Königstein
01.01.2024 - 11:02 Uhr

Grammy-Preisträger bringt ukrainische Musik nach Königstein

Ukrainische Volksmusik und die ukrainische Klassik bringt das Ensemble „Wyssokyi Samok“ auch gerne Zuhörern in Königstein nahe. Seit seinem letzten Auftritt dort hat sich aber einiges geändert.

Die ukrainischen Musiker begeisterten das Publikum im Gasthof zum Hirschen. Bild: wku
Die ukrainischen Musiker begeisterten das Publikum im Gasthof zum Hirschen.

„Es war gar nicht so einfach, hierher nach Deutschland zu kommen“, erklärte Andrij Jazkiw zur Begrüßung. Das Ensemble „Wyssokyi Samok“ aus der Ukraine, dessen künstlerischer Leiter er ist, gab ein Konzert im Gasthof zum Hirschen. Genau auf den Tag vor 23 Jahren gastierten die Musiker zum ersten Mal dort. Das letzte Mal waren sie vor sechs Jahren in Königstein, bis die Pandemie und der Krieg dies massiv erschwerten.

Das Ensemble besteht aus studierten Berufsmusikern, die von der Idee begeistert waren, die ukrainische Volksmusik und die ukrainische Klassik dem Publikum nahezubringen. Diese einzigartige Musikgruppe begann ihre Tätigkeit im Herbst 1997 und schloss bereits zwei Jahre später einen Vertrag mit dem Staatstheater Kassel. Das Ensemble begleitete das bekannte Singspiel „Im weißen Rößl am Wolfgangssee“ von Ralph Benazky. 1999 hat „Wyssokyj Samok“ in der Philharmonie in Lwiw (Lemberg) ein festes Engagement bekommen. Zudem nahmen die Musiker an mehreren internationalen Festspielen teil, zum Beispiel beim Festival „Junger Künstler Bayreuth“.

Zwei Stücke von Max Reger

Andrij Jazkiw moderierte den Abend in ausgezeichnetem Deutsch. Der erste Teil bestand aus ukrainischen und deutschen Weihnachtsliedern, die die Gäste teilweise mitsangen. Auch zwei Stücke des Oberpfälzer Komponisten Max Reger waren zu hören: „Mariä Wiegenlied“ und „Menschen, die ihr wart verloren“. Ebenso trugen die Künstler klassische Musik von Bach und Händel sowie Unterhaltungsmusik von James Last und Astor Piazollo vor.

Stücke der ukrainischen Komponisten Dmytro Bortnjansjkyi, Maxym Beresawsjkyj, Myroslaw Skoryn, Stanislaw Ludkewytsch und Bohdana Filz waren zu hören. Die Sopranistin Olha Fenjuk begeisterte mit ihrer wunderbar vollen Stimme. Außergewöhnliche Instrumente spielten die fünf Musiker, die Andrji Jazkiw den Zuhörern erklärte. Olexandr Holubnytschyj spielte Zymabalon und Sopilka (eine Art Flöte), Dmytro Baluschka Klarinette und Sopilka. Jaroslaw Myhal war auf dem Cello zu hören, Oleh Naumtschuk auf dem Kontrabass.

Grammy für Soundtrack zum Film „Tschernobyl“

Andrij Jazkiw spielte Panflöte, Sopilka, Akkordeon und Bajan (eine spezielle Art Knopfakkordeon). Vor vier Jahren wurde er in Hollywood als Producer für den Soundtrack zum Film „Tschernobyl“ mit dem Grammy ausgezeichnet. 2022 nahm er in der Nationaljury beim Musikwettbewerb Eurovision teil.

Mit viel Herzblut spielten die Musiker traditionelle ukrainische Volksmusik in ihrer Landestracht. Virtuos beherrschten die begabten Musiker ihre Instrumente. Mit spielerischer Leichtigkeit produzierten sie selbst rasante Tonfolgen und boten eine feinabgestimmte Mischung aus Improvisation und akademischem Spiel. „Ihre Musik hat Seele“, erklärte Zuhörerin Claudia ganz bewegt.

Danach durften die Zuhörer Lieder aus Paris, Bayern, Spanien und Ungarn erraten. Zum Abschluss erklärte Andrij Jazkiw ganz ergriffen: „Wir spüren, dass wir nicht allein sind!“ und wies auf die deutsch-ukrainische Freundschaft und Solidarität hin.

 
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