09.11.2018 - 17:20 Uhr
KrummennaabOberpfalz

150 Minuten Krummennaab

Einmal im Jahr lädt der Bürgermeister zur Bürgerversammlung in die Mehrzweckhalle ein. Stets ist das Interesse groß. Auf der Tagesordnung steht ein kompaktes Informationspaket.

Der Abbruch der ehemaligen Seltmann-Häuser ist derzeit voll im Gange. An der Johann-Baptist-Lehner-Straße entsteht ein neues Baugebiet.
von Werner RoblProfil

"Das ist meine zehnte Bürgerversammlung", rechnete Bürgermeister Uli Roth vor und versprach: "Bei der heute stattfindenden Jubiläumsveranstaltung werde ich mich kürzer fassen als im Vorjahr." Waren es 2017 noch 112 mit Informationen gefüllte Folien, so hatte er für den Bürgerabend nur halb so viel auf dem Rechner vorbereitet, um das Material mit dem neu angeschafften, leistungsstarken Beamer präsentieren zu können. Trotzdem mussten vor 120 Gästen immer noch rund 150 Minuten Bürgerversammlung abgearbeitet werden.

"Trauen Sie sich. Bombardieren Sie mich mit Fragen", bat Roth die Bürger, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Krummennaab habe sich von einer Arbeits- zu einer Wohn- und Schlafgemeinde entwickelt, hob der Rathauschef mit Blick auf den Rückgang der Jobs in der rund 1470 Einwohner zählenden Gemeinde an. "Wir haben Hoffnung, dass auch die Einwohnerzahl wieder steigen wird", prognostizierte Roth mit Blick auf das künftige Baugebiet.

Stichwort Seltmann-Häuser: "Warum reißen wir sie ab? - Wir haben an der Johann-Baptist-Lehner-Straße Großes vor." Roth meinte damit das künftige Baugebiet. Die Leitung der Fernwärme führt vorbei: "Die Kapazitäten sind vorhanden", empfahl der Sprecher, sich damit versorgen zu lassen. Der Vollausbau des Hammerwegs ist im vollen Gange. "Die Straße in Thumsenreuth wird aufwendig saniert." Erst wenn das eine Loch geschlossen sei, wolle man die Lehener Straße öffnen, versprach Roth mit Blick auf weitere Maßnahmen im Ortsteil Thumsenreuth.

Der Friedenshain wird in wenigen Tagen seiner Bestimmung übergeben. "Als einen großen Wurf" bezeichnete Roth den Bürgerpark, dessen weitere Aufwertung - vorbehaltlich einer Förderung - bereits beschlossene Sache ist. Der Spielplatz "Blaue Stunde" im Ortsteil Scheibe soll im kommenden Jahr zu einem Schmuckstück ausgebaut werden.

Saniert werden zudem auch die Blumenstraße im Ortsteil Scheibe, teilsaniert danach die Gartenstraße. Im kommenden Jahr soll auch das Projekt Kläranlage abgeschlossen sein. Als abgehakt gelten die Arbeiten bei Bayrischhof beziehungsweise Waffenhammer. Fertig ist der Abschnitt am Waldrand und in Kohlbühl.

Weitere Maßnahmen werden in den kommenden Jahren gestartet, ließ der Bürgermeister anklingen. Dazu zählt auch der neue Radweg "Trautenberg" mit barrierefreier Brücke hin zum KTB-Gelände. Keine Straßenausbaubeiträge mehr - keine Kosten für die Bürger. Die Diskussion habe sich geändert. "Nun fordert der Anlieger die Reparaturen. Früher wurden sie abgelehnt."

Nach wie vor könne man von einer Stabilisierungshilfe nur träumen, bedauerte Roth an anderer Stelle. "Ich gönne es den anderen Kommunen, wenn sie zum Zug kommen", fügte er hinzu. "Die Stabilisierungsgelder würden unserer Gemeindekasse gut tun." Die Grundschule wird Wlan-fähig. "Freuen dürfen sich die Schüler auch über eine moderne Hardware", ließ Roth wissen.

"Grünes Licht" gab der Gemeinderat zum Bau der Freiflächen-Photo-Voltaik-Anlage "Naabacker" in Trautenberg. Mit der "Offenen Ganztagesschule" wurde ein neues Betreuungsangebot mit Mittagstisch für 15 Kinder in der Grundschule gestartet. Die Umbaukosten der beiden Räume bezifferte der Bürgermeister auf rund 95 000 Euro.

Noch vieles mehr an geballter Info folgte. Um die Anliegen der Senioren kümmert sich Anneliese Krenkel. Ihr Bericht umfasste die Tätigkeit auf Kreis- und Ortsebene. Einmal im Quartal lädt die Krummennaaberin zu einem Treffen bei Kaffee und Kuchen ein. Die Kosten dafür übernimmt die Gemeinde. Krenkel erinnerte an Ausflüge und Vorträge.

Mit einer besinnlichen Weihnachtsfeier soll das Jahr besinnlich ausklingen. Als einen großen Erfolg bezeichnete sie das zurückliegende Benefizkonzert mit Brigitte Traeger und Mundartdichter Paul Neugirg. Der Reinerlös wurde der Aktion "Lichtblicke" übergeben.

