22.12.2020 - 13:40 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Heiligabend für Laura Scharnagl in Hongkong ohne Krautwickel

Immer wieder führen die Wege von Model Laura Scharnagl nach Hongkong. Diesmal verbringt die 25-Jährige aus Konnersreuth sogar die Weihnachtsfeiertage in der Metropole - das allerdings auch etwas unfreiwillig.

Die Vorweihnachtszeit in Hongkong hat Laura Scharnagl aus Konnersreuth schon öfter erlebt. Heuer ist es aber das erste Weihnachtsfest, das die 25-Jährige nicht zu Hause in der Oberpfalz verbringt.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Model Laura Scharnagl verbringt Weihnachten in Hongkong. Es ist das erste Weihnachtsfest, zu dem die 25-Jährige nicht zu Hause in Konnersreuth bei ihrer Familie ist. Corona trug in großem Maße zu dieser Entscheidung bei. Eigentlich wollte sie nach dem Abschluss des Bachelorstudiums diesen Sommer in die USA, um in New York ihre Model-Karriere voranzubringen.

Das Arbeitsvisum für die USA beantragte die Studentin am 15. März - eine Woche vor dem ersten Lockdown in Deutschland. Wegen Corona musste sie ihre Pläne aber über Board werfen. "Dann bin ich erst mal planlos in der Oberpfalz festgesessen", sagt sie. Rückblickend ist Laura froh, während der Hochphase der Pandemie im Frühjahr und Sommer in ihrer Heimat gewesen zu sein. Den Lockdown mit der Familie auf dem Land zu verbringen, sei dann doch angenehmer gewesen, als ihn in einem 15 Quadratmeter großen Zimmer zu erleben. "Wenn ich den ersten Lockdown in Hongkong gewesen wäre - da wäre ich durchgedreht", sagt sie.

Hongkong statt New York

Als die 25-Jährige ihr Visum, das drei Jahre gültig ist, im August erhielt, verschlechterte sich die Corona-Situation in New York enorm. "Da flieg ich nicht runter", sagte sich das Model. Im Hinblick auf die Quarantäne und ohne jeden Anschluss dort war ihr das zu riskant. Die Konnersreutherin entschied sich, noch einmal für ein paar Monate nach Hongkong zu fliegen, obwohl dieses Kapitel für sie eigentlich schon abgeschlossen war. "Erst erreichte Hongkong die dritte Corona-Welle. Als es dort besser war, wurde es in Deutschland wieder schlechter." Anfang Oktober klappte es mit dem Elf-Stunden-Flug. Dann musste Laura erst einmal zwei Wochen in Quarantäne in ihr kleines Appartement. "Das ist nicht ohne", kommentiert sie. Zwar durfte sie das Haus nicht verlassen, wohl aber auf die Dachterrasse. Dort schnappte sie Luft und machte Sport.

Lebensmittel bestellte sie online bei Supermärkten und ließ sie sich liefern. Überwacht wurde die Quarantäne per Bluetooth-Armband, das über eine App mit dem Handy verbunden ist. Im Oktober und November gab es kaum Fälle in Hongkong, berichtet Laura. Clubs und Restaurants waren geöffnet, sie ging ins Fitnessstudio und zu Model-Jobs.

Vierter Lockdown in der Metropole

In der Acht-Millionen-Einwohner-Stadt steigen die Corona-Zahlen seit Dezember wieder. Wobei Laura relativiert: In der Metropole gebe es aktuell täglich zwischen 80 und 90 Fälle. Nicht zu vergleichen mit Bayern. Dort leben 13,5 Millionen Menschen - täglich infizieren sich mehrere Tausend Personen mit dem Virus. "Sobald die Fälle in Hongkong nur ein bisschen steigen, reagiert die Regierung sofort", sagt die Oberpfälzerin. In der chinesischen Metropole herrscht seit Mitte Dezember der vierte Lockdown. Kindergärten und Schulen sind geschlossen. Restaurants müssen um 18 Uhr schließen. Auch in Fitnessstudios bleiben die Lichter aus. Geschäfte und Einkaufszentren dürfen allerdings offen bleiben. Auch Model-Jobs kann die 25-Jährige trotz Lockdown machen - natürlich mit Abstand, Hygienevorkehrungen und Maske. Dennoch merkt Laura, dass es nicht mehr so viele Aufträge gibt wie vor Corona.

Trotz der wiederholten Beschränkungen sei die Stimmung in Hongkong gut. "Auch hier sind die Leute genervt, aber jeder akzeptiert die Maßnahmen und hält sich an die Regeln." In Deutschland sei die Stimmung mieser, findet die Stiftländerin.

