20.09.2020 - 12:57 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Das Leben ist verletzlich und zerbrechlich

Höhepunkt des 16. Großen Resl-Gebetstags war das Pontifikalamt in der Pfarrkirche mit Bambergs Weihbischof Herwig Gössl. Auch Therese Neumann habe viel Leid erfahren müssen, so der Prediger und zog Parallelen zur heutigen Zeit.

Coronabedingt durften nicht mehr als 65 Pfarrangehörige zum Festgottesdienst in die Pfarrkirche.
von Josef RosnerProfil

"Wenn uns die vergangenen Wochen und Monate eines überdeutlich vor Augen geführt hat, dann wie verletzlich und zerbrechlich unser aller Leben ist und wie unmöglich es ist, das Leiden aus der Welt zu schaffen", so der Weihbischof im Hinblick auf die Pandemie.

Weihbischof Herwig Gössl ist gebürtiger Münchener, ist in Nürnberg aufgewachsen und war zum ersten Mal in Konnersreuth. In der Pfarrkirche hieß Pfarrseelsorger Pater Benedikt den Weihbischof willkommen. Beide kennen sich aus gemeinsamen Tagen im Marienwallfahrtsort Marienweiher. Musikalisch wurde das Pontifikalamt von einem Ensemble des Kirchenchors Konnersreuth-Mitterteich gestaltet, unter Leitung von Matthias Schraml.

Ein großes Geschenk

"Ich freue mich hier sein zu dürfen, es ist für mich ein großes Geschenk", sagte Weihbischof Herwig Gössl, der seit März 2014 sein Amt ausübt. Seine Predigt stellte er unter das Thema "Wo ist denn nun dein Gott" und nannte dies eine uralte Frage, die die Geschichte der Menschheit durchzieht. Die Rede von Gott im Angesicht des Leids gehöre zum schwierigsten Thema, das es gibt, so der Prediger auch im Hinblick auf die aktuelle Situation.

"Durch nichts wird der Glaube eines Menschen so angefragt, so erschüttert, wie dies durch die Erfahrung mit schwerem Leid ist." Andere, auch Theologen, konstruierten eine strikte Trennung zwischen Gott und der Welt. Gott, nehme keinen Einfluss auf die Naturgesetze. Daher seien ihrer Meinung nach auch Bittgebete oder Gebetsstürme, zum Beispiel um Rettung aus der Pandemie und die Weihe an das Herz Jesu oder Mariens verfehlt.

Der Weihbischof gab in seiner Predigt die Antwort: "Gott ist absolut verfügbar und hält sich aus dem Klein-Klein unserer täglichen Sorgen und Leiden heraus." Menschen seien hier selbst gefordert, ihr Zusammenleben zu gestalten. "Der christliche Glaube gibt eine ganz andere Antwort: Gott ist mitten drin, auf der Seite der Leidenden in ihren Ängsten und Schmerzen." Im Zentrum des christlichen Glaubens stehe das Kreuz, an dem der Erlöser gelitten hat.

"Gott hat sich nicht aus unserem Leid herausgehalten. Er hat sich nicht vornehm zurückgezogen und uns unserem Schicksal überlassen, sondern er gibt sich mitten hinein in unser Leid". Therese Neumann stehe als Person ebenfalls für diese Konkretheit des Glaubens. "Die Resl war eine einfache starke Frau, die zupacken konnte. Vor allem aber war sie stark im Glauben. Sie hat gleichsam am eigenen Leib erfahren, dass Gott dem Leidenden nahe ist, ja dass er in Jesus Christus ins Leiden hineingegangen ist. Diese Leidensmystik, die sie immer wieder durchleben musste, machte sie zu einer Zeugin des christlichen Glaubens.

Genährt durch Eucharistie

Gott ist absolut verfügbar und hält sich aus dem Klein-Klein unserer täglichen Sorgen und Leiden heraus.

Weihbischof Herwig Gössl

Weihbischof Herwig Gössl

Therese Neumann wurde genährt durch die heilige Eucharistie, in der sie ganz konkret den Heiland erkannte und verehrte. "Es ist richtig an der Gegenwart Gottes festzuhalten, ich darf mich auf die Sakramente und ihre Wirksamkeit verlassen und ich darf mich auf die Kirche verlassen", so der Weihbischof über die Botschaft der Resl an die Menschen heute. Das Leiden gehöre zum Leben. "Ich sage dies in aller Vorsicht und Zurückhaltung, auch angesichts des derzeitigen vielfältigen Leidens der Menschen".

Abschließend betonte Herwig Gössl: "Therese Neumann hilft uns durch ihr Lebenszeugnis auf diesem Weg der Nachfolge zu bleiben und auch im Leiden Gott zu finden. Anstelle der Prozession zum Friedhof und des Abschlussgebetes am Theresienbrunnen gab es einen Wortgottesdienst am Reslgrab, mit der Bitte um Seligsprechung.

Weiterer Bericht über den Auftakt des Großen Resl-Gebetstags

Konnersreuth
Die Geistlichen des feierlichen Pontifikalamtes vor dem Gottesdienst, mit dabei waren (von links) Pfarrseelsorger Pater Benedikt Leitmayr, Pater Friedhelm Czinczoll, Bambergs Weihbischof Herwig Gössl, Pater Paul Jumatatu und Pater Paul Schreml.
Weihbischof Herwig Gössl segnete den kleinen Paul.
Mit dabei die Schwestern des Klosters Theresianum Konnersreuth.
Am Freitagnachmittag fand ein Kreuzweg vom Kloster Theresianum bis zur Kalvarienbergkapelle statt, mit dabei war Pfarrseelsorger Pater Benedikt Leitmayr.
Am Freitagnachmittag fand ein Kreuzweg vom Kloster Theresianum bis zur Kalvarienbergkapelle statt, mit dabei war Pfarrseelsorger Pater Benedikt Leitmayr.
Hintergrund:

Großer Gebetstag mit drei Gottesdiensten

Zum Festgottesdienst waren 65 Personen zugelassen, die sich zuvor anmelden mussten. Der Gottesdienst wurde per Lautsprecher ins Freie übertragen. Vor dem Gottesdienst ließ sich der Bamberger Weihbischof das Resl-Haus zeigen und trug sich in das Goldene Buch der Marktgemeinde ein. Zum mittlerweile 16. Großen Resl-Gebetstag war vieles anders als all die Jahre zuvor. Wegen der Pandemie-Auflagen fanden gleich drei Gottesdienste verteilt statt. Am Vormittag zelebrierte Pfarrseelsorger Pater Benedikt, am Nachmittag Domvikar Monsignore Georg Schwager, zuständig für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse der Diözese Regensburg. Beide Gottesdienste waren sehr gut besucht. Abends war auf den Kirchenzug mit Blaskapelle und Vereinen verzichtet worden.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.