In vielen Bildern erzählte Jugendbeauftragter Andreas Heinz, der von Rainer Schwingshandl unterstützt wird, vom zurückliegenden Ferienprogramm. Daran haben nicht nur Kinder aus Krummennaab, sondern auch Buben und Mädchen aus der näheren Umgebung teilgenommen. 15 Veranstaltungen waren im Angebot, 7 Vereine wurden dabei eingebunden. Die Teilnehmerbilanz zusammengezählt: 223 Buben und Mädchen. "Ich bitte aber noch einmal dringend darum, rechtzeitig Bescheid zu geben, falls aus irgendwelchen Gründen ein bereits angemeldetes Kind nicht teilnehmen kann." Man werde versuchen, den frei gewordenen Platz aufzufüllen.

Bürgermeister Uli Roth zeichnet Wolfgang Bauer (links) mit dem gemeindlichen Ehrenzeichen in Silber aus.

Mit je einem Geschenk bedankt sich Uli Roth bei der Seniorenbeauftragten Anneliese Krenkel (rechts) und beim Jugendbeauftragten Andreas Heinz (links).

Mit rund 120 Zuhörern ist die Bürgerversammlung erneut gut besucht.

Nach seiner Auszeichnung darf sich Wolfgang Bauer ins Goldene Buch der Gemeinde Krummennaab eintragen. Zuvor wurde dem Thumsenreuther das gemeindliche Ehrenzeichen in Silber verliehen.

„Wir haben viel erreicht, aber wir haben noch viel vor“, betont Bürgermeister Uli Roth bei der Bürgerversammlung.

Der Hammerweg im Gemeindeteil Thumsenreuth ist derzeit eine große Baustelle. Die Arbeiten dort waren Bestandteil bei der Bürgerversammlung.

Bürgerversammlung:

Ehrung

Mit dem gemeindlichen Ehrenzeichen in Silber wurde der Thumsenreuther Wolfgang Bauerausgezeichnet. Er ist Präsidiumsmitglied des Oberpfälzer Schützenbundes und in zahlreichen Vereinen im Steinwald-Schützengau eingebunden. Für seine Verdienste um den Sport in Bayern wurde er vor rund vier Wochen von Innenminister Joachim Herrmann mit der Ehrenmedaille des Freistaates ausgezeichnet. Bauer gehörte beim Festakt im mittelfränkischen Herzogenaurach zum ausgewählten Personenkreis, die diese seltene Anerkennung erhalten hatten. Moderiert wurde der Festakt von BR-Rundfunksprecher Tilmann Schöberl. Der gemeindlichen Ehrung Bauers folgte der Eintrag ins "Goldene Buch" der Gemeinde Thumsenreuth. Bürgermeister Uli Roth zeigte sich stolz, Wolfgang Bauer bei der Bürgerversammlung begrüßen zu können. (wro)

Aus der Kämmerei:

"Mit Zahlen möchte ich Sie heute weniger quälen", versprach Roth eine Kurzfassung des Rechenwerks aus dem Büro des Gemeindekämmerers. Der aktuelle Ansatz für den Verwaltungshaushalt bezifferte Roth auf 2 433 800 Euro. 3 552 200 Euro beträgt der Ansatz für den Vermögenshaushalt. "In den letzten 10 Jahren mehr als 15 Millionen Euro investiert", rechnete Bürgermeister Roth vor. Deutlich gestiegen sind die Schlüsselzuweisungen: 724 800 Euro. Ebenso auch der Anteil an der Einkommensteuer: 662 000 Euro. Die Gewerbesteuereinnahmen - auf 70 000 Euro hochgerechnet - bezeichnete Roth - so wörtlich - als "mickrig". Über rund 321 000 Euro darf sich die Gemeindekasse bei den Grundsteuer-, Wasser- und Kanalabgaben freuen. Einen großen Batzen - 590 0000 Euro - verschlingt die Kreisumlage. "Auf der einen Seite nehmen wir Geld ein, dafür müssen wir andere Geldtaschen öffnen." Der Defizitausgleich für das Kinderhaus schlägt mit 320 000 Euro zu Buche. Anklingen ließ Bürgermeister Roth auch die Summe für den Schuldendienst (Zins und Tilgung): 85 000 Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei rund 1000 Euro. (wro)

Info:

Ausblick

Im kommenden Jahr will sich die Gemeinde Krummennaab auch weiterhin dem "großen Wurf" (Zitat Roth) Bürgerpark widmen. Umgesetzt wird das Projekt "Versorgungsgebäude Bürgerpark". Angesprochen und bei der jüngsten Gemeinderatssitzung durchgewunken wurde bereits die Erweiterung der Spiellandschaft am Bürgerpark-Gelände. Der Spielplatz "Blaue Stunde" im Ortsteil Scheibe kann im kommenden Jahr seiner Bestimmung übergeben werden. Die Ärmel hochkrempeln will man auch in Sachen endgültige Fertigstellung der Offenen Ganztagsschule und Kläranlage (verbaute Kosten an der neuen Anlage: 3,94 Millionen Euro). Am Bau des Trautenberger Radweges beteiligt sich auch die Stadt Windischeschenbach. Der Verkauf der Parzellen entlang der Johann-Baptist-Lehner-Straße wird forciert. Auf seine Umsetzung wartet auch der geplante "Historienpfad". Aus aktuellem Anlass nahm Bürgermeister Uli Roth auch Stellungnahme zum Thema "Waldfriedhof". "Bitte beachten Sie die Satzung. Eine vorzeitige Auflösung der Gräber ist nicht möglich." Man wolle den eigenwilligen Charakter der Anlage erhalten. (wro)

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