtlich keine Priorität, so der Vorwurf der Christlichen Wählergemeinschaft (CWG).

„Außer einer Fraktionsführer-Besprechung im Oktober 2020 ist nichts passiert“, bedauerte Plößner. Ein unhaltbarer Zustand, den die Fraktion zum Antrag auf Sondersitzung veranlasst habe, stellte der Vize-Bürgermeister verärgert fest. „Wir brauchen endlich ein schlüssiges Konzept, um unseren Kindern und kommenden Schülergenerationen ein zeitgemäßes Bildungsangebot zu gewährleisten“, so die Forderung aus den Reihen der CWG. Die beruhigenden Nachrichten aus dem Schadstoffgutachten und das Ergebnis der Raumluftmessungen aufgreifend forderte Ewald Plößner im Namen der Fraktion endlich „Nägel mit Köpfen“.

"Es passiert einfach nix", so der Vorwurf von zweitem Bürgermeister Ewald Plößner.

Raumbedarfsprüfung soll Aufschluss geben

Der zweite Bürgermeister verband mit dieser Feststellung als erste Präferenz eine Raumplanung und einen Planungsauftrag für eine Generalsanierung der Schule. Auch für andere Optionen zeigte er sich aufgeschlossen. Erst ein geprüfter Raumbedarf könne Antworten über bauliche Alternativen liefern. Ein rasches Handeln sei das Gebot der Stunde. Schlussfolgerung war für den Vizechef der Marktgemeinde die Aufforderung an den Bürgermeister und die Räte, „auf einem Weg zu den bestmöglichen Lösungen unverzüglich alle Beteiligten vom Planer bis zur Regierung an einen Tisch zu bringen“.

Ein Standpunkt, den CSU-Fraktionssprecher Josef Schreglmann in Frage stellte. Schon längst könnten ein Förderbescheid vorliegen und erste Vergaben beschlossen sein, meinte er. Der Bürgerentscheid habe jedoch die Neubauvariante als beste Lösung lahmgelegt: Eine Entwicklung, die auch für die Schulabteilung der Regierung nicht nachvollziehbar gewesen sei, behauptete der CSU-Mann. An die Machbarkeitsstudie erinnernd warnte Schreglmann vor der deutlich teureren Sanierungslösung. Bei einem Zuwarten befürchtet er eine unendliche Preisspirale: Neue Planungen verursachten neue Kosten. Deshalb könne sich die Marktgemeinde eine Generalsanierung gar nicht leisten.

Nicht an alten Gemäuern hängen

Auf das Votum der Kirchenthumbacher im Bürgerentscheid eingehend urteilte der CSU-Fraktionssprecher: „Auch wenn 60 Prozent der Wähler an alten Gemäuern hängen, ist den 40 Prozent, überwiegend jungen Familien, ein Neubau zu gönnen.“ Dagegen wertete Georg Adelhardt den Bürgerentscheid als Auftrag, eine bestmögliche Lösung zu finden: „Drei Gebäude ohne Nutzung stehen zu lassen, geht nicht.“ Entsprechend groß sei die Herausforderung für alle Beteiligten.

Auch dritter Bürgermeister Alexander Schatz warnte davor, den Willen der Bürger zu ignorieren. Nicht leisten könne man sich weitere Planungsverzögerungen. Deshalb sei ein entschlossenes Handeln unverzichtbar. Während Winfried Sporrer davor warnte, die weit vorgeschrittenen Planungen für einen Neubau nicht aus der Diskussion auszuschließen, befand Jürgen Geyer: „Drei Gebäudegutachten müssen reichen; lasst uns deshalb endlich beginnen.“ Das Basiswissen sei nun bekannt. Als nächster Schritt müssten das Einvernehmen mit der Regierung hergestellt und ein Planungskonzept auf den Weg gebracht werden.

