09.09.2020 - 09:37 Uhr
KrummennaabOberpfalz

Marion Höcht wagt als Bürgermeisterin Spagat zwischen Ehrenamt und Hauptberuf

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Vormittags Geschäftsführerin des Maschinenrings in Tirschenreuth und nachmittags dann Bürgermeisterin in Krummennaab. Und am nächsten Tag das Ganze umgekehrt. Marion Höcht wagt den Spagat zwischen Hauptberuf und Ehrenamt.

Bürgermeisterin Marion Höcht mit Mann und Sohn im Museum des Grandlhofs.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Seit Anfang Mai ist Marion Höcht Bürgermeisterin in Krummennaab. Sie, die "Schwarze", hat Uli Roth, den "Roten", im Chefsessel des Rathauses abgelöst. Sie ist eine von zwei Ersten Bürgermeisterinnen im Landkreis. Und die 52-Jährige hat genau gewusst, was auf sie zukommen wird. Ihr Mann Hubert Kellner (67), mit dem sie in zweiter Ehe verheiratet ist, war 18 Jahre lang Bürgermeister von Waldershof, bis er 2014 auf eigenen Wunsch den Chefsessel geräumt hat, um neuen Ideen Platz zu machen.

Zeitdisziplin wichtig

Und natürlich hatte sich Marion Höcht mit ihm, ihrem Sohn (21) und auch den Mitarbeitern beim Maschinenring genau beraten, ob die Doppelbelastung Maschinenring und Gemeinde zu schultern sei. Eigentlich ist es ja eine Dreifachbelastung. Denn da ist auch noch der Grandlhof, den sie nebenher bewirtschaftet. "Mir war klar, dass die Arbeit nur mit viel Zeitmanagement und absoluter Disziplin zu schaffen ist", sagt Marion Höcht. Ihr Credo: Weder der Maschinenring noch die Gemeinde dürften unter der Arbeitsteilung leiden. Bislang hat sie dies nach eigener Ansicht recht gut hinbekommen. Die ersten paar Tage habe sie sich beim Maschinenring freigenommen, um den ganzen Tag im Rathaus zu sein. "Die Mitarbeiter sollten sehen, wie ich ticke und ich wollte natürlich auch wissen, wie die Mitarbeiter ticken", sagt sie. Der Start im Rathaus sei ihr leicht gefallen. "Das war irgendwie ein schönes Gefühl von Ankommen."

Trotz der bewussten Zeiteinteilung und Trennung bleibt einiges auf der Strecke. Zum Beispiel das Lesen. Bei "Frau Bürgermeister" stapeln sich mittlerweile die Bücher, die sie begonnen hat. "Darunter ist auch ein Papst-Krimi, bei dem kann ich wunderbar entspannen", verrät sie. Auch das Radeln ist so ein Hobby, das sie gerne wieder öfter ausüben würde. Viel zu selten sei sie zuletzt dazu gekommen, aufs Mountainbike oder aufs Rennrad zu steigen, sagt sie.

Am härtesten aber fiel ihr, dass sie bei der Bewirtschaftung des Grandlhofs Abstriche machen musste. Seit Anfang September können keine Gäste mehr in der Wirtsstube einkehren. Das kleine, gemütliche Wirtshaus wurde geschlossen. "Dabei spielte auch Corona eine Rolle", gibt Marion Höcht unumwunden zu. An schönen Sommertagen habe man ja noch draußen sitzen können, aber drinnen könnten die Abstandsflächen nicht eingehalten werden. Lediglich die Pensionsgäste nutzen die Stube noch.

Diese Entscheidung sei ihr echt schwer gefallen. Marion Höcht: "Natürlich schwingt da nach 30 Jahren eine gewisse Wehmut mit." Eigentlich habe sie gehofft, das Lokal auch weiterhin noch ein, zwei Mal im Monat an Sonn- und Feiertagen aufsperren zu können. Aber das funktioniere nicht. Da musste sie, die Powerfrau, auch schon mal ein Tränchen verdrücken, als sie dies den Gästen bekanntgab.

Museum eingerichtet

Eine Entscheidung mit Folgen. Denn zum Grandlhof gehört auch ein Hofmuseum, das im früheren Schweinestall eingerichtet ist. Seit dem Tod des Vaters kümmert sich ihr Bruder Lenz Leberkern um die ungewöhnliche Sammlung von zwei- und vierräderigen Oldtimern. Wenn das Hofstüberl geöffnet war, durften die Gäste ins Museum. "Das müssen wir nun anders regeln", überlegt Marion Höcht.

Bürgermeisterin Marion Höcht am Steuer eines alten Fendt.

