27.09.2018 - 12:38 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Hobbysportler mit eisernem Willen

Konstantin Gudat entdeckt erst spät seine Passion für das Radfahren. Inzwischen hat der Kümmersbrucker den Ötztaler Radmarathon zum dritten Mal gemeistert.

Zu einer wahren Wetterschlacht wurde für Konstantin Gudat der Ötztaler Radmarathon. „Nach den gefühlten Hundert Wochen Sommer war genau an diesem Wochenende das Wetter einfach mies.“

(brü) Konstantin Gudat ist entspannt. Der 54-jährige Bundesbeamte sitzt in seinem Garten im Kümmersbruck, genießt die Sonne. Die hätte er sich ein paar Tage vorher auch gewünscht. Als er bereits zum dritten Mal an den Start des Ötztaler Radmarathons ging, der in diesem Jahr für ihn zu einer wahren Wetterschlacht wurde.

Der Radmarathon ist eines der bekanntesten Radsport-Jedermannsrennen. Gestartet in Sölden führt die Tour über Innsbruck und den Brenner nach Südtirol und zurück nach Österreich. 238 Kilometer mit über 5500 Höhenmetern gilt es zu meistern. In jedem Jahr bewerben sich bis zu 20 000 Radfahrer um einen der begehrten 4000 Startplätze. Auch Hobbysportler Gudat, der sich 2014 das erste Mal um einen Startplatz bewarb, wurde in diesem Jahr das Losglück wieder zuteil.

Zweifel kommen auf

Für ihn eine Herausforderung, der er sich immer wieder gerne stellt, auch wenn gerade auf den Strecken mit steilen Anstiegen Zweifel aufkommen: "Warum tu ich mir das eigentlich an?" Gerade als Hobbysportler, der erst spät seine Passion fürs Radfahren entdeckte.

Begonnen hat es 2009, auf dem Mountainbike: "Zunächst waren es Touren durch die Wälder im Landkreis, meistens immer ein bis zwei Stunden." Irgendwann gab seine Frau den Ausschlag und meinte: "Fahr doch mal auf der Straße und lern' so den Landkreis kennen." Einhergehend damit war die Anschaffung eine Trekking-Rads. "Dann bin ich losgefahren, hab die Kreise immer größer gezogen."

Start mit Trekkingrad

"Wenn du dich mit dem Thema Radtouren dann immer besser auseinandersetzt, bekommst du mit, es gibt große touristische Touren, wie den Arber-Marathon, oder die Zoigl-Tour in Pirk - auf diese Begriffe kommt man irgendwann." Eingestiegen ist er dann mit 80-Kilometer-Runden auf seinem Trekkingrad. "Wenn du dann die Touren machst, merkt man schnell, dass man zu einer kleinen Gruppe von fünf bis zehn Prozent der Radler gehört, die auf den Strecken nicht mit einem Rennrad unterwegs sind."

Die Entscheidung fiel ihm nicht schwer, sich somit ebenfalls ein Rennrad anzuschaffen. "Ich bin mit paar Freunden an den Garda-See gefahren. Irgendwann hat mich dann der Virus Rennrad befallen." 2014 wollte Gudat den Ötztaler Radmarathon zum ersten Mal meistern. "Da hat es mit dem Losglück leider nicht geklappt." Ersatzweise radelte er im Vorarlberg. "Der war besser zu bekommen, was mich dann bestärkt hat, es im nächsten Jahr wieder mit einer Startplatzbewerbung zu versuchen. 2015 war es dann das erste Mal soweit." Da startete er beim "Ötztaler".

Pures Spektakel

"Damals habe ich noch nicht so richtig gewusst, wie man dafür richtig trainiert, bin etwas blauäugig an den Start gegangen." Gemeistert hat er ihn trotzdem, in einer Zeit von zwölfeinhalb Stunden. "Natürlich war ich dann schon stolz auf mich." Auch das ganze Umfeld hat ihn hierbei beeindruckt. "Das Rennen wird hochprofessionell aufgezogen, auch herrscht das ganze Wochenende pures Spektakel rund um den Radsport - so was findet man bei keinem Rennen in Deutschland auf diesem Niveau."

