21.09.2021 - 10:57 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Vom Badeweiher in Konnersreuth zum Ironman nach Hawaii

Der Ironman auf Hawaii ist der Traum jedes Triathleten. Für Lena Heinrich wird er wahr: Die 33-Jährige darf bei der Weltmeisterschaft im Februar 2022 starten. Dafür trainiert sie auch mal im Konnersreuther Badeweiher.

Lena Heinrich zeigt im Garten in Konnersreuth das Triathlonrad, mit dem sie ihre Wettkämpfe bestreitet.
von Josef RosnerProfil

Die Freude bei Lena Heinrich war riesig, als sie die Qualifikation für die Ironman-Weltmeisterschaft geschafft hatte. Die aus Konnersreuth stammende und in Marktredwitz lebende Sportlerin darf beim nächsten Wettkampf auf Hawaii starten. Mit einem dritten Platz in ihrer Altersklasse der 30- bis 34-Jährigen sicherte sie sich bei der Europameisterschaft in Frankfurt einen der begehrten drei Startplätze.

Die Modedesignerin entwirft beim Radhersteller Cube in Waldershof Fahrradbekleidung. Seit sechs Jahren betreibt sie den Triathlonsport. Angeschlossen ist sie dem RSC Marktredwitz, in der Regel trainiert sie jedoch alleine, wie sie im Gespräch mit Oberpfalz-Medien verrät. Die Trainingseinheiten sind knackig, die Freizeit knapp, der Beruf wichtig – da ist ein gutes Zeitmanagement notwendig. Gut, dass ihr Freund Tobias Meckl ebenfalls begeisterter Triathlet ist.

Seit 2018 hat Lena Heinrich einen eigenen Trainer, den ehemaligen Triathlonprofi Swen Sundberg aus Herzogenaurach. Den Traum von Hawaii hat Lena schon lange, schließlich treffen sich auf der Insel die Besten aus aller Welt. 2019 wagte sie sich an ihre erste Langdistanz in Italien. „Ab da war klar, ich will mehr“, sagt sie rückblickend.

Dreimal hatte sich die Konnersreutherin für den Ironman Mainova 2020 in Frankfurt vorbereitet, jedes Mal wurde er aufgrund der Corona-Pandemie verschoben. Weil sie unbedingt noch einen Wettkampf machen wollte, ging sie in Podersdorf am Neusiedler See über die Mitteldistanz an den Start (1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21 Kilometer Laufen). Wegen eines Sturzes musste sie abbrechen, eine langwierige Verletzung zwang sie zur monatelangen Schonung. In Absprache mit dem Trainer entschied sie sich, den auf 2021 verschobenen Wettkampf in Frankfurt abzusagen. Das neue Ziel war, erst mal wieder richtig fit zu werden, um im Mai in die Saison über kürzere Distanzen einzusteigen.

„Richtig Bock auf Wettkampf“

Bei der Challenge Walchsee erreichte Lena Heinrich einen vierten Platz und qualifizierte sich für die Championships in Samorin (Slowakei). „Ich habe mir zuvor extra Urlaub genommen und wollte top vorbereitet an den Start gehen.“ Doch dann kam plötzlich alles ganz anders: Durch einen Bekannten erfuhr sie, dass man sich für die Europameisterschaften in Frankfurt nachmelden kann. Nach zwei schlaflosen Nächten und einem Telefonat mit ihrem Trainer entschloss sie sich eine Woche vor dem Rennen dazu. „Dabei war ich überhaupt nicht auf die Langdistanz vorbereitet. Doch ich musste es einfach versuchen. Ich hatte richtig Bock auf den Wettkampf."

Keine Zeit für Nervosität

Ihr Trainer motivierte sie: „Du hast das Talent und den Willen, es zu schaffen." Gerade auf ihrem Triathlonrad sei sie "immer eine Waffe", bei den anderen beiden Disziplinen müsse sie cool bleiben und solide agieren. Mit diesen Worten und einem guten Gefühl fuhr sie nach Frankfurt. „Ich hatte gar keine Zeit, nervös zu werden.“

An einem Sonntag im August um 6.40 Uhr fiel der Startschuss. "Das Schwimmen ging einfach an mir vorbei", erzählt Lena. Auf dem Rad wurde es dann so richtig heiß. Die Temperatur stieg auf 33 Grad: "Es war anstrengend und trotzdem konnte ich meine Stärken ausspielen. Der anschließende Marathon lief für meine Umstände erstaunlich gut. An diesem Tag ging einfach alles glatt. Ich kam happy ins Ziel."

10 Stunden, 23 Minuten

Als die Konnersreutherin am nächsten Tag den Pokal für ihren dritten Platz abholte, erfuhr sie, dass sie einen der drei Qualifikationsplätze für den legendären Ironman auf Hawaii erkämpft hatte. „Das war für mich ein unbeschreibliches Gefühl. Ein Traum ging in Erfüllung.“ 3,8 Kilometer Schwimmen, 184 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen bewältige sie in einer Zeit von 10 Stunden und 23 Minuten.

Familie und Freunde freuen sich mit Lena Heinrich. Ihre Eltern erinnern sich daran, dass sie schon als junges Mädchen im Heimatort trainierte und den Grundstein für ihren sportlichen Erfolg legte. Weil viele Bäder im Corona-Lockdown geschlossen waren, drehte sie ihre Trainingsrunden im Frühjahr auch ab und an bei 15 Grad Wassertemperatur im Konnersreuther Badeweiher. Idealere Bedingungen findet die Triathletin beim Trainingslager auf Mallorca.

Nicht ganz billiger Trip

Der Trip nach Hawaii im kommenden Jahr wird nicht ganz billig. Für Startgebühr, Flug und Unterkunft kommen schon ein paar tausend Euro zusammen. Die heiße Phase für Hawaii startet übrigens schon im Oktober, wenn Lena Heinrich auf Lanzarote ein Trainingslager absolviert. Über den einen oder anderen Sponsor würde sie sich natürlich freuen. Aber auch so fiebert die 33-Jährige dem Highlight im Februar entgegen: „Sport macht mir einfach Spaß."

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Diesen Pokal gewann Lena Heinrich bei den Europameisterschaften in Frankfurt. Durch den dritten Platz qualifizierte sie sich für den Ironman im Februar auf Hawaii.
Lena Heinrich beim Marathonlauf in Frankfurt. Die gebürtige Konnersreutherin schaffte dort die Teilnahme für den Ironman auf Hawaii.
Hintergrund:

Ältester Triathlon der Welt

  • Der Ironman auf Hawaii wurde 1978 zum ersten Mal ausgetragen. Er gilt als ältester und besonders anspruchsvoller Triathlon-Wettkampf.
  • Tausende Profis und Amateure messen sich alle Jahre auf der Insel im Pazifik. In Hawaii dürfen nur Sportlerinnen und Sportler an den Start gehen, die sich dafür qualifiziert haben.
  • Die wegen Corona ausgefallene Weltmeisterschaft 2021 wurde auf den 5. Februar 2022 verschoben.
  • Zu absolvieren sind nacheinander 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen.

„Das war für mich ein unbeschreibliches Gefühl. Ein Traum ging in Erfüllung.“

Lena Heinrich nach der Qualifikation für den Ironman

 

 

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