07.11.2019 - 11:56 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Toni Siegert schürt bei Fans der Konnersreuther Resl Hoffnung

Überfüllt war der Saal beim Vortrag von Toni Siegert zum Seligsprechungsprozess der Konnersreuther Resl. Der Referent hatte viele interessante Neuigkeiten dabei

Historiker Toni Siegert (links) im Gespräch mit Pfarrseelsorger Pater Benedikt Leitmayr.
von Josef RosnerProfil

Eigentlich hätten die Untersuchungen für den Seligsprechungsprozess der Konnersreuther Resl in diesen Wochen abgeschlossen werden sollen. Doch das ist nicht der Fall. Historiker Toni Siegert, Mitglied der Historischen Kommission für den Prozess, erläuterte, dass dies mit dem Tod des an Weihnachten 2018 verstorbenen Tölzer Unternehmers Max Höfter zusammenhänge, der den Nachlass von Fritz Gerlich verwahrt hatte. Unmittelbar vor seinem Tod hatte er den Nachlass dem Bayerischen Hauptstadtarchiv überlassen. Damit stehe nun diese ungemein wichtige Quelle auch für die Auswertung der Fälle Therese Neumann und Fritz Gerlich zur Verfügung. Parallel dazu sei es Diözesanbischof Rudolf Voderholzer gelungen, Mitte 2019 einen umfangreichen klösterlichen Nachlass den beiden Causas zugänglich zu machen. Deshalb seien nun noch bis zu 25 000 Seiten Blatt Papier zu prüfen und zu entziffern.

Schwer entzifferbar

Das Schwierige daran sei, dass ein Großteil in Gabelsberger Stenogramm geschrieben und schwer entzifferbar sei. Siegert sprach von einer hohen Qualität dieser Nachlässe, die jetzt in den Prozess eingearbeitet würden. "Wir gehen ganz bewusst in ein weiteres Untersuchungsjahr 2020. Es wäre einfach unverantwortlich, die neu aufgetauchten Quellen nicht einzubeziehen", sagte Siegert zum Seligsprechungsprozesse für Therese Neumann und Fritz Gerlich.

Die neuen Quellen seien zwar bekannt, aber aus verschiedenen Gründen für die Forschung nicht zugänglich gewesen. Siegert: "Wir wissen aber auch, dass mit diesem letzten großen Aktenzugang keine Überraschungseier mehr irgendwo liegen. Wir erwarten in absehbarer Zeit, den berühmten Deckel drauf machen zu können." Doch größte Sorgfalt und nicht etwa Hudeln bestimmten die Arbeitsweise, sagte der Historiker am Dienstagabend im voll besetzten Vortragssaal des Klosters Theresianum. Gleichzeitig machte er aber deutlich, dass "das finale Urteil allein Rom spricht".

Auf konkrete Nachfrage von Oberpfalz-Medien, "ob wir die Seligsprechung der Konnersreuther Resl noch erleben", sagte Siegert, "aber freilich, wenn Sie nicht schon nächste Woche sterben wollen".

Vor kurzem in Rom

"Ich war vor einigen Wochen in der Causa Therese Neumann in Rom", begann Siegert seinen gut einstündigen Vortrag. Dabei machte er deutlich, dass auch heuer stigmatisierte Menschen heilig gesprochen wurden, wie kürzlich die Schweizer Stigmatisierte Marguerite (Margrit) Bays. Die neue Heilige war eine einfache Näherin, ein Kind vom Lande, mit dörflicher Schulbildung und stigmatisiert. Die Schweizerin reiht sich damit in die Reihe der vielen Heiligen ein, die als einfache Leute durchs Leben gingen und Gott liebten. Neben der Schweizerin berichtete Toni Siegert von vier weiteren Fällen, die gewisse Analogien zu Konnersreuth aufweisen: Pater Pio von Pietrelcina, der sechs Jahre nach der Resl starb (er wurde 2002 heiliggesprochen), die stigmatisierte Portugiesin Alexandrina da Costa (sie wurde 2004 seliggesprochen), Anna Schäffer (sie wurde 2012 heiliggesprochen) und der Französin Marthe Robin (sie starb 1981, die Akten liegen beim Heiligen Stuhl in Rom). Die betreffenden Menschen würden nicht wegen der außergewöhnlichen Vorgänge heiliggesprochen, sondern wegen ihres tugendhaft vorbildlichen Lebens. Das Leben der Kandidaten werde genau rekonstruiert auf Basis gesicherter Quellen. "Der Papst verlangt harte, belastbare Fakten, keine Fiktionen."

Der Prozess bei der Konnersreuther Resl werde erschwert, weil sie Kontakte in alle Erdteile hatte. "Nicht nur in jedem deutschen Diözesanarchiv finden sich Dokumente, sondern auch in unzähligen europäischen Archiven und Instituten, ja sogar in Kanada, Afrika, Kuba und Indien sind Dokumente. Es ist ein weltweiter Prüffall von internationalem Interesse." Die bisher geprüften Dokumente umfassten rund 400 000 Blatt Papier. "Alles muss kritisch auf Echtheit geprüft werden, inhaltlich bewertet, systematisch in Datenbanken erfasst, chronologisch sortiert und nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewertet werden. Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass die kritische Prüfung ihrer Biografie bisher unbekannte Tatbestände zutage fördern wird. Das Leben der Resl wird wohl neu gesehen und bewertet werden müssen. Annähernd 700 Briefe der Resl müssten in die Forschung mit einbezogen werden."

Menschen aus aller Welt

Siegert wusste, dass mehr als 100 000 Menschen die Resl bei ihrem Freitagsleiden seit 1926 sahen. "Das wissen wir aus Berichten der Konnersreuther Gendarmerie und anderen Quellen. Es handelt sich um Menschen aus aller Welt, jeder Hautfarbe, jeden Geschlechts und jeder Profession." Wildfremde Menschen aus der ganzen Welt seien minutenlang gemeinsam schweigend an ihrem Bett gestanden und hätten die stöhnende blutende Frau gesehen. Siegert berichtete weiter von rund 40 000 Besuchsanträgen ans Ordinariat Regensburg, die von Resl Rat und Trost suchten.

Siegert, der in Scheyern lebt, sagte zum Schluss: "Es ist deutlich geworden, dass wir uns von gewohnten, viel publizierten Darstellungen unserer beiden Kandidaten trennen müssen. Ihr Leben verlief radikaler als bisher bekannt. Beide - der weltmännische Chefredakteur aus der Großstadt München und die einfache Bauernmagd aus der Oberpfalz - hatten eine absolute Christusbeziehung. Sie vertrauten ihm bis zum Tod und gingen den geraden Weg zum Heiland."

Pfarrseelsorger Pater Benedikt Leitmayr freute sich, dass aus ganz Bayern Interessenten nach Konnersreuth gekommen waren.

Kaum fassen konnte der Vortragssaal im Kloster Theresianum die vielen Besucher, die zum Vortragsabend mit Toni Siegert gekommen waren.
Kaum fassen konnte der Vortragssaal im Kloster Theresianum die vielen Besucher, die zum Vortragsabend mit Toni Siegert gekommen waren.
Historiker Toni Siegert am Dienstagabend bei seinem Vortrag in Konnersreuth. Er bat noch um etwas Geduld in Sachen Seligsprechung der Konnersreuther Resl, wobei die finale Entscheidung ausschließlich in Rom fallen wird.
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