17.12.2018 - 13:45 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Familienbetreuung: Ersthelfer für Soldaten

Auch Soldaten treiben oft ganz alltägliche Sorgen um. Nicht ausschließlich während eines Auslandseinsatzes. Um diese vielfältigen Probleme kümmert sich das Familienbetreuungszentrum (FBZ) als Dienstleister - nicht nur für die Soldaten.

Die kleinen Schwepperlinge genießen die Tagesbetreuung.
von Redaktion ONETZProfil

Mit der Verabschiedung der Kümmersbrucker Logistiker in verschiedene Auslandseinsätze zu Beginn des neuen Jahres ist das FBZ in der Schweppermannkaserne noch mehr gefordert. Wobei das dortige Team um Oberstabsfeldwebel Andreas Cebulla das ganze Jahr, an sieben Tagen in der Woche, rund um die Uhr als Ansprechpartner parat steht. Für die Soldaten, die zivilen Mitarbeiter der Bundeswehr und deren Familien. Und das nicht nur während des Einsatzes.

Im täglichen Dienst

Ursprünglich war die von der Bundeswehr aufgebaute Betreuungsorganisation als Anlaufstelle für Angehörige von Soldaten gedacht. Doch mittlerweile hat sich das Aufgabenfeld weiterentwickelt. Die Betreuung während des Einsatzes stehe zwar noch im Mittelpunkt, sagt Cebulla, Hilfe im normalen Alltag sei aber auch vermehrt gefragt. Das FBZ steht mit seinen insgesamt sieben Mitarbeitern mit Rat und Tat zur Seite - in allen Lebenslagen. Wie der Chef dieser Dienststelle versichert, gibt es kein Thema, um das sich das FBZ zusammen mit dem Bundeswehr-Netzwerk der Hilfe nicht kümmern würde.

Das Team sei "so eine Art Ersthelfer am Unfallort", das nach Lösungen und Ansprechpartnern suche, wenn es ein Problem geschildert bekommt. Oft gehe es nicht darum, selbst einzugreifen, sondern eher darum, zu vermitteln. "Ich kann keine Wohnung besorgen, den Suchenden aber zu einer Stelle schicken, die eine Wohnung vermitteln kann", erklärt Cebulla.

So bot sich auch an, dass das FBZ die Aufgabe des Infopunktes der Kaserne übernahm. Diese werden nun in allen Standorten aufgebaut. Die Auskünfte zu den umliegenden Kommunen, Ämtern und anderen Einrichtungen, Antworten auf Fragen zu Kinderbetreuung und Schulen lagen in der Schweppermannkaserne bereits alle vor. Das FBZ gibt Soldaten, die neu an den Standort versetzt werden, verlässlich Auskunft und kann ihnen mit einer Liste mit den wichtigen Kontaktdaten von Behörden und Ämtern in Kümmersbruck, Amberg und Umgebung weiterhelfen.

Als weitere Betreuungsbereiche sind inzwischen die Beratung und Hilfestellung für Ehemalige und Pensionäre dazugekommen. Hier geht es vor allem um die ärztlichen Betreuung der aus dem Dienst ausgeschiedenen Soldaten. Das sind Fragen der Abrechnung von Arztkosten und Medikamenten oder Hilfe beim Ausfüllen der notwendigen Anträge und Formulare. So könne das Team des FBZ auch von der Witwe eines früheren Berufssoldaten gebeten werden, sie zu unterstützen, nennt Cebulla ein Beispiel. Etwa, wenn diese nach dem Tod ihres Mannes das erste Mal mit dem Formular der Beihilfeabrechnung konfrontiert werde.

Die Schwepperlinge

Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal des FBZ in der Schweppermannkaserne ist die Kindertagespflegestätte "Die Schwepperlinge" für Ein- bis Dreijährige. Keine Konkurrenz zu den öffentlichen Einrichtungen, für die Bundeswehrangehörigen aber eine wesentliche Erleichterung. Sie könnten ihre Kinder auf dem Weg zum Dienst in die Pflegestätte in der Kaserne bringen und nach Dienstschluss wieder abholen, erklärt der FBZ-Leiter. So gebe es direkte Wege, auch wenn die Eltern mal, etwa wegen Krankheit des Kindes, zur Kita gerufen werden müssten. Im Einzelfall wäre sogar eine Betreuung über Nacht möglich, wenn Mama oder Papa wegen einer Übung nicht nach Hause kommen könnten.