Apropos regeln: Zu den Vereinbarungen, die sie mit ihrem Mann getroffen hat, gehört auch, dass beim Frühstück keine Zeitung aufgeschlagen wird. Die kommt erst später zu ihrem Recht. "Das Frühstück ist meist unsere einzige gemeinsame Mahlzeit", sagt Marion Höcht. Die wolle man bewusst genießen. Natürlich lässt sich dabei die Gemeindepolitik nicht ausklammern. Für sie sei es ein großer Vorteil, sich mit ihrem Mann über verschiedene Themen "auf Augenhöhe" austauschen zu können. Von seiner langjährigen Erfahrung als Rathauschef profitiere sie ungemein. Sie habe gelernt, dass manche Dinge gar nicht so wichtig seien, wie es den Anschein habe.

"Hubert könnte mir da durchaus noch mehr wertvolle Tipps geben", schmunzelt die Bürgermeisterin beim Plausch im liebevoll eingerichteten Hofstüberl. Denn irgendwie sei die Politik schon noch eine Männerdomäne und ein Haifischbecken. Doch Hubert Kellner will nicht die graue Eminenz im Hintergrund sein und nimmt sich oft bewusst zurück. Er sagt: "Es ist wichtig, dass meine Frau ihren eigenen Weg findet und geht."

Thomas Kaufmann ist seit 100 Tagen Bürgermeister von Immenreuth

Immenreuth

Und bei dem Weg, das lässt sich nach gut 100 Tagen im Amt schon absehen, wird der Bürgerpark, der unter ihrem Vorgänger auf dem Gelände, auf dem früher die Seltmann-Porzellanfabrik stand, entstanden ist, eine ganz wichtige Rolle spielen. Das große Gelände dürfe aber nicht einfach so überplant werden, sondern müsse ganz behutsam entwickelt werden, auch weil darin die Chance stecke, das Herz von Krummennaab neu zu gestalten, sagt die Rathauschefin. Als nächstes wird dort ein Bewirtschaftungsgebäude gebaut. Die Arbeiten laufen. Die Vereine sollen das Gebäude später mit Leben erfüllen. Marion Höcht ist es gelungen, daneben auch noch einen Backofen gefördert zu bekommen. "Den erachte ich für ganz wichtig", sagt sie. Ihr schwebt vor, so wie in Ilsenbach (Gemeinde Püchersreuth) eine Gruppe von Backfrauen und -männern auf die Beine zu stellen, die sich das nötige Wissen aneignen und sich um den Ofen und das Brotbacken kümmert.

Dorfladen auf der Agenda

Außerdem steht bei ihr ein Dorfladen weit oben auf der Agenda. Derzeit läuft eine Umfrage unter den Bürgern, was sie dort gerne einkaufen würden und ob sie sich eine Mitarbeit oder vielleicht sogar eine finanzielle Beteiligung vorstellen könnten. Dazu wurden die vergangenen Tage an alle 600 Haushalte Fragebogen ausgeteilt. Räume im Bereich des Bürgerparks hat sie für den Laden schon im Auge.

Auch einen neuen Bauhof will sie so schnell wie möglich verwirklichen. Der alte in Thumsenreuth sei alles andere als zeitgemäß und platze aus allen Nähten. Sie will deshalb den Bauhof von Thumsenreuth an den Rand des Bürgerparks nach Krummennaab verlegen. Die Planungen dafür sind schon angelaufen.

Etliche Bauplätze verkauft

Die Sicherung von Schule und Kindergarten ist auch so ein Thema, das Marion Höcht besonders am Herzen liegt. Zudem berichtete sie stolz, dass sie bislang in fast jeder Gemeinderatssitzung einen Bauplatz verkaufen konnte. "So kann es weitergehen", findet sie. Doch nicht nur für junge Familien, die sich hier niederlassen wollen, müsse vorgesorgt werden. Krummennaab müsse eine Gemeinde werden, in der alle Generationen zu ihrem Recht kämen. Sie denkt hier vor allem an die letzte Lebensphase. Auch in diesem Bereich müsse man sich etwas trauen und anpacken. Sie habe zu diesem Thema bereits einige sehr gute Gespräche geführt. "Vielleicht entwickelt sich hier was."

Ortsteile nicht vergessen

Und natürlich dürfe man nicht die einzelnen Ortsteile vergessen. Die Bürger in Thumsenreuth und all den anderen Orten müssten das Gefühl haben, dass sie genauso wichtig seien wie die Einwohner in Krummennaab. "Das war zuletzt leider nicht immer der Fall", bedauert Höcht. Deshalb sei auch die Dorferneuerung in Thumsenreuth enorm wichtig.

Handlungsbedarf sieht sie auch bei der Freizeitanlage mit Campingplatz am Erlenweiher, die sie revitalisieren will. Spätestens zum 50-jährigen Bestehen im Jahr 2023 solle das Gelände wieder ein Aushängeschild sein. Marion Höcht kündigt bei diesem Thema schon in nächster Zeit einschneidende Veränderungen an. "Ich muss sie oft ein bisschen bremsen, weil sie zu viel auf einmal will", schmunzelt Ehemann Hubert Kellner.

Der Bürgerpark spielt eine wichtige Rolle in den Plänen der neuen Rathauschefin. Die Arbeiten für das Betriebsgebäude laufen bereits.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.