"Nach gut drei Jahren Vorplanung und fast sieben Monaten Bauzeit können wir heute den neu gestalteten Friedenshain im Rahmen dieser Feierstunde einweihen und seiner künftigen Bestimmung übergeben", hob Bürgermeister Roth am neu geschaffenen Denkmal an.
Säulen aus Granit
Zahlreiche Bürger und Vereine mit Fahnenabordnungen waren zur Feierstunde gekommen. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom evangelischen Posaunenchor und der Singgemeinschaft aus Krummennaab und Thumsenreuth. Den kirchlichen Segen nahmen der katholische Pater James Mudakodil und die evangelische Pfarrerin Nadine Schneider vor.
"Ich bin direkt ein bisschen stolz auf dieses Ergebnis", ließ Uli Roth in seiner Festrede anklingen. Im Mittelpunkt stehen drei Granitsäulen, eine davon trägt die Weltkugel. Roth erläuterte den Symbolgehalt der dem Frieden gewidmeten Anlage, in der auch an die Weltkriege erinnert wird. Das umfließende Wasser sei Symbol des Lebens, erläuterte der Festredner. "Aus dem Kriegerdenkmal von einst wurde ein Mahnmal für den Frieden", fasste Roth das Ensemble zusammen.
Der Krummennaaber bedauerte auch die vielen Opfer beider Kriege, von denen auch die Gemeinde nicht verschont geblieben sei. Der Gefallenen und Vermissten aus dem Ersten Weltkrieg werde hier namentlich gedacht. Denen aus dem Zweiten Weltkrieg werde man einen gesonderten Ort widmen. Angedacht sei zudem, die vielen Informationen, die am Mahnmal keinen Platz fanden, in einem Schaukasten zusammenzustellen Roth kündigte an: "Er wird eine der ersten Stationen im geplanten Historienpark sein." Roth sah im neuen Denkmal "eine moderne, zeitgemäße und in die Zukunft weisende Interpretation eines schwierigen Themas". Der Bürgermeister: "Möge der Friedenshain viele Jahre Frieden erleben!
Mauer zurückgebaut
Planer Emil Lehner betonte, dass man sich bei der Gestaltung ausführlich mit dem Friedhof und dem Kriegerdenkmal auseinander gesetzt habe. Man habe mit dem Hain ein Friedenszeichen gesetzt. Lehner betonte, dass die Anlage auch die Zerbrechlichkeit des Friedens deutlich machen solle. Die vorhandene Mauer sei zurückgebaut worden, erhalten habe man auch den vorhandenen Friedhofsboden. Nach Lehners Worten ist ein Raum der Entschleunigung entstanden, der zudem auch ein Gedenkort sein soll. "Der Friedenshain ist ein Platz der Wertschätzung und der Besinnung." Mehr aber noch sei der neu geschaffene Ort ein mahnendes Zeichen für die künftige Gestaltung des Friedens.
Eingebunden in den Festakt war auch die Gedenkfeier zum Volkstrauertag. Bürgermeister Roth bemerkte bei der Kranzniederlegung: „Heute, am Vortag des Volkstrauertags, scheint es mir durchaus passend, wenn aus einem Kriegerdenkmal ein Mahnmal für den Frieden wird.“ In seiner Ansprache erinnerte Roth an die Jahre bis 1945, in denen friedvolle Phasen eher die Ausnahme waren. „Seit nunmehr 73 Jahren herrscht Frieden im vereinigten Europa. Lasst uns gemeinsam eintreten für eine freiheitliche, offene und tolerante Gesellschaft, und lasst uns Nationalismus und sogenannten „First-Gedanken“ entgegentreten“, forderte Roth. Es sei bekannt, wohin das führe. (wro)
Die Vorgeschichte dieses Friedenshains reicht viele Jahre zurück. Bereits in seiner ersten Amtsperiode hatte Bürgermeister Uli Roth die Position vertreten, dass die Mauer um den 1968 geschlossenen Alten Friedhof nicht mehr zeitgemäß ist. Die oft hart geführten Diskussionen zum Thema Friedhofsmauer blieben aber zunächst erfolglos.
Eine Wende zeichnete sich jedoch nach den Kommunalwahlen 2014 ab. Mit dem neu gebildeten Gemeinderat bildete sich auch eine Mehrheit, welche die Entfernung der Friedhofsmauer möglich machte. Zudem stellte sich heraus, dass die nicht denkmalgeschützte Mauer aus minderwertigen Feldsteinen aufgeschichtet war und daher als wenig wertvoll eingestuft wurde. Für enormen Zündstoff in der Gemeinde sorgte zudem auch die Entfernung der „Wächter-Linden“ am Portaltor des Alten Friedhofs.
Danach folgte ein langer und intensiver Planungsprozess zur Neugestaltung des Areals. Die Idee, am ehemaligen Friedhof eine „parkähnliche Gedenkstätte“ entstehen zu lassen, nahm Formen an. Um das Vorhaben realisieren zu können wurde seitens der Gemeinde ein Zuschussantrag für Mittel aus der Städtebauförderung gestellt und von der Staatsregierung schließlich auch bewilligt.
Zu einem weiteren regelrechten Politikum wurde die geplante Auflösung der seit vielen Jahren teils vernachlässigten und bisweilen sogar von den Angehörigen in Vergessenheit geratenen Gräber auf dem alten Friedhof. Die Diskussion über die weitere Verwendung der Grabsteine erhitzte die Gemüter im Gemeinderat erneut. Aber auch dieses Problem konnte gemeinsam gelöst werden. „Die Sitzung zur Freigabe der Werkplanung, sowie die Vergabe der auszuführenden Arbeiten im März 2018 dürfen heute wohl als wegweisend, vielleicht sogar historisch gewertet werden“, fasst Bürgermeister Roth die Entstehung des „Friedenshains“ zusammen. (wro)


















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.