Platz bietet die Kita für zehn Kinder, seit Bestehen der Einrichtung wurden 50 Kinder betreut. Diese bleiben hier im Schnitt zwischen einem und anderthalb Jahren, mit drei Jahren wechseln die Kleinen dann in die normalen Kindergärten in der Region. Auch hier kann das FBZ den Eltern bei der Suche nach einem geeigneten Platz helfend und beratend zur Seite stehen.

Oberstabsfeldwebel Andreas Cebulla, Leiter des FBZ.

„Ich empfinde das in meiner Laufbahn als herausgehobene Verwendung, weil man hier für die Menschen etwas Gutes tun kann!“

Oberstabsfeldwebel Andreas Cebulla, Leiter FBZ Kümmersbuck

Von einem besonderen Betreuungsfall berichtet der FBZ-Leiter - stolz, hier eine unverzichtbare Hilfestellung geleistet zu haben. Dabei musste eine Soldatin, die aus großer Entfernung zur Fahrschule in die Gärmersdorfer Kaserne kommandiert wurde, während der Lehrgangszeit gleichzeitig ihr Kleinkind betreuen. Das FBZ konnte sie nicht nur damit unterstützen, dass ihr Sprössling tagsüber betreut wurde. Mutter und Kind konnten während des Lehrgangs auch zusammen in der Gästeunterkunft im FBZ kindgerecht und familienfreundlich untergebracht werden.

Dankbar ist Cebulla dem Bundeswehrdienstleistungszentrum (BwDLZ) für die Unterstützung ab der ersten Stunde. Eine fruchtbare Zusammenarbeit, die sich fortsetzt. So wird im nächsten Jahr der Spielplatz der Schwepperlinge mit Hilfe des Objektmanagements des BwDLZ neu gestaltet werden.

Das Team

Oberstes Credo der Arbeit ist laut Cebulla, "die zu Betreuenden nicht zu enttäuschen". Diese könnten sich jederzeit auf sein zuverlässiges Team und die ehrenamtlichen Helfer verlassen.

Dazu zählen neben den hauptamtlichen Angestellten im FBZ auch viele Frewillige und ehrenamtliche Helfer. Diese stehen dem hauptamtlichen Team vor allem bei den Betreuungsveranstaltungen während der Einsätze zur Seite. Da die Ehrenamtlichen oft aus dem nahen Umfeld der Bundeswehr stammen, Ehefrauen oder Mütter von Soldaten sind, können sie die Fragen und Sorgen der Familienangehörigen aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Diese bekämen so oft die besten Informationen und "ehrliche Antworten", meint Cebulla. Etwa sieben dieser Helfer stehen ihm regelmäßig als weitere Ansprechpartner für Angehörige bei.

Die etwas andere Dienststelle

Bereits auf dem Weg in das Gebäude des Familienbetreuungszentrums erkennt man deutliche Unterschiede zu den üblichen Kasernenbauten. Auch wenn das FBZ selbst in der Kaserne liegt, so soll es doch eine offene Anprechstelle sein. Zusammen mit einem Amberger Architekten wurde das Gebäude bei seiner Einrichtung bewußt anders gestaltet. Bereits im Eingangsbereich wurde durch große Glasflächen die Offenheit nach außen umgesetzt.

Vorteil: Bereits beim Betreten des Gebäudes wird ein Besucher in der Anlaufzentrale bemerkt, die Angestellten können ihn direkt empfangen und sich seinem Anliegen widmen. Kinderfreundlich und farbenfroh ist auch die Ausgestaltung der Flure. Ein eigenes Lichtkonzept sorgt für ein angenehmes Ambiente. Cebulla erzählt, er sei einmal von einem militärischen Vorgesetzten gefragt worden, warum hier keine militärischen Bilder oder Aufnahmen der Vorgesetzten hängen. Auch ein Merkmal, das diese Stelle vom Rest der Kaserne unterscheiden soll.

Andreas Cebulla in der Anlaufzentrale des FBZ Kümmersbruck.
Netzwerk der Hilfe:

Zum Netzwerk der Hilfe für militärische und zivile Angehörige der Bundeswehr und deren Familien gehören die Familienbetreuungsorganisation, die Militärseelsorge, der Sozialdienst, der Truppenpsychologische Dienst, das Bundeswehr-Sozialwerk (BwSW) und der Bundeswehrverband (DBwV) neben weiteren Organisationen und Institutionen (weitere Infos: www.bundeswehr-netz.de).

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