Bestärkt wurde sein Wille, den Marathon ein zweites Mal zu meistern durch den Eintritt beim Radsportverein Vilstal. "Einfach mal mit guten Leuten in der Gruppe zu fahren, gute Tipps zu holen und entsprechend auch das Training anzupassen." Dadurch verlief die Vorbereitung um einiges besser, 2016 stand Gudat zum zweiten Mal an der Startlinie im Ötztal. Da war er dann eine Stunde besser als beim ersten Anlauf. "Eigentlich hab' ich mir damals gesagt: Okay, dass soll's jetzt mal gewesen sein. Du bist zweimal gefahren, das sollte eigentlich reichen. Aber wie es halt so ist, du lernst da Leute kennen, bleibst mit ihnen in Kontakt, und denkst dir - schön war's eigentlich doch. Also, was soll's, einmal versuch ich es doch noch mal." Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre hat er für seinen Hobbysport viel mitgenommen. Wobei: das als reines Hobby zu bezeichnen, ist schon etwas grenzwertig: "Alleine für die Vorbereitung bin ich heuer bis August alleine schon 5000 Kilometer gefahren." Ihm ist es auch wichtig, zu betonen, dass eine entsprechende Vorbereitung alles sei.

"Wichtig ist, viel zu fahren und vor allem auch regelmäßig. Es geht nicht, zu sagen, in der einen Woche fahr ich halt mal einmal, in der kommenden dann gar nicht, und dann wieder fünfmal. Wichtig ist die Kontinuität, ohne diese geht gar nichts. Und du musst dann entsprechend auch die Strecken anpassen. Wenn du als Saisonhöhepunkt einen Bergmarathon fahren willst, bringt's gar nichts, die Strecken im Vils- oder Lauterachtal zu fahren, da musst du dir schon Bergstrecken suchen."

Höhenmeter

Das sind Strecken unter anderem in Freudenberg, am Buchberg zum Beispiel, um auf eine gewisse Anzahl an Höhenmetern kommt. Und dass zwei-, dreimal. Pro Woche. Darüber hinaus ist nach Gudarts Worten die Teilnahme bei den Rennen in Windischeschenbach oder dem Arber-Marathon eine gute Vorbereitung: "Da kommt man der Sache schon näher, wenn man zweimal den Arber hochradelt."

2017 wollte er dann noch mal auf die Strecke, bekam aber keinen Startplatz, in diesem Jahr ging er dann aber zum dritten Mal an den Start: "Dieses Jahr war dann aber die Geschichte mit dem Wetter. Nach den gefühlten Hundert Wochen Sommer war genau an diesem Wochenende das Wetter einfach mies. Für mich war es eine der härtesten Rennradschlachten, die ich in meinem bisherigen Radleben geschlagen habe. Es ging am Start zwar noch trocken los, aber bereits am ersten Pass, bei dem es bis auf eine Höhe von 2200 Metern hochgeht, sind wir im strömenden Regen gefahren. Oben angekommen hatte es gerade zwei, drei Grad, weiter ging's über Innsbruck auf den Brenner, wo es dann nach der dritten Passfahrt wieder in Strömen schüttete. Wenn du das nicht jeden Tag machst, kein Profi auf dem Gebiet bist, ist das schon ganz schön tricky, den richtigen Weg zu finden."

Zufrieden im Ziel

Auch in diesem Jahr brauchte er wieder elfeinhalb Stunden, aber "bei dieser witterungstechnisch schlechten Voraussetzung war ich wirklich zufrieden mit der Leistung. Ich bin ja kein Profi, die zum Beispiel Kleiderwechsel direkt auf dem Rad während der Fahrt machen. Ich fahr halt rechts raus, zieh mich um und dann geht's weiter." Weiter ging es auch für Gudat, der trotz zweimaliger Teilnahme auch in diesem Jahr wieder an seine Grenzen kam.

Dachte er ans Aufhören? "Die Stellen gibt es bei jedem Wetter - wenn du über 20 Kilometer stetig mit insgesamt 1700 Höhenmetern bergauf radelst, dann gibt's schon Stellen, bei denen man sich denkt, warum mach ich das eigentlich, bin ich blöd. Aber wenn du im Rollen bist, fährst du, jetzt bin ich schon hier, und jetzt habe ich solange dafür trainiert, jetzt gehen auch noch die letzten Kilometer. Um so schöner ist es dann natürlich, wenn das Ziel nahekommt, du dann über die Ziellinie fährst. Das ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl. Und ganz unabhängig welchen Platz man belegt. Hauptsache man hat es geschafft." Wieder einmal.

2014 wollte Konstantin Gudat den Ötztaler Radmarathon zum ersten Mal meistern. „Da hat es mit dem Losglück leider nicht geklappt.“
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