12.10.2018 - 17:11 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Vieh bis zum Hals im Wasser

Die Alten sagen: Die Unwetter früher waren viel schlimmer und auch die Winter waren knackiger. Bei einem Blick zurück wird klar, dass Stürme wie "Fabienne" schon immer übers Land fegten.

Schäden nach einem Unwetter.
von Autor ÜProfil

Noch immer sind die Geschädigten dabei, die "Hinterlassenschaften" des Sturmes aufzuarbeiten und wegzuräumen. Der sechsminütige Wutausbruch der Natur am Abend des 23. September wird so schnell nicht zu den Akten gelegt werden können, schon gar nicht aus dem Gedächtnis verschwinden. Bei diesem Ereignis wurden Erinnerungen wach an Unwetter und Stürme vergangener Jahre, an die sich nur mehr die ältere Generation erinnern kann.

Im August 1947 deckte ein Wirbelsturm in der Gemeinde Kirchenthumbach zahlreiche Häuser ab. Im Weiler Luisenhof stürzten zwei Scheunen des landwirtschaftlichen Gutes Hub ein. In einer von ihnen hatten Arbeiter Schutz vor den taubeneiergroßen Hagelkörnern gesucht. Als das Dach samt Dachstuhl zusammenbrach, wurde ein 54-jähriger Mann von einem herabstürzenden Balken erschlagen. Landauf, landab wurden zahlreiche Straßenbäume entwurzelt und auch die Wälder nahmen großen Schaden. In ganz Bayern wurden vor dem Unwetter bis zu 35,7 Grad Hitze gemeldet.

Ein Unwetter größeren Kalibers zog am 14. Juli 1956 über das Gemeindegebiet. An der Bergkirche Maria Zell wurde dabei eine mächtige Linde vor dem Eingangsbereich entwurzelt. Oberlehrer Anton Wurzauf, ein begnadeter Schreiber seiner Zeit, hielt in seinen Aufzeichnungen unter anderem fest: "Ernstfeld am Rande des Übungsplatzes wurde am schwersten heimgesucht, wobei die Anwesen Albersdorfer und Hörl ganz besondere Schäden erlitten haben.

Wasser strömt durch Hof

Die Bewohner vom Albersdorfer Hof waren durch die Wasserfluten, die sich durch den Hof ergossen, stundenlang von außen abgeschlossen. Das Vieh stand bis an die Hälse im Wasser, 20 'Ziewerln' und Hühner wurden von dem plötzlich einstürzenden Wasser fortgerissen. Der Hund konnte im letzten Augenblick vom Ersaufen gerettet werden. Die von der Bundesstraße her anstürmenden Wogen rissen das schwere Scheunentor auf, nahmen den langen Leiterwagen mit, das zweite Tor aufsprengend, Zäune umwälzend und schließlich mit einem fürchterlichen Krach zerbrechend.

Im Hofe bildete sich ein Hügel von Sand, Schotter und Gesteinsbrocken. Das Wasser stürzte in den Keller, wo es versickerte, weil das Haus auf durchlässigem Kalkfelsen steht. Brennholz, ein Tragkorb, ein Handwagen, ein Tisch, Latten und dergleichen wanderten talwärts. Die Wiesen wurden zum Teil verschlammt. Der Brunnen wurde verunreinigt, der schöne, bequeme Löschteich arg beschädigt. Albersdorfers Vieh musste über Nacht in Hammers leeren Stall gebracht werden. Auch bei Hörl entstand viel Schaden auf ähnlicher Weise."

Rübenfeld abgeschwemmt

Wurzauf berichtete zudem von großen Waldschäden: "Ein grauenhaftes Bild bietet auch der Wald auf dem 'Kuhstriegl' knapp am Truppenübungsplatz. Er gehört den Ernstfeldern und ist fast zu 80 Prozent vernichtet. Fast alle Bäume sind geknickt und liegen wirr durch- und übereinander (...). Der Wald sieht aus, als wäre er mit Granaten beschossen worden oder als hätten ungeheure Titanen in ihrem Zorn gewütet. Große Waldschäden haben auch die Sommerauer, Görglaser und Asbacher Bauern erlitten."

Die Fluren blieben ebenfalls nicht verschont. "Bei Ernstfeld sind auch diese Schäden am größten. So ist zum Beispiel ein vorher schönes Rübenfeld vollständig und außerdem ein breiter Streifen Humus abgeschwemmt", schreibt der Oberlehrer. "Die restliche Heuernte - schätzungsweise fünf bis zehn Prozent - ist gefährdet. Viel Heu wurde in den Tälern von Tagmanns und Penzenreuth fortgespült."

Bei der Wanderung durch das vom Unwetter schwer getroffene Gebiet und beim Gespräch mit Geschädigten ging Wurzauf allerlei durch den Kopf. "Man erkannte wieder den hohen Wert unserer Sträucher, Hecken und Bäume in geschlossenen Verbänden, Sturmgeschützt ist Görglas, Wassernot verhindern die Weiden und Erlen am Neuzirkendorfer Bächlein. Hätte es nicht diesen Schutz, und die Wälder am Oberlauf, die Fluten - sie waren bis zu vier Meter hoch - hätten Teile der Wiesen weggefegt." Der Oberlehrer wies außerdem auf "verschiedene Menschenarten" hin: "Die ernstlichen Schaden erlitten haben, sprachen sachlich und bescheiden, auf Hilfe hoffend. Die aber nur geringen Verlust zu beklagen hatten, machten ein Geschrei, als hätten sie alles verloren."

Zum Schluss seines Berichts hob er hervor, dass "unsere Teiche die alleinigen Gewinner bei dem Unwetter sind, sie führen jetzt nämlich alle reichlich Wasser". Zwei Tage nach dem Unwetter ging ein vier Seiten langer Bericht an die Zentralstelle des Deutschen Wetterdienst in Bad Kissingen. Unvergessen sind auch die Orkane "Vivian" vom 25. bis 27. Februar 1990 und "Wiebke" am 28. März 1990, die ebenfalls schwere Waldschäden verursacht haben.

Riesige Wassermassen wälzten sich bei einem Unwetter durch den Ort Ernstfeld am Rande des Truppenübungsplatzes.
Vor der Bergkirche Maria Zell wurde beim Unwetter im Juli 1956 eine mächtige Linde entwurzelt.
Zwei Scheunen des landwirtschaftlichen Gutes Hub hielten 1947 den Sturm und dem Gewicht der schweren Hagelmassen nicht stand. Ein herabstürzender Balken erschlug einen Arbeiter, der in dem Gebäude Schutz gesucht hatte.
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