24.09.2019 - 13:32 Uhr
Kornthan bei WiesauOberpfalz

Fisch-Check am Walzhof

Die Fischernte läuft an. Während die Teiche langsam abgelassen werden, ziehen die Fischbauern eine erste Bilanz. Zufrieden ist man auch am Kornthaner Walzhof, wo am Dienstag der Fischerzeugerring vorbeischaut und ein Messgerät auspackt.

Alexander Schiener (links) ist zufrieden. Der Kornthaner Karpfen, den Wolfgang Stock (rechts) gezüchtet hat, weist einen idealen Fettgehalt auf. Mit im Bild Fabian Polster vom Landratsamt Tirschenreuth.
von Werner RoblProfil

Fischwirtschaftsmeister Alexander Schiener ist regelmäßig Gast in den Fischbauerndörfern rund um Wiesau. Bereits vor ein paar Tagen hat er einen Termin am Walzhof der Familie Stock vereinbart. Im Namen des Fischerzeugerrings will er sich den Betrieb, vor allem aber die dreijährigen Karpfen anschauen, die in großen Bottichen - augenscheinlich ein wenig nervös - auf ihren Check warten. "Geprüft wird aber nur eine Auswahl der Tiere", erklärt Walzbauer Wolfgang Stock mit Blick auf die große Anzahl an Speisefischen in den grünen, mit Wasser gefüllten Behältern.

Das Prozedere erklärt Alexander Schiener, der ein rund 7000 Euro teures Gerät in der Hand hält, das sich "Distell Fish Fatmeter" nennt, in Irland entwickelt und ursprünglich in der Lachszucht eingesetzt wurde. Das von Schiener verwendete Spezial-Gerät wurde auf den Karpfen beziehungsweise an dessen Filetstücken geeicht. Seines kann daher auch nur dafür eingesetzt werden.

Prachtbursche

Normal sei ein Fisch-Fettwert unter 8 Prozent, erklärt Schiener, während Wolfgang Stock das erste von ihm ausgesuchte Exemplar aus dem Bottich nimmt. Vorsichtig wird der Prachtbursche von Karpfen aus dem Kescher genommen, auf den Tisch gelegt und mit einem Handtuch abgetupft. Dann wird an vier Messpunkten, auch am Rücken, der aktuelle Fettwert ermittelt. Alexander Schiener ist zufrieden: Am Display werden 4,2 Prozent angezeigt. "Spitzenmäßig", fügt der Teichfachmann aus Plößberg, Alexander Schiener, hinzu. Er lässt anklingen, dass auch die Haut in die Messung mit einbezogen wird, deren Fett-Anteil rund 25 Prozent ausmacht. Schiener will damit ausdrücken, dass man beim gehäuteten Filet von einem noch niedrigeren Wert ausgehen müsse. Schiener zieht noch einen anderen Vergleich: Einen deutlich höheren Fettgehalt habe der Lachs. Der Fachmann spricht von 12 bis 14 Prozent. "Als man anfing, die Karpfen zu messen, waren wir überrascht. Schließlich sprach man doch immer vom fetten Karpfen. Das wurde damit widerlegt", ergänzt Schiener, der bereits einen weiteren Teichbewohner vor sich liegen hat. Mit 3,2 Prozent kann sich auch dieser - wie auch die anderen, die einen ähnlichen Wert haben - sehen und verkaufen lassen.

Naturnahes Produkt

Den Fettgehalt bezeichnet Alexander Schiener als ein "wichtiges Qualitätskriterium", was man rechtzeitig noch vor der eigentlichen Ernte ermittelt, um den aktuellen Stand festzustellen. "So kommt er auch auf die Teller der Verbraucher." Höhere Fettanteile dagegen seien für den Verzehr ungeeignet. Deutlich spricht sich Schiener für den Oberpfälzer Karpfen aus: "Er ist ein sehr naturnahes Produkt, das jetzt im September und Oktober nach und nach geerntet wird."

Die Fischmessung ist für die Teichwirte kostenlos und im Mitgliedsbeitrag enthalten, erklärt Walzbauer Wolfgang Stock. Nach dem Erntejahr befragt zeigt sich der Kornthaner zufrieden. Das Angebot und die Nachfrage seien hoch. Positiv äußert er sich auch zur Qualität. "Der heiße Sommer hat den Fischen in den ausreichend tiefen Gewässern nicht geschadet."

Mit Spannung blickt der Stiftländer Teichwirt auch auf das Abfischen im nahen großen Weiher. Drei Jahre lang müssen die Karpfen reifen, bis sie dann gut 1500 bis 2000 Gramm schwer sind. "Nach Allerheiligen geht's drüben los", informiert Stock und deutet auf den "Kornthaner", der mit anderen Teichbauern gemeinsam bewirtschaftet, aber als letzter abgelassen wird.

Zuvor aber steigt die 22. Karpfenkirchweih - vom 12. bis 13. Oktober - in Kornthan. Eröffnet werden die "Erlebniswochen Fisch" am 29. September im Tirschenreuther Fischhofpark, wie Fabian Polster einfließen lässt.

Alexander Schiener (links) schaut regelmäßig auf Wolfgang Stocks Walzhof vorbei.
Die Karpfen warten in großen Behältern auf den Check.
Wolfgang Stocks Teichbetrieb ist am Dienstag Schauplatz der Fischmessung durch Alexander Schiener (links). Ein Bild von der zu erwartenden Ernte macht sich Fabian Polster (Bildmitte) vom Landratsamt, der auch im Namen der Arge Fisch vorbeischaut.

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