18.01.2019 - 15:41 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Verbiss "phänomenal niedrig"

Es ist laut Forstdirektor Moritz Neumann ein "sehr schöner Erfolg" für die Hegegemeinschaften Neustadt am Kulm und Kirchenthumbach: "Der Schalenwildverbiss liegt auf erfreulich niedrigem Niveau", heißt es im Vegetationsgutachten 2018.

„Dem Grundsatz ‚Wald vor Wild‘ stehen weder Jagdrecht noch Grundeigentumsrecht noch individuelle forstwirtschaftliche Ziele gegenüber", macht Forstdirektor Moritz Neumann den Jägern der Hegegemeinschaften Kirchenthumbach und Neustadt am Kulm bei der Vorstellung des Verbissgutachtens für das vergangene Jahr deutlich.
von Walther HermannProfil

In der Gaststätte Schmid in Tremmersdorf lauschten die Jäger der beiden Hegegemeinschaften den Ausführungen von Moritz Neumann zu Rechtslage und Ergebnis des Gutachtens. Der Forstdirektor am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) sprach von dem Gutachten als einer gesetzlichen Vorgabe, die dem Schutz forstwirtschaftlichen Grundeigentums und der Unteren Jagdbehörde als Entscheidungsgrundlage für die behördliche Abschussplanung diene.

Neumann stellte zunächst die Kalkulation der Wildschutzkosten vor, die im Amtsbereich des AELF Weiden jährlich bei 162 300 Euro liegen. Der größte Teil davon entfällt auf Schutzzäune. Da die Schutzmaßnahmen einer gesicherten Waldverjüngung dienen, nannte er Bayerisches Waldgesetz, Bayerisches Jagdgesetz und die Forstzertifizierung PEFC als Rechtsgrundlagen dafür.

Der Forstmann lieferte dazu Kostproben aus dem Waldgesetz, zum Beispiel: "Dieses Gesetz soll insbesondere dazu dienen, einen standortgemäßen und möglichst naturnahen Zustand des Waldes unter der Berücksichtigung des Grundsatzes 'Wald vor Wild' zu bewahren oder herzustellen." Ein weiteres Zitat lautete: "Der Wald ist sachgemäß zu bewirtschaften und vor Schäden, auch Wildschäden, zu bewahren." Den Jägern gab er aus dem Waldgesetz mit auf den Weg: "Die Bejagung soll insbesondere die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen."

Tanne wenig vertreten

Neumann stellte der großen Runde dann die natürliche Waldgesellschaft in den beiden Hegegemeinschaften vor, in der die Tanne - "eine Baumart, die wegen ihres Tiefwurzelns in Zeiten des Klimawandels benötigt wird" - noch wenig vertreten ist. Da nach einem Rausfall aus der Zertifizierung kein Holzverkauf über die Forstbetriebsgemeinschaft und auch keine Abnahme durch Sägewerke möglich ist, zitierte er auch noch aus der PEFC-Verpflichtung: "Angepasste Wildbestände sind Grundvoraussetzung für naturnahe Waldbewirtschaftung im Interesse der biologischen Vielfalt." Ergänzend verwies er auf die gesetzliche Verpflichtung der Forstbehörde, in regelmäßigen Abständen Erhebungen zur Situation der Waldverjüngung und des -zustandes vorzunehmen.

Um noch mögliche Zweifel an der Notwendigkeit des Gutachtens auszuräumen, wurde der Forstdirektor mit Hinweis auf einen Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 10. November 2018 deutlich: "Zu einer ordnungsgemäßen Forstwirtschaft gehört die Kontrolle des Schalenwildbestandes. Das forstliche Gutachten ist taugliche Grundlage für die Abschussplanung. Der Grundsatz 'Wald vor Wild' wird bestätigt."

Nach Informationen über Außenaufnahmen und Auswertung der Inventurergebnisse stellte Neumann die Ergebnisse der Leittriebverbisskontrollen in Land, Kreis und vor Ort vor. Dabei gratulierte der Hegegemeinschaft Kirchenthumbach zu ihrem "sehr schönen Erfolg": Der durchschnittliche Verbiss an Laubbäumen ging von 15,4 Prozent im Jahr 2015 auf jetzt 3 Prozent zurück. Die Empfehlung für die Abschussplanung lautete daher: "Der in der letzten Planungsperiode getätigte Abschuss hat zu einer merklichen Entspannung der Verbisssituation geführt. Der getätigte Abschuss ist beizubehalten."

2006 noch fast 50 Prozent

Einen noch geringeren Verbiss weist die Hegegemeinschaft Neustadt am Kulm vor. Neumann kommentierte ihn mit den Worten "phänomenal niedrig". Der durchschnittliche Leittriebverbiss hat sich dort von 49,7 Prozent im Jahr 2006 auf 2,8 Prozent im Jahr 2015 und 1,3 Prozent im Vorjahr vermindert. Die Empfehlung lautete daher, die Abschussvorgabe "moderat zu senken". Dabei müsse jedoch darauf geachtet werden, "den bisherigen Erfolg aller jagdlichen Anstrengungen nicht wieder zu verspielen", wird betont.

Es schloss sich eine lange und lebhafte Aussprache über den Abschuss von Schalen- und Schwarzwild an, während der Moritz Neumann, Michael Berngruber, Revierleiter Schnabelwaid, und Forstwirtschaftsmeister Reinhard Wiesent auch jagd- und forstrechtliche Fehlinterpretationen zurechtrücken mussten. Neumann gab Denkanstöße für künftiges Jagen und bezeichnete die derzeitigen Holzvorräte, "die Forstmann, Sturm und Borkenkäfer regulieren", als so hoch wie noch nie.

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