25.01.2019 - 17:50 Uhr
Kondrau bei WaldsassenOberpfalz

Traumjobs auf der Operettenbühne

Musik begleitet Lisa Müller aus Kondrau bei Waldsassen ihr ganzes Leben. In ihrem Metier bleibt die 24-Jährige auch weiterhin – nach ihrem Studium und bereits jetzt mit ihren Nebenjobs vor großem Publikum in Dresden.

Auf der Karriereleiter als Sängerin und Musikpädagogin klettert Lisa Müller aus Kondrau bei Waldsassen zielstrebig nach oben. Die 24-jährige Studentin an der Carl-Maria-von-Weber-Hochschule in Dresden hat ein festes Engagement an der Staatsoperette in Dresden. Beim Semperopernball ist sie als eine der VIP-Hostessen Ansprechpartnerin für die vielen Promis auf dem Parkett.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Einen Bachelor hat sie schon in der Tasche. Doch Lisa Müller sieht sich noch nicht am Ziel. Im Interview mit Oberpfalz-Medien erzählt die junge Frau von ihren Visionen, von Glücksfällen und ihren ersten beruflichen Erfahrungen, obwohl sie ihre Gesangsausbildung an der Musikhochschule noch gar nicht beendet hat. Sie ist im Nebenjob festes Ensemblemitglied der Staatsoperette in Dresden. Bei einem weiteren Nebenjob trifft sie viel Prominenz – als VIP-Hostess beim Semperopernball in Dresden.

ONETZ: Ein festes Engagement an der Operettenbühne. Respekt. Wie kam denn das?

Lisa Müller: In der Spielzeit 2018/2019 bin ich als zweiter Knabe in Mozarts bekanntester Oper „Die Zauberflöte“ an der Staatsoperette in Dresden zu sehen. So ein Engagement bereits während des dritten Semesters ist ein echter Glücksfall und eine Ehre für mich. Die Operette wollte die drei Knaben mit jungen Sängerinnen besetzen und so schickte die Hochschule einige Sängerinnen – unter anderem mich – zu einem Vorsingen. Ich scheine als frecher Knabe überzeugt zu haben.

ONETZ: Wie viele Proben stehen an und wann kann man Sie auf der Operettenbühne sehen?

Wir stecken bereits mitten in den Vorstellungen. Die Probenphase war kurz und knackig: Drei Wochen lang wurde fast jeden Tag geprobt. Auch an jedem Wochenende und zusätzlich zur Universität und meinem Nebenjob an der Semperoper. Aber es hat mich erfüllt und mir gezeigt, wozu ich fähig bin und welchen Spaß mir das Leben auf und hinter der Bühne bereitet. Mich kann man noch an drei Vorstellungen als Knabe erleben – am 2. und 5. März sowie am 27. März.

ONETZ: Sie haben also bereits Ihren Traumjob?

Definitiv ja. Jedoch möchte ich später gerne eine Mischung, will unterrichten und selbst auf der Bühne tätig sein – vorzugsweise in einem Chor. Ich bin gespannt, was auf mich zukommt. Ich habe nach meinem pädagogischen und künstlerischen Doppel-Bachelor viele Möglichkeiten zu musizieren und Musik anderen Menschen jeden Alters näher zu bringen.

ONETZ: Wie sehen die weiteren Pläne und Ziele  aus?

Das nächste Projekt wartet schon auf mich: Vor ein paar Tagen habe ich einen erneuten Vertrag unterschrieben – für die Spielzeit 2019/2020. Dann bin in einer Neuinszenierung im Staatsoperetten-Chor zu sehen, bei „One touch of Venus“ von Kurt Weill. In zwei Jahren möchte ich mit einer gut ausgebildeten Stimme und Schauspiel die Hochschule verlassen und dann mit der Musik und meinem Privatleben sesshaft werden – vielleicht auch wieder in der Oberpfalz oder näher an der sächsischen oder bayerischen Grenze. Sachsen hat auch kulturell und – was für mich auch wichtig ist – landschaftlich und an Natur einiges zu bieten.

