09.10.2020 - 16:36 Uhr
KrummennaabOberpfalz

Bürgermeisterin möchte Dorfladen in Krummennaab verwirklichen

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Die Bürger in Krummennaab sollen bald wieder täglich Obst, Gemüse, Gebäck, Fleisch, Wurst und viele andere Artikel des täglichen Bedarfs im Ort kaufen können. Die Planung eines Dorfladens läuft.

Der Dorfladen in Schwarzenbach könnte durchaus als Vorbild dienen, findet Bürgermeisterin Marion Höcht. Im Zuge der Planungen hat sich eine Delegation der Gemeinde und des Büros Steinwald-Design in Schwarzenbach über die Anforderungen der Kunden und die Abläufe informiert.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Seit zwei Jahren gibt es kein Lebensmittelgeschäft mehr in Krummennaab. 2018 wurde nach dem Tod von Willi Lehner das letzte geschlossen. Das Einkaufsmobil der Steinwald-Allianz fährt zwar mittlerweile zwei Mal pro Woche – Dienstag und Donnerstag – am Dorfplatz beziehungsweise am Kirchplatz vor. Doch dies ist allenfalls eine Notversorgung. Die nächsten Märkte befinden sich in Erbendorf oder Windischeschenbach. Für einen Ort wie Krummennaab ist das nach Meinung von Bürgermeisterin Marion Höcht keine befriedigende Situation.

Die neue Gemeindechefin hat deshalb bereits vor der Wahl Überlegungen angestellt, wie sie dies ändern könnte. „Es gibt im Ortskern einige Leerstände, die als Dorfladen infrage kommen“, erzählt sie. Ihr Plan ist es, eines dieser Gebäude langfristig anzumieten und mit einer staatlichen Förderung zum Dorfladen umzubauen. „Aber das geht natürlich nur, wenn wir die Unterstützung der Bürger haben“, sagt Marion Höcht.

Und die wird es bei diesem Projekt zweifellos geben. Die Gemeinde hat eine Umfrage gestartet, um zu erfahren, welche Erwartungen die Krummenaaber an einen Dorfladen haben. Mit dem Stoawald-Designbüro von Birgit Technik und mit Unterstützung von Lenz Leberkern und Andreas Heinz hat die Gemeinde die Wünsche und Erwartungen der Bürger erfragt. Das Ergebnis ist für Bürgermeisterin Marion Höcht ein klarer Auftrag, das Projekt zu forcieren. „Wir sind deswegen bereits mit der Regierung der Oberpfalz in Gesprächen“, verrät die Gemeindechefin. Dabei habe sich gezeigt, dass für eine Förderung eine Umfrage zwingend notwendig sei. „Die haben wir bereits“, sagt Höcht. Fachleute hätten der Gemeinde bescheinigt, dass sie sehr gut und professionell durchgeführt worden sei, was für die Anerkennung ungemein wichtig sei.

„Natürlich hätte man auch noch einiges verbessern können“, sagt Höcht. So wäre es sinnvoll gewesen, vor der Verteilung eine Bürgerversammlung abzuhalten. „Aber hier machte uns das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung.“ Und zu lange habe sie nicht warten wollen, weil die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten wirklich ein Problem seien. Demnächst werde auch noch das Schuhgeschäft schließen, dann gebe es fast gar keine Läden mehr.

Marion Höcht hat schon eine ziemlich konkrete Vorstellung, wie der Dorfladen aussehen könnte. „Wir waren vor einiger Zeit in Schwarzenbach im Landkreis Neustadt/WN und haben den dortigen Dorfladen besichtigt“, verrät sie. In Schwarzenbach ist ein ehemaliges Bankgebäude umgebaut worden. „Der Laden könnte uns durchaus als Vorbild dienen“, sagt Höcht. Auch die Entfernung zu den nächsten Einkaufsmärkten sei ähnlich wie in Krummennaab. „Das Konzept könne also auch bei uns funktionieren“, sagt die Bürgermeisterin. Ziel von Marion Hecht ist es, dass der Dorfladen schon Ende nächsten Jahres eröffnen kann.

