03.11.2019 - 12:40 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Arbeit auf Augenhöhe

Matthias Plonner ist als zusätzlicher Betreuer im Senioren- und Pflegeheim Theresianum in Konnersreuth beschäftigt. Der allgemeine Arbeitsmarkt birgt zwar Herausforderungen für den Rollstuhlfahrer, bringt aber auch Vorteile mit sich.

Die Arbeit des zusätzlichen Betreuers Matthias Plonner (Mitte) im Theresianum in Konnersreuth, unter Leitung von Direktorin Lisa Zang (rechts), sieht jeden Tag ein wenig anders aus. Er richtet sich oft danach, auf welche Aktivitäten Bewohnerinnen und Bewohner wie Rita Hart (links) gerade Lust haben.
von Alicia FuchsProfil

Matthias Plonner ist schon sein Leben lang schwerbehindert. Trotz seiner Ausbildung zur Bürofachkraft fand er lange keinen Arbeitsplatz, jahrelang bemühte er sich vergeblich um eine Beschäftigung. Das Hand-in-Hand-Förderprojekt ermöglichte es ihm schließlich, ein Praktikum im Theresianum in Konnersreuth zu machen. In diesen drei Monaten gefiel Plonner die Arbeit mit Senioren von Tag zu Tag besser. Seit September 2017 ist Plonner fester Bestandteil des Betreuungsteams, eine Förderung durch die Agentur für Arbeit ist noch bis 2021 vorgesehen. Ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis begann er als zusätzlicher Betreuer in 2019.

Er hat einen festen Wochenplan, doch seine Arbeit gestaltet sich flexibel. "Wenn ich in die Arbeit komme, weiß ich eigentlich nie genau, welche Aufgaben mich heute erwarten", sagt der Konnersreuther. Wenn er die Senioren besucht, hat er zwar einige Ideen, wie er den Tag mit ihnen einzeln oder in einer Gruppe gestalten könnte, er versuche jedoch, sich nach den Wünschen der Bewohner zu richten. Er mache Vorschläge, wie etwa Kopfrechnen oder Basteln und nehme sich dann entsprechend ihrer Bedürfnisse Zeit für die Bewohner.

Um die Bewohner fit zu halten, macht Matthias Plonner mit ihnen zwei Mal wöchentlich Sitzgymnastik. Dabei stehen zum Beispiel Ballspiele und Dehn-Übungen auf dem Programm. Diejenigen, die sich nicht selbst informieren können, versorgt der Betreuer auch mit Neuigkeiten aus der Region. Er liest den Menschen im Theresianum dazu Zeitungsartikel aus Konnersreuth und den umliegenden Orten vor.

Ob es schwierig für ihn war, als Bürokraft in den sozialen Arbeitsbereich einzusteigen? "Jein", antwortet Plonner. Ein Vorteil für ihn sei es, dass er bereits wusste, wie er mit einem Rollstuhl umzugehen hat. "Die Menschen lassen sich zum Teil vielleicht auch leichter von mir motivieren", meint er. "Wenn sie sehen, dass ich das auch kann, haben manche mehr Motivation, etwas zu schaffen, auch wenn es mal ein bisschen länger dauert." Trotzdem habe natürlich jeder andere Möglichkeiten. "Am Anfang bekam ich den Ratschlag, mein Tempo ein wenig herunterzufahren, weil nicht jeder so schnell unterwegs sein kann wie ich", schmunzelt der Betreuer. Anders als in einem großen Büro habe er eine enge Verbindung zu seinen Kollegen im Theresianum. "Hier ist man nicht einer von vielen, sondern kennt alle", sagt der Konnersreuther. Er ist Teil eines Betreuungsteams, das aus vier Alltagsbegleitern und zwei Gerontofachkräften besteht.

Viele der Bewohner kennt Plonner bereits, da er in Konnersreuth aufgewachsen ist. Für ihn sei es zunächst eine Umstellung gewesen, alte Bekannte im Heim wieder zu treffen und nun mit diesen zu arbeiten. In Konnersreuth ist Matthias Plonner bekannt, da er sich auch im Schützenverein und als Mathe-Nachhilfe-Lehrer engagiere. Da er sich außerdem gut mit den Rechten von Menschen mit Behinderung auskennt, ist er des Öfteren mit dem örtlichen Behindertenbeauftragten Richard Eckstein in Kontakt oder steht den Konnersreuthern mit Rat und Tat zur Seite, wenn sie seine Hilfe brauchen.

Wege innerhalb der Ortschaft legt Plonner übrigens meist selbst mit dem Rollstuhl zurück. "20-Kilometer-Strecken sind eigentlich kein Problem", sagt er selbst. Im Sommer oder bei gutem Wetter kommt er so auch alleine zur Arbeit, bei schlechter Witterung ist er darauf angewiesen, dass ihn jemand fährt. Alternativ greift er auch einmal zum Regencape. Obwohl er sich im Theresianum wohlfühlt, habe er allerdings auch negative Reaktionen einiger Menschen erlebt. Manche Bewohner reagierten mit Unverständnis, stellten Fragen wie: "Was will der denn hier?". Trotzdem lasse er sich von solchen Vorkommnissen nicht beirren.

An seinem beruflichen Umfeld wolle er nichts ändern. Er schätze die Ehrlichkeit seines Teams, dass man bei Problemen miteinander sprechen und gemeinsam Lösungen finden könne. Da er seine Aufgaben selbständig bewältigen kann, ist er nicht auf eine Betreuungsperson angewiesen. Wenn er doch einmal Hilfe braucht, unterstützen ihn seine Kollegen, begegnen ihm aber auf Augenhöhe. Für die Gesellschaft würde er sich allerdings wünschen, dass die Grenzen zwischen den Menschen verschwinden. "Wenn die Leute jemanden im Rollstuhl sehen, glauben sie oftmals, derjenige sei minderbemittelt oder gehen auf Distanz. Es wäre schön, wenn diese Vorurteile abgelegt werden könnten."

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