04.07.2019 - 07:59 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Kraftlackl im Maßanzug

Der Slogan ist zwar schon arg strapaziert, aber deswegen nicht minder treffend: "Freude am Fahren" verkörpert so schnell kein zweiter Autobauer so wie BMW. Und das hat vor allem mit dem G20 zu tun.

Die 3er-Reihe ist für BMW das wichtigste Auto. Allerdings auch so etwas wie eine "g'mahde Wies'n". Rund 15 Millionen Exemplare haben die Münchner seit der Markteinführung 1975 verkauft.
von Berthold Zeitler Kontakt Profil
Ein unverfälschtes Gefühl für die Straße vermittelt der 3er BMW in der mittlerweile siebten Generation. Der Bayer will in Sachen Dynamik weiterhin den Klassenprimus spielen.

Nein, nicht vom Weltwirtschaftsgipfel ist die Rede, sondern von der 3er Reihe – aktuell in der siebten Generation auf den Straßen und werksintern eben mit dem Kürzel G20 versehen. Seit 1975 hat sich der bayerische Bestseller rund 15 Millionen Mal verkauft. Wie kaum ein anderes Modell verkörpert er die BMW-DNA von Sportlichkeit und Fahrdynamik, ist so etwas wie das Herz der Marke.

Und das schlägt auch in der aktuellen Version besonders kräftig. Vor allem wenn der Zweiliter-Turbo mit 258 PS unter der langgestreckten Motorhaube zu Werke geht. Doch wenden wir uns erst einmal der äußeren Erscheinung zu. Die ist – wen wundert’s – ausgesprochen propper. Da steht ein Sport-Athlet im Maßanzug, knackig-muskulös zwar, aber nicht auftragend, eher progressiv denn aggressiv. Und ungemein dynamisch.

Länge Läuft

Freilich folgt auch dieser BMW der Skifahrer-Formel, wonach Länge läuft. Satte acht Zentimeter ist der G20 gegenüber seinem Vorgänger gewachsen, hat in der Breite (zwei Zentimeter) und im Radstand (vier Zentimeter) zugelegt. Außerdem haben die Münchner die Spur deutlich verbreitert, den Schwerpunkt tiefer gelegt und das Fahrwerk auf neue Dämpfer gestellt. Was zur Folge hat, dass die Limousine auch fahrtechnisch hält, was ihr sportlicher Auftritt verspricht.

Das satte Drehmoment des Zweiliter-Turbos im Verein mit der formidablen Achtgang-Automatik sorgt für eine selten zu findende Agilität, vor allem wenn Motor und Fahrwerk per Knopfdruck in den Sportmodus versetzt werden. Aber auch auf der Komfort-Schiene weiß sich der Münchner zu benehmen. Kurvenreiche Landstraßen meistert der Kraftlackl ebenso gelassen wie die Langstrecke auf Autobahnen und vermittelt so richtig ein Gefühl für die Straße. Beeindruckend, wie knauserig der Vierventiler mit dem Kraftstoff umgeht.

Straffe Zügel

Die Grenzen der Längs- und Querbeschleunigung auszuloten fällt schwer. Doch wenn die 258 Pferdchen einmal losgelassen sind, verlangen sie auch straffe Zügel. Heißt: Hände immer fest am dicken, lederummantelten Lenkrad. Der aktive Spurhalteassistent drückt das Fahrzeug vehement auf den rechten Weg zurück, sollte es sich ohne zu blinken der Seiten- oder Mittellinie nähern. Das sorgt dank der ungemein direkten Sportlenkung dann doch für eine etwas eckige Fahrweise.

Eine runde Sache dagegen ist der Daten-Highway. Wer mit "Alexa" und "Siri" zu reden weiß, wird mit "IPA" (Intelligent Personal Assistant) seine wahre Freude haben. Mit "Hey BMW" zu Leben erweckt, erfüllt er per Sprachsteuerung (nahezu) jeden Wunsch. Er telefoniert, navigiert, regelt die Klimaanlage, sucht Ziele in der Umgebung oder spielt die gewünschten Musiktitel ab. Das funktioniert zwar schon ganz gut, stößt aber in manchen Bereichen an Grenzen. So wollte uns das System statt ins oberpfälzer Bärnau partout zu einem Bernau am Chiemsee, im Schwarzwald oder Berlin lotsen.

All die netten Helferlein sind sehr gut, meist aber auch sehr teuer. Unser Testwagen war gespickt damit. Ob man sich die alle leisten will, entscheidet letztlich der Geldbeutel. Aber angenehm sind's schon.

Datenblatt des Testwagens.

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