27.04.2020 - 13:49 Uhr
KohlbergOberpfalz

Kohlbergs Bürgermeister zieht Bilanz

Rudolf Götz hört nach zwei Perioden wie angekündigt, als Rathauschef auf. Nachfolger wird Gerhard List (CSU).

Als Bürgermeister hinterlässt Rudolf Götz dem Markt einige schöne Dinge, die er aus eigener Tasche bezahlte. Der „Bergmann“ vor dem Marktbrunnen und die silberne Amtskette sind zwei davon. Die historischen Münzen oben in der Kette gehörten schon lange zum Inventar. Bisher wurden sie in einer alten Pappschachtel aufbewahrt. Zur letzten Sitzung sponsert Götz seinem Nachfolger noch ein Goldenes Buch für die Kommune, damit der die wirklich wichtigen Anlässe dort festhalten kann, wie er sagt.
von Autor JMLProfil

Für Rudolf Götz endet in wenigen Tagen die Zeit als Kohlberger Bürgermeister. Er zieht ein Fazit seiner zwölf Jahre als Rathauschef und beginnt es mit einem alten Sprichwort: „Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann!“ Das klingt etwas resigniert. Götz: „Nein, ich freue mich auf den neuen Abschnitt, aber je näher der letzte Tag kommt, desto mehr schwingt auch etwas Wehmut mit. Ich war gerne Kohlbergs Bürgermeister“.

ONETZ: Was veranlasste Sie, in die Kommunalpolitik und in den Kreistag einzusteigen?

Rudolf Götz: Politik interessiert mich schon sehr lange, bin bereits in jungen Jahren der CSU beigetreten. Wir stehen hier mit dem Rücken zur Landkreisgrenze, da ist es wichtig, für Kohlberg im Landratsamt präsent zu sein. Motiviert und gefördert haben mich dabei vor allem Hans Bergmann von hier und der ehemalige Landrat Simon Wittmann.

ONETZ: Gab es da Probleme?

Rudolf Götz: (Götz schmunzelt): Ja, die gab es am Beginn schon etwas, weil auch meine Sekretärin, Sabine Hengl, neu in diesem Job war. Wir mussten uns alles gemeinsam erst erarbeiten. Von der Verwaltung in Weiherhammer, aus dem Gemeinderat und von den Bauhofleuten kam aber immer beste Unterstützung. Heute kennt sich Frau Hengl sehr gut, manchmal besser wie ich aus, mein Nachfolger kann auf sie bauen.

ONETZ: Die wichtigsten Dinge die Sie durchgezogen haben, waren?

Rudolf Götz: Da gibt es einige: Die Marktplatz- und Rathaussanierung bei der Dorferneuerung und die Straße von Röthenbach nach Weiherhammer. Dann das komplett gefüllte Siedlungsgebiet Im Meister, der bald fertiggestellte Radweg nach Etzenricht und, ganz neu, dass wir unseren gemeindeeigenen Brunnen erhalten können. Das Wasserwirtschaftsamt hat da einer Veränderung der Schutzzonen wie beantragt zugestimmt. Das, um nur etliche Projekte zu nennen, denn ich bin einer, der Erfolge sehen will, wenn er etwas tut.

ONETZ: Was hätten Sie noch gerne angestoßen, weitergeführt oder vollendet?

Rudolf Götz: Den Umbau vom Schulhaus zum Gemeindezentrum mit dem Feuerwehranbau und einem Seniorengebäude hätte ich gerne noch erledigt, dazu den nächsten Dorferneuerungs-Abschnitt und die Eichelbach-Renaturierung. Was mich immer noch wurmt, ist dass wir keine Windräder auf dem Eichelberg erstellen konnten. Das Projekt hat aber nicht eine Bürgerinitiative sondern das Gutachten des Naturschutzes gestoppt. Aber ich bin zufrieden, mit dem was ich mit den Markträten zusammen in dem Dutzend Jahren erreicht hat.

ONETZ: Hat sie nun mehr Spaß oder Verdruss gemacht, die Zeit als Gemeindeoberhaupt?

