04.11.2020 - 15:41 Uhr
KohlbergOberpfalz

"Moritz" pflanzt im Handumdrehen zehn Zentner Eicheln

In einem Waldgebiet bei Kohlberg wurde mit Hilfe einer neuartigen ferngesteuerten Multifunktionsraupe die Voraussetzung für den Wuchs eines Mischwaldes gesetzt.

Forstarbeiter Dieter Bauer bedient die ferngesteuerte Multifunktionsraupe.
von fsbProfil

Drei Tage lang fanden in einem Waldstück des Staatsforstes zwischen Röthenbach und Kohlberg Maßnahmen zur Waldverjüngung und zum Waldumbau statt. Dabei wurden zehn Zentner Eicheln, die in einem benachbarten Wald mit am Boden ausgelegten Netzen eingesammelt wurden, ausgesät. Aber nicht wie früher per Hand, sondern durch eine erstmals zum Einsatz gekommene ferngesteuerte Multifunktionsraupe.

Diese war letztes Jahr durch die Bayerischen Staatsforsten angeschafft worden und wird an die jeweiligen Reviere ausgeliehen. Zuletzt war sie in Burglengenfeld im Einsatz und wird dann in Bad Brückenau eingesetzt. Sowohl Forstbetriebsleiter Philipp Bahnmüller als auch Revierleiter Erwin Fischer waren positiv von deren Funktionsweise überrascht, wenn auch noch ein paar Verbesserungsvorschläge weitergegeben werden können.

Die "Moritz FR 50" hat Vorderantrieb und kann mit verschiedenen Anbaugeräten leicht für andere Einsätze umgerüstet werden. Forstarbeiter Dieter Bauer lenkte das Gerät geschickt per Fernsteuerung. Es grub dort, wo sich eine Fahrspur ergab, Frässtreifen in den Boden, streute unregelmäßig, je nach Größe, die Eicheln hinein und schob die Rillen wieder zu. Ein Kollege Bauers sorgte für den Eichelnachschub in der Maschine und zwei weitere kümmerten sich um die Nacharbeit, indem sie liegengebliebene Eicheln in die Rillen nachschoben und diese gegebenenfalls leicht mit Erde bedeckten.

Revierleiter Erwin Fischer (links) und Forstbetriebsleiter Philipp Bahnmüller bei der Begutachtung einer der Fräsrillen

Ziel der Aktion war es, diese gut zwei Hektar große Waldfläche im Sinne des auf zehn Jahre angelegten "Vier-Baum-Konzepts" zu einem Mischwald umzugestalten, aber auch, um in weiterer Zukunft viele Eichen als Holzlieferant zur Verfügung zu haben. Ursprünglich war diese Fläche bis in die 1970er Jahre hinein im Besitz des Gutsherrn und wurde dann vom Freistaat aufgekauft, der sie mit Fichten aufforstete.

Obwohl der 24.000 Hektar große Forstbetrieb Schnaittenbach, zu dem das Revier Kohlberg als eines von zehn zugehörig ist, beim Klimawandel im Vergleich zum Frankenwald oder Nürnberger Land relativ glimpflich davongekommen ist, macht sich dieser doch auch hier stärker bemerkbar. Den Fichten fehlt als Flachwurzler durch die trockenen Perioden der beiden letzten Jahre die Feuchtigkeit. Neben Schälschäden durch das Rotwild zersetzt die Pilzkrankheit Rotfäule die Holzstruktur der angeschlagenen Bäume, schädigt sie der Borkenkäfer und bringen sie Starkwetterereignisse wie Stürme oder hier eine regional begrenzte Windböe im September 2018 zum Bruch oder zum Umfallen mit dem Wurzelteller. Daher wurde beschlossen, in dieser entwaldeten Fläche Eichen anzusäen.

Dabei konnte die ferngesteuerte Raupe zur Aussaat gut vordringen. Noch vor zwei Jahren hatte man einen ausgelichteten Kiefernwald in der Nähe noch zum Aussäen per Hand und mit einem Schlepper zum Furchenziehen bearbeitet. Die Eicheln werden Anfang November ausgesät, ehe sie zu keimen beginnen. Eine Lagerung wäre aufwändig und mit Risiken verbunden. Statt Sprösslingen, die durch Düngung und Unterschnitt beim Herausholen aus dem Boden vorbelastet sind, bildet das durch Eicheln gesäte Pflänzchen als Pfahlwurzler zunächst enorme Wurzeln und verankert sich fest im Boden. Zum Schutz wurde das Areal eingezäunt, damit weder Wildschweine die Erde umpflügen können, noch später Wildverbiss an den jungen Pflanzen erfolgen kann. In zehn bis zwölf Jahren ist mit einer geschlossenen Kultur mannshoher Eichenbäume zu rechnen.

Diese Waldfläche wurde vor zwei Jahren zwischen den Kiefern mit Eicheln angesät.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.