Weihnachten ohne Familie

Auch weil sich die Corona-Situation in ihrer Heimat seit ihrer Abreise so verschlechtert hat, entschied sich die Studentin, über die Feiertage in China zu bleiben. "Einfach war's nicht, diese Entscheidung zu fällen. Aber es sprechen zu viele Faktoren dagegen." Der Flug sei alles andere als ein Katzensprung, dann die Quarantäne danach. Und was, wenn sie in Deutschland angekommen wieder monatelang festsitzen würde? "Egal wie man es dreht und wendet. Es ist das Vernünftigste, wenn ich erst mal hier bleibe", sagt Laura.

"Ich fürchte mich schon ein wenig", gesteht die Studentin, die per Fernstudium den Master im Fach Medien- und Kommunikationsmanagement macht. Für Laura ist es das erste Weihnachten, das sie ohne ihre Familie verbringt. "Sogar bei ,Germanys next Topmodel' haben sie uns von Thailand über die Weihnachtsfeiertage nach Hause geflogen." Die Feiertage verbringt Laura mit ihren Freunden. Wahrscheinlich mit mehr Trubel als ihre Familie in der Oberpfalz. Denn in Bayern gelten strengere Regeln als in Hongkong. Die multikulturelle Gruppe trifft sich am 24. Dezember - das bestimmte Laura.

Bei einem Freund in der Wohnung wird an Heiligabend gemeinsam gekocht und gefeiert. Beim Essensvorschlag ließen sich ihre Freunde nicht von der Oberpfälzerin überzeugen. "Bei meiner Oma gibt es traditionell Krautwickel", sagt sie und lacht. Auf die muss sie heuer verzichten. Das Festmenü wird eine Mischung aus den ganzen Kulturen des Freundeskreises: deutsch, russisch, kanadisch, chinesisch. "Ich bringe Bratwürste mit und lass mich ansonsten bekochen - fast so wie zu Hause auch", sagt sie schmunzelnd. Auch Gänsebraten und Blaukraut wurden angekündigt. Ansonsten wird Laura über die Feiertage sehr viel am Telefon hängen und mit Familie und Verwandten telefonieren.

"Ich fürchte mich schon ein wenig."

Laura Scharnagl über die Weihnachtsfeiertage ohne Familie

Weihnachtliche Stimmung

Bis dahin genießt sie die Festtags-Stimmung in der Millionen-Stadt. "Hongkong zu Vorweihnachtszeit ist echt schön", schwärmt die 25-Jährige. "Fast schon übertrieben." Die Weihnachtsdekoration sei für die Chinesen ein Riesending, auch wenn sie Weihnachten nicht großartig feiern. Alles ist bunt geschmückt und beleuchtet, überall stehen riesige Christbäume, LED-Schriftzüge blinken von Hochhäusern herab, sogar kleine Christkindl-Märkte habe es die vergangenen Jahre gegeben. Allerdings passen die Temperaturen nicht so ganz: Obwohl auch in Hongkong gerade Winter ist, hat es im Dezember, Januar und Februar jeweils zwischen 10 und 15 Grad.

Wanderungen in die Berge oder Ausflüge zum Strand und ans Meer sind machbar. "Die Ausflüge tun gut. Ein bisschen Ablenkung, damit einem in dem kleinen Appartement die Decke nicht auf den Kopf fällt", erklärt Laura. Besonders die Natur schätzt sie sehr. Außerdem könne man sich tagsüber auch zum Lunch mit Freunden treffen oder Kaffee trinken gehen.

"Ich bringe Bratwürste mit und lass mich ansonsten bekochen - fast so wie zu Hause auch."

Laura Scharnagl (25)

Nächster Stopp Shanghai?

Für das neue Jahr hat die Oberpfälzerin schon Pläne. "Sofern man in Pandemie-Zeiten Pläne machen kann", merkt sie an. Je nachdem, was schneller umzusetzen ist, will Laura im Februar entweder weiter nach Shanghai oder New York. Aktuell ist die 1,76 Meter große Blondine mit einer Modelagentur in Shanghai in Kontakt. Die Branche in China boome gerade, außerdem gebe es in Shanghai derzeit kaum Corona-Fälle. Wenn sich allerdings die Infektionszahlen in New York stabilisieren, geht es für das Model direkt von China in die USA. Aber ihren 26. Geburtstag Ende Januar verbringt sie noch in Hongkong.

Im Gespräch mit Laura Scharnagl über ihre Heimat und die Model-Branche in Hong Kong

Konnersreuth
Modelaufträge in der Metropole gibt es noch für die Oberpfälzerin. Dabei werden natürlich Hygienevorkehrungen getroffen. Nur vor der Kamera nimmt Laura ihre Maske ab. Sie merkt allerdings, dass die Jobs in Pandemie-Zeiten wesentlich weniger geworden sind.
Das Tragen der Maske ist in Hongkong selbstverständlich, erklärt die Studentin. Von Corona-Leugnern sei in China keine Spur.

 

 

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