08.06.2018 - 13:18 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Nach Unwettern hagelt es Kritik

Die jüngsten Unwetterschäden sind wie erwartet das bestimmende Thema im Marktrat. Bürgermeister Max Bindl nennt Details zum weiteren Vorgehen, zum Teil heftige Kritik gibt es von CSU, SPD und aus den Reihen der rund 15 Zuhörer.

Von den schweren Unwettern stark in Mitleidenschaft gezogen wurde auch die im vergangenen Jahr neu gebaute Straße zwischen Höflas und Siegelmühle. Sie bleibt voraussichtlich noch für zwei Wochen gesperrt.
von Josef RosnerProfil

"Es stimmt einfach nicht, dass die Marktgemeinde nichts für den Hochwasserschutz in Konnersreuth getan hat", betonte Max Bindl in der Sitzung am Donnerstag. Er verwies auf ein Niederschlagskonzept aus dem Jahr 2011 und die Vergrößerung von Regenrückhaltebecken und Kanälen. Ein Infoabend zum Thema Hochwasserschutz sei nur auf begrenztes Interesse der Bürger gestoßen.
Bindl versicherte, dass direkt nach den Schadensereignissen Gespräche mit einem Ingenieurbüro und dem Architekten des Schafferhof-Projekts geführt worden seien. Mitte kommender Woche wolle Bindl eine Expertenrunde einberufen, bei einer Bürgerversammlung soll dann über konkrete Maßnahmen informiert werden. "Eine Hau-Ruck-Aktion wird es nicht geben", so Bindl. "Wir müssen gezielt und mit Plan vorgehen." Auch die finanziellen Grundlagen müssten geschaffen werden.

Hunderte Sandsäcke

Der Bürgermeister machte aber auch deutlich, dass sich Schadensereignisse nie ganz verhindern ließen, wenn die Natur die Region mit Wasser überschütte. Zuletzt seien viele Faktoren zusammengekommen. Für alle Fälle wolle die Gemeinde mehrere Hundert Sandsäcke ordern und an prekären Stellen einsetzen. Bindls Dank galt allen Rettungskräften und weiteren Helfern, die hervorragende Arbeit geleistet hätten. Reinhard Wurm (Freie Wähler) erinnerte an bereits erbrachte Leistungen beim Hochwasserschutz und die Planungen für weitere Schutzmaßnahmen. Allerdings müssten Grundstücksbesitzer und Landwirte die nötigen Flächen zur Verfügung stellen. Wurm gab zu bedenken, dass es auch andere Kommunen wie Arzberg und Marktredwitz schwer erwischt habe. Klar sei, dass es eine 100-Prozent-Lösung nicht geben werde.

Schutz hat Vorrang

Edgar Wenisch (SPD) betonte, dass er nicht habe den Anschein erwecken wollen, als hätte die Gemeinde gar nichts unternommen. "Es war halt nur nicht ausreichend." Energisch forderte er den Schutz der betroffenen Bürger, der Blick in andere Orte helfe nicht weiter. Erneut sprach er sich für eine zeitnahe öffentliche Sondersitzung mit Fachbehörden-Vertretern, Landwirten und Anliegern aus - zusätzlich zur angekündigten Expertenrunde. Wenisch sicherte vonseiten der SPD Unterstützung zu, wenn es darum gehe, andere Maßnahmen zurückzustellen. Vorrang habe jetzt der Hochwasserschutz. "Es kann nicht sein, dass die Leute jede Woche Wasser im Keller haben." Vorstellbar sei unter anderem ein Nachtragshaushalt.
Siegfried Schiml (Freie Wähler) wollte wisse, ob eine Schadensliste besteht. Max Bindl sagte, dass diese in Arbeit und bald vollständig sei. Andreas Malzer (CSU) erkannte an, dass die Gemeinde zwar schon viel in Sachen Hochwasserschutz gemacht habe, allerdings sprach er von einem schlechten Krisenmanagement des Bürgermeisters. Weiter zitierte er aus dem "Neuen Tag" die Aussage des Bürgermeisters, wonach "alles Menschenmögliche" getan worden sei. "Ein gutes Signal wäre es gewesen, gleich eine Sondersitzung einzuberufen", so Malzer. Er betonte, dass auch die Arbeit der Planungsbüros für die Regenrückhaltebecken kritisch zu hinterfragen sei und sagte am Ende: "Wir wollen unseren Ort künftig wieder ohne Wassersäcke sehen."
Zu Wort kamen dann einige Betroffene. Thomas Weiß aus Grün lud zu sich nach Hause ein, so dass die Markträte sehen, was das Hochwasser verursacht habe. Er forderte, die Gräben sauberer zu halten. Rainer Gradl (Steinwiesenweg) erinnerte an einen vor zweieinhalb Jahren gestellten Antrag auf Unterstützung beim Hochwasserschutz. Die Bitte sei in nichtöffentlicher Sitzung abgelehnt worden. "Auf mein Haus kam ein viele Meter breiter Wasserfluss zu, ein absoluter Alptraum!", schilderte Gradl und kritisierte, das sich von der Gemeinde niemand habe sehen lassen. "Ich selbst habe Schutzmaßnahmen ergriffen, von der Gemeinde kam keine Hilfe." Gradl erinnerte an die Pflicht der Gemeinde, Wohnhäuser vor Hochwasser zu schützen. Nicht nur der Norden und Osten von Konnersreuth werde geflutet, auch der Süden." Max Bindl sagte dazu: "Ja, das nehmen wir mit auf."

Zweimal überflutet

Wie Rainer Gradl forderte auch Rainer Walenta (Wiesenstraße) Sofortmaßnahmen. "Beim nächsten Mal bin ich wieder mit dabei", warnte Walenta. Schon zweimal sei sein Haus überflutet worden. Alexander Martin berichtete, dass er und seine Frau erst vor vier Wochen ins neue Haus in der Rosenstraße eingezogen seien. Zwar seien die vom ersten Unwetter betroffenen Anwesen geschützt worden, aber dafür habe es dann einige andere erwischt. Kritik übte er am Aufschottern eines Weges. "Den Großteil des Schotters hatte ich auf meinem Grundstück. Jetzt wurde der Weg wieder aufgeschottert, nicht auszudenken, was passiert, wenn es wieder regnet." Auch Stefan Zimmermann bemängelte, dass das Wasser gerade wegen Schutzmaßnahmen an anderer Stelle in seine Richtung geflossen sei. Edgar Wenisch bemerkte dazu: "Ist das Wasser erstmal am Laufen, ist es kaum zu stoppen."
Uwe Rosner (CSU) wollte wissen, ob die Betroffenen mit staatlicher Unterstützung rechnen können. Max Bindl will dazu Erkundigungen einholen, machte aber deutlich, dass dies eine Kreisangelegenheit sei.

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