Eine Radtour unternehmen, obwohl man selbst nicht mehr Radfahren kann. Lieblingsplätze von früher anfahren und dabei in Erinnerungen schwelgen. Das könnte demnächst für eigentlich nicht mehr mobile Senioren in und um Kohlberg möglich sein – jedenfalls, wenn Maria Müllers Wunschtraum in Erfüllung geht. Dafür braucht die 54-jährige Kohlbergerin Unterstützung. Gesucht werden Senioren und Angehörige, die solche Fahrradtouren unternehmen möchten – und Geldgeber.
Möglich werden soll die privat entstandene Idee der Kohlberger Seniorenbeauftragten mit Hilfe eines Parallel-E-Bikes. Das ist ein mit zwei nebeneinander liegenden Sitzen ausgestattetes E-Bike. In die Pedale treten können beide Personen, lenken und bremsen aber nur eine. Ein solches Fahrrad hat Maria Müller kürzlich von einem E-Bike-Spezialisten in Schwarzenfeld ausgeliehen, um mit ihrer 80-jährigen Patentante eine Radltour zu machen. „Ich war zuerst skeptisch, dachte, hoffentlich überfordere ich sie nicht. Aber ich weiß, dass sie früher viel Rad gefahren ist.“
"Können nur Positives berichten"
Die beiden Frauen fuhren in Wernberg zur Eisdiele. Müllers Bilanz: „Es hat sich richtig angefühlt.“ Nun möchte die 54-Jährige solche Touren auch anderen Senioren ermöglichen. Bewegung, frische Luft, soziale Kontakte, Erlebnisse: „Man kann etwas dafür tun, dass der Geist solange wie möglich fit bleibt“, sagt Müller. Das bestätigt Konrad Nickl gegenüber Oberpfalz-Medien. Er leitet in Weiden das Eleonore-Sindersberger-Seniorenheim.
Das Heim besitzt seit zwei Jahren eine elektronisch angetriebene Rikscha, mit der ein Fahrer zwei weitere Personen mitnehmen kann. Mitarbeitende, Angehörige und Ehrenamtliche fahren die Bewohner damit spazieren. Mehrmals wöchentlich werde die Rikscha im Sommer ausgeliehen, zum Beispiel für Touren in die Altstadt oder entlang des Flutkanals, erzählt Nickl. Rund 2.000 Kilometer habe das Gefährt schon auf dem Tacho. „Wir können nur Positives darüber berichten“, sagt der leidenschaftliche Radfahrer. Auch der Heimleiter selbst fährt Bewohner mit der Rikscha spazieren.
Medizinisch sei belegt, dass körperliche und geistige Aktivität vorbeugend wirke und auch bei bereits bestehenden Krankheiten helfen könne. „Es haben alle etwas davon“, sagt er. „Wenn Enkel oder Urenkel zu Besuch kommen, ist es für sie in der Regel langweilig im Altenheim. Mit der Rikscha können sie gemeinsam mit den Bewohnern Unternehmungen machen, anstatt nur auf dem Zimmer zu hocken.“ Unruhigen Bewohnern könne eine Radtour ebenfalls helfen: „Sie bekommen Zuwendung und kommen runter“, berichtet Nickl. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm, wie ein pflegebedürftiger Großvater neben seinem vierjährigen Enkel in der Rikscha saß und der Sohn des Seniors die beiden spazieren fuhr.
13.000 Euro "privat nicht machbar"
Für solche Erinnerungen möchte auch Maria Müller sorgen. Sie würde sich ehrenamtlich als Fahrerin engagieren. „Das kann generationenübergreifend sein. Kinder oder Enkelkinder können mit ihren Eltern beziehungsweise Großeltern fahren, oder Partner, die früher gemeinsam Rad gefahren sind, von denen aber eine Person nicht mehr selbst fahren kann.“ Kostenpunkt für ein Parallel-E-Bike: rund 13.000 Euro. „Das ist für mich privat nicht machbar“, sagt Müller. Sie kenne weitere Angehörige, die die Idee toll finden, ein solches E-Bike aber nicht kaufen können. Deshalb habe sie bereits bei der Gemeinde vorgesprochen.
Auf Nachfrage sagt Kohlbergs Bürgermeister Gerhard List, Maria Müllers Idee sei gut. Er schließe eine finanzielle Unterstützung der Gemeinde nicht aus. "Aber es wäre eine große Investition, die wir uns als Gemeinde selbst nicht leisten können", stellt er klar. Dennoch solle Maria Müller nun erst einmal Interessenten finden, die das E-Bike nutzen würden. "Ich bin skeptisch", sagt der Bürgermeister. Je nach Resonanz wolle er die Ergebnisse aber dem Kohlberger Rat und auf Verwaltungsgemeinschaftsebene vorstellen. Auch Nachbargemeinden wie Luhe-Wildenau oder Hirschau könne man versuchen, einzubinden. Wenn 10 Interessenten aus Kohlberg zusammen kämen und es insgesamt 50 werden, seien das gute Zahlen, findet er.
Auch Maria Müller stellt sich vor, dass das Rad über Kohlberg hinaus zum Einsatz kommen könnte. Sie denkt an Weiherhammer, Kaltenbrunn, Mantel, Etzenricht, Schnaittenbach und Hirschau. Sie will aber zuerst unter anderem im Seniorenkreis und anderen Gruppierungen in Kohlberg vorsprechen. An Ideen für Orte, die angefahren werden können, mangelt es ihr nicht. Neben bekannten Ausflugszielen fallen ihr ein: „das Platzerl im Wald, wo man die meisten Eierschwammerl fand“, „das Bankerl, wo man den ersten Kuss bekam“, „der Baum, unter dem man beim ersten Liebeskummer weinte“, „der Weiher, wo man als Kind gefischt hat“ oder „der Acker, wo man früher Kartoffel geklaubt hat“. Vorstellen könne sie sich auch, Senioren zu Veranstaltungen zu fahren oder den Simultankirchen-Radweg zu nutzen, der durch Kohlberg führt.
Wer sein Interesse unverbindlich bekunden möchte, kann sich unter der Telefonnummer 09608/92 37 78 bei der Gemeinde Kohlberg melden. Das würde das Abschätzen des Bedarfs erleichtern und wäre möglicherweise ein erster kleiner Schritt, den Wunschtraum von Maria Müller Wirklichkeit werden zu lassen.























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