Hier erfahren Sie mehr über den Schwarzenbacher Dorfladen

  • Lage: Eine gute Erreichbarkeit ist den Bürgern ungemein wichtig. 141 Befragte erachten die Lage als wichtig (77) oder sogar sehr wichtig (64). Nur ganz wenigen Einwohnern ist die Lage des Dorfladens weniger wichtig (21) oder gar unwichtig (11). Für Marion Höcht steht damit fest, dass er ins Zentrum von Krummennaab muss.
  • Nutzung: 66 Prozent der Befragten würden regelmäßig einkaufen, 31 Prozent gelegentlich und 3 Prozent nur im Ausnahmefall. Für 87 Prozent ist dabei wichtig oder sogar sehr wichtig, dass sie dort Produkte von regionalen Anbietern bekommen. Für 21 Prozent ist dies weniger wichtig.
  • Sortiment: Am wichtigsten sind den Befragten frisches Obst und frische Brötchen, knapp vor frischem Obst und Gemüse. Dahinter folgen Milch, Milchprodukte und Käse sowie Wurstwaren und Fleisch sowie andere Grundnahrungsmittel. Nur eine untergeordnete Rolle spielen Produkte wie Zeitungen und Zeitschriften oder Tiefkühlkost. Rund 50 Prozent gaben an, dass sie Getränke, Hygiene- und Kosmetikartikel sowie Süßigkeiten nie im Dorfladen einkaufen würden.
  • Öffnungszeit: Am wichtigsten ist den meisten Befragten, dass der Dorfladen vormittags von 9 bis 12 Uhr offen hat. Das erachten 32 Prozent für wichtig. Gleich dahinter kommt eine Öffnungszeit von 16 bis 18 Uhr, die von 29 Prozent der Befragten befürwortet wird. Andere Verkaufszeiten werden weit weniger wichtig erachtet. So würden nur 3 Prozent gerne von 12 bis 14 Uhr einkaufen. Die Abendstunden von 18 bis 20 Uhr fänden 9 Prozent attraktiv. Vor 9 Uhr würden den Dorfladen gerne 13 Prozent und von 14 bis 16 Uhr 14 Prozent besuchen. Auch ein paar Stunden am Samstag erachten 89 Prozent als wichtig. Für eine Öffnung am Sonntag sprachen sich hingegen gerade mal 7 Prozent aus.
  • Finanzielle Beteiligung: Über die Hälfte der Befragten (56 Prozent) möchte keine Genossenschaftsanteile erwerben. 39 Befragte können sich vorstellen, mit 100 Euro einzusteigen. 30 wären bereit, Anteile von 200 Euro zu kaufen. Sieben Bürger (4 Prozent) wären bereit, sogar mehr Geld zu investieren.
  • Mitarbeit: Diese Zahl überraschte Bürgermeisterin Marion Höcht am meisten. Dutzende von Einwohnern sind bereit, sich aktiv im Dorfladen zu engagieren. Am größten ist die Bereitschaft, bei Veranstaltungen zu helfen. Das könnten sich 45 Bürger vorstellen. Ehrenamtlich mitarbeiten würden 26 Leute. 18 würden beim Umbau helfen, 16 im Verkauf, 13 im Lager und 4 in der Buchhaltung. Für einen 450-Euro-Job interessieren sich 16 Bürger.
  • Eigene Produkte: 15 Bürger hätten auch eigene Produkte, die sie gerne über den Dorfladen mit vermarkten würden. Das Angebot erstreckt sich von Obst über Bienenhonig, Kuchen, Karpfen und eingemachten Marmeladen bis hin zu selbst gestrickten Socken und Hundeartikeln.
  • Sonstige Wünsche: Mehrfach wurde ein Lieferdienst genannt. Zudem stand ein angegliedertes Café mit Snacks und Kuchen sowie Leberkässemmeln, Weißwürsten und anderen Imbissen auf der Wunschliste. "Das planen wir ohnehin", informiert Marion Höcht. Auch Schreibwaren, Tiernahrung sowie eine Anschlagstafel "Suche und Biete" standen mehrfach auf dem Wunschzettel.
Hintergrund:

500 Fragebogen ausgegeben

Insgesamt hat die Gemeinde Krummennaab 500 Fragebogen mit 18 Fragen zum Projekt „Dorfladen“ an die Haushalte der Gemeinde ausgegeben. 173 Bogen kamen ausgefüllt zurück. „Nach Auskunft von Fachleuten ist dies eine gute Rücklaufquote“, bilanziert Bürgermeisterin Marion Höcht. 42 Prozent wurden übrigens von Frauen ausgefüllt, 24 Prozent von Männern. Bei 34 Prozent der Fragebogen handelt es sich um gemeinschaftliche Angaben einer Familie oder von Lebensgemeinschaften. Die Gemeinde wollte unter anderem wissen, welches Sortiment der Laden haben sollte, welche Öffnungszeiten sich die Bürger wünschen und ob sich die Einwohner vorstellen können, selbst mitzuarbeiten oder sogar Genossenschaftsanteile dafür zu zeichnen.

Bemerkenswert findet Bürgermeisterin Höcht auch, dass über die Hälfte der Teilnehmer die Angaben mit Namen gezeichnet hat, obwohl die Umfrage auch anonym abgegeben werden konnte. „Das zeigt, dass es die Bürger wirklich ernst meinen“, sagt Marion Höcht.

Altendorf im Schwarzachtal, Dorfladen. Bild: Gerhard Götz
Der Dorfladen schmückt den Ortskern von Schwarzenbach und ist sozialer Treffpunkt. Eine ähnliche Entwicklung erhofft sich Marion Höcht auch vom Dorfladen in Krummennaab.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.