„Welcher Papi kann denn den leuchtenden Augen seiner Tochter widerstehen?“, fragt Reisinger. „Aber die Leute unterschätzen komplett, was das für kleine Wirbelwinde sind.“ Die Tiere haben einen „starken Eigenwillen und wissen genau, wie sie sich wem gegenüber verhalten sollen“. Außerdem können sie sehr schnell laufen. Und: „Shetland-Ponys sind eigentlich die stärksten Pferde der Welt, wenn man ihre Zugleistung mit dem Körpergewicht vergleicht. Sie können mehr ziehen als ein Kaltblüter.“
Pony-Kindergarten
Reisinger und ihr Mann stammen aus der Hallertau und betreiben den Ponyhof „Zum Wilhelm“ im Tännesberger Ortsteil seit 2016. Sie bieten ein Programm für Kinder ab zweieinhalb Jahren an. Offiziell heißt es Ponygewöhnung, Reisinger findet aber den Begriff Pony-Kindergarten geeigneter. Therapie steht nicht mit auf dem Stundenplan. „Kinder sollen Ponys knuddeln können, bevor sie eine Therapie brauchen oder krank sind. Für normale Kinder gibt es in der Region keine Möglichkeit, mal mit Ponys in Kontakt zu treten. Was wir machen, ist eine Marktlücke.“ Die Reisingers laden auch regelmäßig Kindergärten ein. Die Buben und Mädchen können dabei Ängste abbauen und machen eine völlig neue Erfahrung: Sie dürfen bestimmen.
Die Kleinen „sollen so den Umgang mit der Natur wieder lernen“, auch für Erwachsene ist das gut. „Die Eltern sind begeistert“, sagt Christine Reisinger. Zehn Ponys und zwei Kaltblüter stehen dafür bereit. Außerdem gibt es noch viele kleine Hunde und einen Streichelzoo. Aber „Peter“ und „Sonja“ sind schon besonders süß. Kein Wunder, wenn sich ein Kind ein Mini-Pferd als Weihnachtsgeschenk wünscht.
Angeblich pflegeleicht
Daher können Interessenten bei Reisinger auch Rat suchen. Sie empfiehlt dringend, sich vorher gut zu informieren. Ein Pony kann bis zu 40 Jahre alt werden, man sollte also auf möglichst viele Eventualitäten vorbereitet sein. „Die Leute werden sehr oft angelogen, wie pflegeleicht diese Tiere angeblich sind. Aber der Aufwand ist genauso groß wie bei einem Pferd. Gerade die Zeit bis Weihnachten ist Hochsaison. Da wird alles verkauft, was nach Pony aussieht.“ Am billigsten sind oft die Vierbeiner, die für Kinder am wenigsten geeignet sind. Ein Verkauf ist dann ziemlich schwer, die Tiere landen daher manchmal in Schuppen, wo sie jahrelang ohne richtige Pflege untergebracht sind, oder werden sogar ausgesetzt.
Wenn sie nicht schon qualvoll gestorben sind, sind sie meistens völlig unterernährt. Oft finden Spaziergänger die halbverhungerten Tiere. Aber: „Das sind keine absichtlichen Tierquälereien, die Halter sind einfach heillos überfordert“, betont die staatlich geprüfte Pferdewartin. Eine Bekannte von ihr holt solche Ponys dann ab und versucht, sie wieder aufzupäppeln. Aber das ist teuer, daher landen diese Tiere dann meistens auf einem Lastwagen und kommen zum Schlachten nach Italien. „Dort sind die Schlachtgebühren geringer als bei uns“, erklärt Reisinger.
So ein Fall ist auch das sechs Monate alte Fohlen „Peter“. Die Vorbesitzer hatten sich zwei Ponys gekauft und nicht gemerkt, als eins trächtig war. Plötzlich standen dann drei Tiere im Garten, dabei brauchen gerade die Jungen mineralstoffreiches Futter und Spurenelemente. „Solche Fohlen haben eigentlich schlechte Karten.“ Der kleine „Peter“ aber hatte Glück, Reisinger versorgt ihn liebevoll.
Nicht in Wohnung halten
Im Garten oder hinterm Haus ist also kein geeigneter Platz für Ponys. „Und auf gar keinen Fall in der Wohnung, auch die ganz kleinen nicht.“ Darüber hinaus gibt es sehr hohe Umweltauflagen, die private Halter nicht erfüllen können. Ein Pony muss auch beim Veterinäramt angemeldet werden. Davon abgesehen gibt es für eine Miststatt im eigenen Garten gar keine Baugenehmigung. Außerdem ändern sich Auflagen und Vorschriften immer wieder.
Am besten sind Ponys in in einer professionellen Unterkunft untergebracht. Dort werden sie optimal versorgt und gepflegt. Das kostet zwar Geld, aber verglichen mit dem, was für Futter, Stallung, Ausbildung, Versicherung, Zaun, Geschirr oder sonstige Ausrüstung fällig wird, „kann man ein Pony jahrelang in einem Reitstall einstellen“, weiß Reisinger.
Gerade die Zeit bis Weihnachten ist Hochsaison. Da wird alles verkauft, was nach Pony aussieht.















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