26.01.2021 - 15:49 Uhr
Königshütte bei LeonbergOberpfalz

Weck-Holz: Corona kann Weiterentwicklung nicht aufhalten

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Nach der Umstrukturierung des Betriebs Weck-Holz in Königshütte, gibt es weitere Neuerungen. Geschäftsführer Johannes Kirchner holt sich die Unterstützung eines Zimmerermeisters und will bis Ende 2021 rund 750 000 Euro investieren.

Zu Jahresbeginn stieg Zimmermeister Josef Siller (rechts) als Mitgesellschafter und Leiter der Zimmerei in das Unternehmen Casa Vario ein. Siller stand schon vorher als Leiter der Weck-Zimmerei in der Verantwortung. Geschäftsführer Johannes Kirchner (links) freut sich über die Verstärkung.
von Josef RosnerProfil

Die Firma Weck in Königshütte entwickelte sich vom reinen Sägewerk zu einem Spezialunternehmen für Holzverpackungen. Vor wenigen Monaten, im Oktober 2020, richtete Geschäftsführer Johannes Kirchner das Unternehmen neu aus. Aus dem Einzelunternehmen Otto Weck - Industrieverpackungen & Sägewerk wurde die Firma Weck-Holz GmbH. Der 40-Jährige, der das Unternehmen in der fünften Generation führt, gründete zudem die Firma Casa Vario GmbH. Hier bietet er neben Holzhäusern auch individuelle Holzkonstruktionen jeglicher Art für Haus und Garten an. Seitdem wurden weitere Weichen für die Neuausrichtung der Firma mit angeschlossener Zimmerei gestellt.

Seit Jahresbeginn ist der Leiter der Weck-Zimmerei, Josef Siller, Mitgesellschafter der Casa Vario GmbH und fungiert neben Johannes Kirchner als Geschäftsführer des Handwerksbetriebes. "Bei uns gibt es nichts von der Stange", sagt Josef Siller über das Ziel, individuelle Kundenwünsche umzusetzen. Besonders mit der Holzrahmenbauweise sei beim Wohnungsbau fast alles möglich. "Unsere Stärke ist es aber, in schlanker und energetischer Bauweise Ergänzungen an Bestandsbauten vorzunehmen", erklärt der 34-jährige Zimmerermeister. Mit seinem Team, das sich binnen zwei Jahren auf sechs Mitarbeiter verdoppelte, erstelle er etwa klassische Dachstühle, aber auch Carports oder Holzzäune. Die Ausbildung des Nachwuchses ist dem jungen Zimmerer besonders wichtig.

Hallenerweiterung geplant

Die Zusammenarbeit wollen die Geschäftsführer noch weiter ausbauen. Im Frühjahr wird am gemeinsamen Produktionsstandort in Neumühle in eine neue Druckbalkensäge mit automatischer Endstapelung investiert. Dazu ist eine Hallenerweiterung um 70 Quadratmeter nötig. Der Bauantrag dazu wurde bereits genehmigt. Mit der neuen modernen Säge können Platten sehr präzise zugeschnitten werden. Vorgesehen ist, dass sich nicht nur Privatkunden Holzplattenwerkstoffe maßgenau zuschneiden lassen können, sondern auch andere Handwerksbetriebe der Region.

Das Sägewerk Weck entwickelte sich zu einem Spezialunternehmen für Holzverpackungen

Königshütte bei Leonberg

Digitalisierung das große Ziel

Durch die Auflösung des Sägewerks und den teilweisen Verkauf und Rückbau der Anlagen, konnte mehr Lagerfläche erschlossen werden, berichte Johannes Kirchner. Der geschaffene Platz wird nun auch für die Ausweitung des Portfolios an Hobelware genutzt, so der 40-Jährige. Vergangenes Jahr investierte Kirchner 300 000 Euro in eine Optimierungskappsäge, die im Bereich der Sonderverpackungen Einsatz findet. In Zusammenarbeit mit der Firma Weinig, einem weltweit agierenden Hersteller von Maschinen für die Massivholzbearbeitung, entwickelte Weck-Holz ein individuelles Maschinenkonzept. So lassen sich mit der speziellen Säge nicht nur Zuschnitte in hoher Geschwindigkeit herstellen, diese können zudem im gleichen Arbeitsgang mit Bohrungen, Fräsungen oder Kennzeichnungen versehen werden.

Alle Neuanschaffungen dienen dem Ziel der Digitalisierung. "Durch die digitale Anbindung der neuen Maschinen versuchen wir interne Prozesse zu optimieren und uns noch enger mit unseren Kunden zu vernetzen", erklärt Kirchner. Das Gesamtvolumen der Investitionen beziffert der Geschäftsführer nach derzeitigem Stand bis Ende 2021 auf etwa 750 000 Euro.

Coronakrise und Brexit

Auch die Coronakrise wirkte sich auf den Familienbetrieb mit rund 30 Mitarbeitern aus. Kirchner zieht ein Fazit mit gemischten Gefühlen. Die von Weck-Holz hergestellten Ladungsträger und Sonderverpackungen werden größtenteils für den Versand von Waren aus systemrelevanten Branchen, wie etwa der Pharmazie, verwendet. Deshalb wurde Weck-Holz bereits zu Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 als zur kritischen Infrastruktur gehörend erklärt. "So war es letztlich möglich, die Investitionspläne trotz schwieriger Pandemie-Zeiten weiter zu verfolgen."

Dennoch sei es ein schwieriges Jahr gewesen. "Zwar konnten wir weiter unserer Arbeit nachgehen, allerdings mussten wir dafür erhebliche Kosten und Arbeitsleistung aufwenden, womit vorher nicht zu rechnen war." Zudem stehe der Betrieb seit geraumer Zeit durch die extreme Verteuerung auf dem Schnittholzmarkt bereits neuen Herausforderungen gegenüber. "Wir haben all unsere Mittel ausgeschöpft, um die Preise für unsere Kunden so lang wie möglich stabil zu halten", versichert Kirchner, der Sperrholz-, OSB- und Multiplexplatten in diversen Stärken ausbietet.

Auch der Brexit beschäftigt die Firma. Mit dem Ausscheiden aus der EU gelte Großbritannien als Drittland, wodurch der IPPC-Standard für Paletten gelte. "Für unsere Kunden, die dorthin exportieren, bedeutet das, dass auch schon verpackte Waren auf entsprechend behandelte Paletten umgepackt werden müssen", erklärt Kirchner.

Lieferverkehr und Bachlauf

Abschließend blickt der Unternehmer dennoch optimistisch in die Zukunft. Kirchner möchte auch heuer weiter an der Entwicklung des Unternehmens arbeiten. Als entscheidenden Faktor sieht der Geschäftsführer die Verbesserung der Transportwege zum und am Hauptsitz in Königshütte. Hier herrsche heute doppelt so viel Lieferverkehr als noch vor fünf Jahren.

Zudem gibt es noch keine Lösung für den unterirdischen Bachlauf und das marode Einstiegsbauwerk, sagt der 40-Jährige. Bürgermeister Johann Burger habe ihm zugesagt, sich heuer endgültig darum zu kümmern. Sein Betrieb sei der Beweis, dass auch eine kleine Gemeinde ohne Industriegebiet ein hervorragender Wirtschaftsstandort sein kann. Dies sei aber nur mit Unterstützung durch die kommunale Politik möglich.

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