Offen sein für Lösungsvorschläge, die nur ein Architekt liefern könne: Diese Meinung vertrat auch Daniel Götz. Nur ständig ohne Konsequenzen "aus dem Bett zu fallen", helfe nicht weiter. Alexander Schatz ergänzte: „Wir wissen nicht annähernd, was wir brauchen. Lasst uns deshalb auf die Suche nach einem Spezialisten machen und ein ergebnisoffenes Raumprogramm in Auftrag geben.“ Aufgeschlossen für eine Lösung mit Vernunft und Augenmaß zeigte sich auch Christine Smith. Im Fokus müsse dabei ein planvolles Konzept für Schule und Offene Ganztagsschule unter Berücksichtigung des Gebäudeerhalts stehen. Die SPD-Marktgemeinderätin appellierte zudem an das Kollegium, für alle baulichen Optionen offen zu bleiben und das beste Konzept zu unterstützen.

„Knall und Fall“ einen neuen Architekten zu beauftragen, davor warnte in einem weiteren Diskussionsbeitrag Josef Schreglmann: Neue Planer kosteten neues Geld. Zudem erinnerte er vielsagend an folgenschwere Fehler des Rathauses, die zu Schadenersatzforderungen geführt hätten. Jürgen Geyer wünschte sich nach neun Monaten Stillstand vom Rathauschef entschlossenes Handeln.

"Für einen Neubau lagen bereits Millionen Euro auf den Tisch." Darauf weist Bürgermeister Jürgen Kürzinger in der Sondersitzung hin.

Appell zur Geschlossenheit

Der so Gescholtene gab zu bedenken: „Wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen.“ Im CWG-Antrag könne er sich nicht wiederfinden, erklärte er. Für einen Neubau seien bereits Millionen von Euro auf dem Tisch gelegen. Nun beginne die Diskussion mit dünnen Argumenten aufs Neue. Wenig hilfreich nannte der Bürgermeister die unterschiedlichen Fraktionsmeinungen. Zu einem solch großen Projekt gehöre die Geschlossenheit des Marktgemeinderats, die er jedoch schmerzlich vermisse, betonte Kürzinger. Anträge allein seien weder zielführend noch überzeugend. Weil kostengünstiger, zählt der Bürgermeister einen Neubau einschließlich einer Offenen Ganztagsschule immer noch zu den realistischen Optionen.

Die zweistündige Debatte mündete in einen Beschlussantrag von Ewald Plößner, das Schulhaus-Thema als festen Tagesordnungspunkt mit jeweiligen Zwischeninformationen des Bürgermeisters in jede Sitzungsladung aufzunehmen, zur Erstellung eines Raumprogrammes Kontakt zu qualifizierten Planern aufzunehmen und umgehend zu Gesprächen am Runden Tisch mit allen Beteiligten und Fachleuten einzuladen: eine Forderung, die vom Gremium einstimmig gebilligt wurde.

Glasfaser für Schule und Rathaus

Den Kommunen winkt eine staatliche Förderung von bis zu 90 Prozent zur Herstellung von Glasfaseranschlüssen für Schulen und Rathäuser: Eine Chance, die die CWG-Fraktion veranlasste, Bürgermeister und Räte aufzufordern, sich diesem Förderprogramm anzuschließen. Da derzeit in Kirchenthumbach das Glasfasernetz verlegt werde, empfahl zweiter Bürgermeister Ewald Plößner, die Anschlüsse bis zur Schule zu verlängern.

Ein Thema, dass den Bürgermeister schon seit neun Monaten bewege, wie er anmerkte. Kürzinger verwies unter anderem auf einen Förderantrag der Verwaltungsgemeinschaft und auf einen bereits stattgefundenen Gesprächstermin mit dem Amt für Digitalisierung. Als Ergebnis verkündete er: „Wir werden berücksichtigt und sind dick drin.“ Weitere Details kündigte der Bürgermeister für die nächste Gemeinderatssitzung an.

„Eine Information, die beruhigt, weil bisherige Aussagen des Bürgermeisters zweideutig gewesen sind“, merkte Ewald Plößner an. Vorsorglich erinnerte Josef Schreglmann daran, den Glasfaseranschluss auch in das Rathausgebäude zu verlegen. Vielleicht gehe es dort dann schneller voran, scherzte er. Ergänzend zum CWG-Beschlussantrag entschied sich das Gremium für Glasfaseranschlüsse für Schule und Rathaus.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.