Rudolf Götz: Es war ein sehr schönes Amt als Bürgermeister, mit mehr Spaß als Verdruss, vor allem in der ersten Periode. Wir haben damals gleich kräftig angefangen, mit der Dorferneuerung weitergemacht und gleichzeitig das Rathaus saniert. "Das hätte sich keiner so getraut wie du", hat mich damals ein ehemaliger Marktrat gelobt. Damit haben wir der Kommune dadurch wertvolle Bauzeit eingespart. Froh bin ich über die Gestaltung des Marktplatzes, wo viele Bürgergespräche vorausgingen und am Ende fast alle Anlieger einen Wettbewerb um die schönsten Vorgärten daraus machten. Dankbar bin ich, dass es in den ganzen zwölf Jahren keine wesentlichen Probleme mit den Bürgern gab, eher gelegentliches Lob.

ONETZ: Was haben Sie als Bürgermeister und langjähriger Kreisrat gelernt?

Rudolf Götz: Eine gute Menschenkenntnis hatte ich schon vorher, aber die konnte ich durch beide politischen Ämter noch ausbauen. Und bis man Dinge durchbringt, das dauert oft lange. Da ist es wichtig, die Ruhe zu behalten. Im Kreisrat hätte ich gerne noch weitergemacht. Nicht um jemand zu ärgern, sondern weil man da ganz andere Aufgaben mit lösen kann. Bin aber überzeugt, sich hineinzusteigern bringt nichts, wenn Andere da rein wollen.

ONETZ: Zwölf Jahre als Bürgermeister. Warum nicht 18, wie Krauß und Prösl vorher?

Rudolf Götz: Vor meiner Wahl habe ich schon erklärt, dass zwei Perioden genug sind. Heute bin ich mit 65 in einem Alter, wo ich denke: Jetzt können auch Jüngere etwas besser machen. Vor der letzten Wahl habe ich beiden Bürgermeisterkandidaten gesagt: „Ihr könnt mich jederzeit um Rat und Tat fragen, wenn ihr das wollt und ich werde euch helfen. Aber nur dann.“ Meinem Nachfolger Gerhard List rate ich: „Ruhe bewahren, sich nicht hetzen lassen.“

ONETZ: Die Meinung der Familie zur politischen Arbeit?

Rudolf Götz: Da kann ich sagen, dass meine Frau und die Kinder mich immer voll entlastet und unterstützt haben, sonst hätte ich als Selbständiger beide Aufgaben, Firma und Politik nicht stemmen können. Meine Frau hat sich dabei nie in das Gemeindegeschehen eingemischt, sie sagt nur gelegentlich: "Wie du das nur alles so ruhig wegstecken kannst?“

ONETZ: Sie sind als selbständiger Unternehmer und Seniorchef beruflich fest eingespannt.

Rudolf Götz: Ja, ich bin noch voll in der Stahlbaufirma meiner Tochter engagiert. Kunden-Akquise und Verkauf machen immer noch Spaß, von der reinen Organisation werde ich entlastet, kann mich also voll den Käufern widmen. Die Zukunft sehe ich wegen der Corona-Epidemie etwas kritisch, auch wenn die Auftragsbestände noch gut sind.

ONETZ: Was machen Sie jetzt mit Ihrer (vielen) freien Zeit?

Rudolf Götz: (Götz lacht): Das '"viel" kann man gleich streichen. Die Firma ist meine Lebensaufgabe und dann möchte ich nach den Kontaktbeschränkungen mit meiner Frau wieder verreisen. Eigentlich wären wir jetzt in Norwegen und wollten heuer nochmal nach Südtirol. Und ich will sich mehr um meinen Wald kümmern.

ONETZ: Was wünschen Sie sich und der Gemeinde für die Zukunft?

Rudolf Götz: Dem Markt Kohlberg, dass es weiter aufwärts geht, die ganzen angestoßenen Projekte durchgeführt werden und auch finanziell zu verkraften sind. Für uns alle: Viel Glück und gutes Gelingen.

Rudolf Götz.
Rudolf Götz.
Bürgermeister Rudolf Götz verlässt nun bald seinen Platz im Rathas.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.