07.11.2018 - 06:00 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

In Bayern ganz oben

Der digitale Wandel bringt neue "Hidden Champions" hervor. Einer davon sitzt in Kümmersbruck und zeigt als Vertriebs- und Support-Unternehmen mit Sitz im "ländlichen Raum", welche Chancen der 3-D-Druck eröffnet.

Geschäftsführerin Lena Eckenberger erklärt anhand von Musterkarten, welche Materialien heute schon beim 3-D- Druck eingesetzt werden. So können beispielsweise Materialien unterschiedlicher Härte kombiniert werden.
von Christian LinglProfil

Im Frühjahr haben Lena und Horst Eckenberger die Kümmersbrucker "encee CAD/CAM Systeme GmbH" übernommen, nachdem der Voreigentümer aus Altersgründen ausgeschieden war. Was bewegt ein Unternehmerehepaar aus Franken dazu, ein mittelständiges Oberpfälzer Unternehmen zu kaufen? Im Falle von "encee" werden die Gründe schnell erkennbar: Es ist ein "Hidden Champion", der schon heute "in Bayern ganz oben" angekommen ist.

Wie das bei "Hidden Champions" so ist: Nicht jedem ist die mittelständische Firma mit 20 Mitarbeitern bekannt, obwohl sie - nach eigenen Angaben - in ihrem Marktsegment in Deutschland die Nummer zwei und in Bayern die Nummer eins ist. Marktsegment meint in diesem Fall: "Systemhaus für 3-D-Druckanwendungen". "Encee" vertreibt 3-D-Drucker aus US-amerikanischer Produktion an industrielle Kunden, findet gemeinsam mit dem Kunden vor Kaufabschluss die passende Lösung, begleitet bei der Einführung und im laufenden Betrieb.

Der Firmenname "encee" leitet sich von der englischen Aussprache der Buchstaben N und C ab. Sie stehen in der Welt der Technik für "Numeric Control" und kommen überall da vor, wo Material abgetragen wird, also beim Fräsen, Drehen und Bohren. Allerdings hat man in Kümmersbruck offenbar sehr früh erkannt, wohin die Reise geht...

"Wir verwenden an Stelle von ,3-D-Druck' lieber den Ausdruck ,Additive Manufacturing'", sagt Horst Eckenberger. "Es handelt sich nämlich um ein ,aufbauendes Fertigungsverfahren', bei dem etwas entsteht, was zuvor in Computerprogrammen erstellt wurde." Additive Manufacturing, also ,aufbauende Fertigung', beschreibe besser, worum es gehe als der Begriff 3-D-Druck. Lohnte sich die additive Fertigung früher hauptsächlich für Prototypen, so werden heute Kleinserien und individuelle, voll funktionsfähige Bauteile "gedruckt". Das gehe so weit, dass ganze Branchen darüber nachdenken, Ersatzteillager aufzulösen und benötigte Komponenten bei Bedarf einfach gleich vor Ort herzustellen.

Wie groß die Technologiesprünge sind, verdeutlicht Vertriebsleiter Sebastian Trummer: "Die aktuellen Drucker sind 60 Prozent schneller als die Vorgängermodelle." Die Expertise von "encee" liegt jedoch nicht nur im Vertrieb der Drucker, vielmehr verstehen sich die Kümmersbrucker als "Partner der Branche". "Da unsere Ansprechpartner beim Kunden Konstrukteure sind und gedanklich eher von abtragenden Verfahren kommen, müssen sie diese neue Technologie zunächst einmal verstehen." Das ist ein anderer, ein neuer Ansatz. "Dabei unterstützen wir den Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette", bringt sich Mit-Geschäftsführerin und Ehefrau Lena Eckenberger ein. Zu diesen Kunden zählen heute sogar Konzerne, Referenzen, auf die die "encee"-Leute stolz sind.

Das Unternehmerehepaar aus Franken fühlt sich im "ländlichen Raum" der Oberpfalz pudelwohl. Das hat Gründe: "Ich war jahrzehntelang als angestellter Manager bis hin zum Geschäftsführer in internationalen Unternehmen tätig", geht Horst Eckenberger kurz auf seine berufliche Vita ein und lobt im gleichen Atemzug seine Oberpfälzer Mitarbeiter: "Den Ausschlag für unsere Entscheidung, hier einzusteigen gab wohl letztlich die Mentalität der Oberpfälzer." Bodenständigkeit, Loyalität und fachliche Kompetenz der Mitarbeiter seien wichtige Faktoren, die er hier vorfinde. Eigenschaften, die er andernorts in dieser Form und Kombination vermisst habe. "In München laufen dir die Leute alle halbes Jahr weg, weil sie vom Wettbewerb ein paar Euro mehr bekommen", sagt er dann auch ganz offen. Derartige Probleme kenne man bei "encee" nicht: "Die Fluktuation ist sehr gering."

Horst Eckenberger (links) und Vertriebsleiter Sebastian Trummer mit einem 3-Drucker der neuesten Generation. Diese Geräte sind mit denen für Heimanwender nicht zu vergleichen.
Man kann den Stolz und die Freude, mit der die Kümmersbrucker ihrer Tätigkeit nachgehen, sogar beim Fototermin sehen.
Horst Eckenberger mit einem hochkomplexen Getriebeteil, das im 3-D-Druck entstanden ist. Mit früheren Verfahren sei so ein Teil gar nicht produzierbar gewesen. Beim Anpassen der Konstruktionsprozesse unterstützt "encee" seine Kunden.
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