ONETZ: Beim Semperopernball vor einem Jahr waren Sie erstmalig als VIP-Hostess im Einsatz. Wie sieht es heuer aus?

Ich bin wieder dabei – am 1. Februar. Dieses Jahr bin ich weniger aufgeregt. Ich weiß, was auf mich zukommt und wie ich mich in unterschiedlichen Situationen zu verhalten habe. Dabei geht es etwa darum, dass bestimmte Fotografen von den Leuten ferngehalten werden müssen. Wir bekommen für unseren Job ein Abendkleid, Make-up und die passende Frisur. Das ist schon das kleine "Tüpfelchen auf dem i" an diesem Abend, der hoffentlich dem Motto „Faszination Dresden, Träume werden wahr“ gerecht werden wird.

ONETZ: Welche Promis werden denn da sein?

Das wird bis drei Tage vorher geheim gehalten. Dann heißt es ein paar Namen lernen, da Persönlichkeiten aus den unterschiedlichsten Genres und Ländern zusammenkommen. Es gibt ein zwei Stunden dauerndes Briefing um zu wissen, wann wir wo sein müssen und wie genau das Programm abläuft.

ONETZ: Wie geben sich denn die Promis so, wenn keine Kameras da sind?

Wie ganz normale Menschen. Der eine grüßt und erkundigt sich nach unserem Wohlbefinden. Schließlich stehen wir für sie bis in die frühen Morgenstunden als Ansprechpartner zur Verfügung. Den anderen interessiert eher, wo die nächste Bar ist und ob das Bild schön genug ist fürs Internet. Eine Atmosphäre hinter den Kulissen eben. Aber ich behandle als Hostess alle Gäste in der Oper und zu allen Veranstaltungen gleich. Mir ist es allgemein egal, ob mir ein Fußballer, eine Schauspielerin, ein Politiker oder jemand in Jogginghose – alles schon passiert – gegenübersteht. Mir ist ein respektvoller Umgang wichtig.

Lisa Müller (Zweite von links) als Knabe in der aktuellen Inszenierung von Mozarts Zauberflöte der Staatsoperette Dresden.
Infobox:

Lisa Müller bekam schon frühzeitig einen Zugang und einen Bezug zur Musik. Papa Bernhard Müller hatte früher eine eigene Rockband und ist inzwischen nebenbei klassischer Sänger in der Musikschule des Landkreises Tirschenreuth. Diese nennt Lisa Müller auch im Zusammenhang mit ihrem Werdegang: Mit elf Jahren schon hatte sie dort den ersten Gesangsunterricht bei Carol Bischoff. Damals war die Kondrauerin auch im Musiktheater dabei und nahm Gitarren-, Klavier- und Ballettunterricht. Auch als Hochzeitssängerin oder in Chören war und ist Lisa Müller aktiv. Chöre spielten seit der Grundschule ein Thema: Seit 2010 und bis heute ist sie, sofern es das Studium zulässt, aktive Sängerin in der Heimat im renommierten Basilikachor unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter.

Nach dem Abitur am Stiftlandgymnasium hatte sich Lisa Müller 2012 an der Berufsfachschule für Musik in Sulzbach-Rosenberg beworben, um die Theorie und die Gesangstechnik für den Einstieg bei einer Hochschule zu erwerben. Anschließend studierte Lisa Müller an der Hochschule für Musik Nürnberg im "Elementare Musik-/ Gesangspädagogik" und hatte nach vier Jahren den ersten Bachelor of Music in der Tasche. Um später einmal mit mehr eigener Erfahrung Gesang unterrichten zu können, bewarb sich Lisa Müller an unterschiedlichen Hochschulen. "Teilweise waren es 200 Bewerber auf 10 Studienplätze", so die Kondrauerin und spricht von einem "Glücksfall": An der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden wurde sie im künstlerischen Bachelor bei Professor Christiane Junghanns angenommen. (pz)

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.