27.08.2018 - 19:48 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Handy-Fotos nach Unfall auf der A6: Polizei greift durch

Als am Freitag auf der A 6 bei Kümmersbruck ein Lastwagen verunglückt, zücken viele Verkehrsteilnehmer ihre Handys, um zu fotografieren oder zu filmen. Das wird teuer: Die Polizei greift rigoros durch und verhängt Bußgelder.

Die Polizei (hier ein Archivbild aus Nordrhein-Westfalen) hat bei Unfällen jetzt auch Gaffer im Blick: Hier filmt ein Beamter Verkehrsteilnehmer, die an einer Unfallstelle vorbeikommen, um Autofahrer, die dabei Handy-Aufnahmen machen, zur Rechenschaft zu ziehen.

(eik) Neuerdings greifen Gaffer nach Unfällen gerne zum Handy - auch den Lastwagen, der sich am Freitag auf der A 6 quer stellte, hielten viele Vorbeikommende für ein interessantes Motiv für Handy-Aufnahmen.

Konsequent geahndet

Die Polizei ließ dieses "Fehlverhalten", wie es im offiziellen Bericht des Präsidiums heißt, nicht durchgehen: Um die Handy-Fotografen in den Fahrzeugen damit zu konfrontieren und auch um "die Gefahren durch diese Ablenkung zu unterbinden", habe die Verkehrspolizeiinspektion Amberg diese Verstöße konsequent geahndet.

Wer am Auto-Lenkrad sein Handy zückt, werde abgelenkt, erklärt das Präsidium den Hintergrund - und verweist auf mögliche Folgen: "Nicht nur Sachschäden, sondern auch verletzte oder gar getötete Personen sind oftmals die Konsequenz."

Dabei geht es nicht nur um die nur mal kurz gelesene Textnachricht: "Besonders unvorsichtige Verkehrsteilnehmer nutzen die Funktionen ihres Mobiltelefons sogar dann, wenn sich bereits vor ihnen ein Verkehrsunfall ereignet hat und ohnehin besondere Vorsicht geboten ist." Das stellten auch die Beamten der Verkehrspolizei Amberg fest, als sie am Freitag den Unfall auf der A 6 aufnahmen: "Zahlreiche Verkehrsteilnehmer verlangsamten ihre Fahrt und griffen zum Smartphone, um Video- und Bildaufnahmen von der Unfallstelle zu fertigen", heißt es im Bericht des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Um dies zu unterbinden, sei die Verkehrspolizei konsequent eingeschritten und habe diese Verstöße geahndet. Keine Einzelfälle, wie die Polizei betont. Sie spricht von einer "Vielzahl an Verkehrsteilnehmern", die den quergestellten Lkw mit ihrem Handy festhalten wollten. Um alle zur Rechenschaft zu ziehen, hätten sogar weitere Polizeibeamte hinzugezogen werden müssen.

Gleich herausgewunken

Die Einsatzkräfte winkten die Betroffenen gleich zu einer Kontrolle heraus und konfrontierten sie mit ihrem Handeln. Dabei wurden auch Bußgelder fällig.

Die Polizei nimmt diesen aktuellen Vorfall auch als Anlass, darauf hinzuweisen, dass die Handy-Nutzung während der Fahrt gravierende Folgen haben kann: "Das Telefonieren oder das Schreiben von Nachrichten während des Lenkens eines Fahrzeuges erhöht das Unfallrisiko um mindestens das Vierfache", verdeutlicht Joseph Decker, stellvertretender Leiter der Verkehrspolizeiinspektion Amberg.

Auch wenn nichts passiert - den Ärger mit der Polizei sollte man sich ersparen "und auf jegliche Ablenkungen während der Fahrt verzichten", heißt es im Bericht des Präsidiums.

Info:

„Nur mal schnell eine Whats-App-Nachricht lesen“: Keine gute Idee – und deshalb auch nicht erlaubt, wenn man ein Fahrzeug lenkt. Auch wenn der Griff zum Handy keinen Unfall verursacht, kann der Betroffene einigen Ärger bekommen, wie eine Nachfrage beim Polizeipräsidium Oberpfalz ergab:

Telefonieren am Steuer während der Fahrt ohne Benutzung einer Freisprechanlage: 100 Euro Bußgeld (plus Gebühren) und ein Punkt in der Verkehrssünder-Kartei.

Gefährdung durch Handy-Nutzung am Steuer: 150 Euro Bußgeld, zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot.

Unfall durch Handy-Nutzung am Steuer: 200 Euro, zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot;

Bei vorsätzlichem Handeln kann der Geldbetrag auch verdoppelt werden.

Info:

Nicht nur Kritik hat die Polizei für das Verhalten der Verkehrsteilnehmer nach dem Autobahn-Unfall parat – sondern auch Lob: Diese hätten „die Vorgaben zur Bildung einer Rettungsgasse vorbildlich eingehalten“. Deshalb seien die Einsatzkräfte „ohne Verzögerungen zur Unfallstelle“ durchgekommen.

„Ein solches Verhalten ist grundsätzlich bei jedem Stau auf mehrspurigen Straßen wünschenswert“, betont das Polizeipräsidium Oberpfalz in einer Pressemitteilung. Und erinnert noch einmal an das Wie: „Immer wenn der Verkehr bereits stockt, ist die Rettungsgasse zwischen dem linken und den übrigen Fahrstreifen zu bilden.“ Später sei das oft nicht mehr möglich, wenn sich Einsatzfahrzeuge von hinten nähern, weil dann der Platz dafür nicht mehr reicht. „Deswegen ist es besonders wichtig, frühzeitig zu der entsprechenden Seite zu fahren.“ Mit der Rettungsgasse könnten andere Verkehrsteilnehmer dazu beitragen, dass Verunglückte schnellstmöglich Hilfe bekommen.

Ab 27. August achtet die Polizei auf der A3 besonders auf abgelenkte Autofahrer

Regensburg
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