31.03.2020 - 15:20 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Coronavirus lässt Schulfamilie enger zusammenrücken

Arbeitspläne per E-Mail und eine Videosprechstunde: Seit 16. März sind die Klassenzimmer leer. Johanna Reger, Leiterin der Grundschule Konnersreuth, erzählt vom Unterrichtsbetrieb in einer besonderen Situation.

Seit über zwei Wochen sind die Klassenzimmer in den Schulen leer. Johanna Reger, die Leiterin der Grundschule Konnersreuth, erzählt vom Unterrichtsbetrieb in der besonderen Situation.
von Externer BeitragProfil

"Die Schüler bekommen jeden Montag Wochenpläne per Mail", so die Rektorin. Darin werde mitgeteilt, was die Kinder im Laufe der Woche in den einzelnen Fächern absolvieren sollen. Bücher und Arbeitshefte haben die Kinder am letzten Schultag mit nach Hause genommen. Arbeitsblätter werden von den Lehrern eingescannt und mit den Wochenplänen per Mail verschickt. "Wer keine Möglichkeit hat, Blätter auszudrucken, bekommt diese als Kopie und kann sie an der Schule abholen."

Unterschiedliche Rückmeldungen

"Die Rückmeldungen der Eltern waren bisher unterschiedlich", berichtet Frau Reger. Einige Kinder seien sehr motiviert, anderen falle die Motivation für das Lernen schwerer, "vor allem, wenn kleinere Geschwister daheim sind, die nichts arbeiten müssen". Auch das Arbeiten alleine, ohne Partner und Klassengemeinschaft, sei für viele Kinder ein Problem.

Johanna Reger, Leiterin der Grundschule Konnersreuth.

Um Abwechslung in den Lernalltag zu bringen, werden viele Aufgaben mündlich behandelt oder praktische Aufgaben werden mit eingebaut. Eingearbeitet in die Pläne sind auch freiwillige Angebote wie Online-Sportstunden, Links zu motivierenden Filmen und animierten Bilderbüchern, die zum Thema passen, um das Lernen aufzulockern.

Lösungsblätter für die Eltern

Zur Einführung neuer Aufgabentypen erstellten die Lehrerinnen Erklärvideos, die die Kinder sich am Mobiltelefon anschauen konnten. "Vielen Kindern tat es gut, die Stimme der Lehrerinnen zu hören."

Da eine zeitnahe Rückmeldung für Rechtschreibfehler und Rechenergebnisse wichtig ist, erhalten die Eltern hier Unterstützung bei der Korrektur: Lösungsblätter werden von den Lehrern angeboten. Natürlich dürften die Arbeitsblätter auch in den Schul-Briefkasten geworfen werden. "Ein besonderer Dank gilt allen Eltern für die Übernahme der Aufgabe und die gewissenhafte Arbeit mit den Kindern", schreibt Johanna Reger weiter. "Ohne die Mithilfe der Eltern wäre das alles nicht schaffbar."

Notbetreuung

"Die Schulfamilie ist durch die besonderen Umstände näher zusammengerückt", findet die Rektorin. "Jeder gibt sein Möglichstes. Die Schulleitung ist jeden Tag vor Ort und somit telefonisch erreichbar, ansonsten auch per Mail."

Auch an einer kleinen Schule wie Konnersreuth bestehe Bedarf für Notbetreuung: Zwei Schüler sind in dieser Woche da, die von ihrer Klassenlehrerin betreut werden. Auch diese Kinder freuten sich über die Abwechslung zum häuslichen Alltag. "Mit Lernen, Lesen, Spielen im Pausenhof und der Turnhalle vergeht der Vormittag auch im Flug."

Die Eltern entschuldigen sich fast, wenn sie die Notbetreuung in Anspruch nehmen müssen. Doch für die Lehrkräfte gibt es dafür keinen Anlass. "Wir betreuen gerne, schließlich liegt es im Interesse aller, dass der Einzelhandel läuft und Menschen medizinisch versorgt werden können. Und wie in einer Familie alle jetzt zusammenrücken müssen, so unterstützen wir uns innerhalb unserer Schulfamilie gegenseitig, so gut wir können."

Info:

Schulleiter in der Videokonferenz

Rektorin Johanna Reger wäre aktuell auf einem Schulleiterlehrgang an der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen. Teile des Lehrgangs werden jetzt jeden Nachmittag online in Videokonferenzen gehalten, da nicht klar ist, wann ein Präsenzlehrgang nachgeholt werden kann.

In den vergangenen zwei Wochen wurden abends und am Wochenende unter den Schulleitern und Lehrkräften des Schulamtsbezirkes verschiedene Anbieter für Telefon- und Videokonferenzen getestet. Es nahmen bis zu 20 Lehrkräfte teil, so dass der Belastungstest einer Klasse simuliert und über die Funktionalität und die Eignung für die einzelnen Altersgruppen diskutiert werden konnte.

Ziel war es, möglichst schnell geeignete Plattformen zu finden, um mit den Kindern "live" in Kontakt treten zu können, Fragen zu klären und neue Inhalte zu vermitteln, in dem etwa der Bildschirm des Lehrers geteilt wird und die Kinder an ihrem PC/Tablet diesen beobachten können.

Info:

Videosprechstunde ein Stück Normalität

So gut man versucht, das Lernen daheim auch vorzubereiten - es ersetzt nicht den direkten Kontakt in der Klasse. Das merkte Johanna Reger gleich in der ersten unterrichtsfreien Woche. Da hatte die Lehrerin von ihren Schülern schon zwei Mails bekommen. Die Kinder hätten nicht nur die Schule vermisst. "Vor allem die Freunde und Mitschüler fehlten."

Gerade die Grundschüler brauchen den direkten Kontakt zur Lehrkraft und auch zu ihren Klassenkameraden. Deshalb setzte Frau Reger für ihre dritte Klasse kurzfristig eine freiwillige Videosprechstunde an und zwei Stunden später waren sehr viele Drittklässler zum verabredeten Zeitpunkt online. Ziel war nicht, Unterricht zu halten, sondern für Rückfragen zur Verfügung zu stehen und vor allem die sozialen Kontakte und die Klassengemeinschaft aufrecht zu erhalten.

Die Lehrkraft kommunizierte über ihr Tablet. Dadurch, dass man auch mit einem Smartphone teilnehmen kann, und die Eltern jetzt zu Hause sind, waren fast alle Kinder anwesend. "Die Videokonferenz war ein voller Erfolg", freut sich Johanna Reger. "Die Kinder sahen sich gegenseitig und unterhielten sich über ihren Alltag und gaben sich Tipps zur Freizeitgestaltung." Eltern hätten Fragen stellen können zu Inhalten und zur Vermittlung. "Schüler fragten gezielt zu Aufgabenstellungen nach." Die Lehrerin blendete die Buchseiten live ein und erklärte Probleme und Lösung an der Tafel oder auf dem Blatt und somit direkt sichtbar für alle Kinder.

Die Videokonferenz habe für die Kinder ein Stück Normalität bedeutet. "Die Kinder verabschiedeten sich, wie in der Schule, im Chor: ,Auf Wiedersehen, Frau Reger!'" Der Termin für die nächste Videosprechstunde ist auf Wunsch der Kinder schon angesetzt. Auch andere Klassen werden diese Möglichkeit testen.

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