13.07.2018 - 08:35 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Pateneltern für Brisaida

Es gibt Kulturkreise, in denen Mädchen besonders benachteiligt werden. Familie Rambach aus Kümmersbruck hat sich dafür entschieden, etwas dagegen zu tun.

Monika und Günther Rambach mit dem Schal, den ihnen die Mutter ihres Patenkindes geschenkt hat.

Die Organisation Plan-International setzt sich für die Aufklärung, Bildung sowie den Schutz von Mädchen und ihren Rechten ein. Unter anderem vermittelt sie Patenschaften für Mädchen ohne Zukunftsperspektive. Günther (75) und Monika Rambach (66) aus Kümmersbruck haben sich dazu entschlossen, eine solche Patenschaft für ein kleines Mädchen aus Peru zu übernehmen.

Ein Mädchen aus Peru

Auf die Frage, warum sie sich für Peru entschieden haben, antwortet Günther Rambach: "Als Eltern von drei Töchtern verfolgten wir schon immer aufmerksam, wie Mädchen in aller Welt benachteiligt werden. Peru deshalb, weil die Inka-Vergangenheit eine große Faszination für uns hat." Im vergangenen Jahr hat die Organisation eine Patenschaftsreise angeboten. "Es ergab sich die einmalige Gelegenheit, nicht nur dieses außergewöhnliche Land, sondern auch unser Patenkind kennenzulernen", erzählt der ehemalige Gymnasiallehrer. Die Reise führte das Paar an einige der touristischen Höhepunkte Perus. Unter anderem in die Inka-Stadt Cusco und zur Festung Machu Pichu.Um die Reise aber geht des den Rambachs nicht. Sie wollen auf die Arbeit von Plan-International hinweisen. An drei Tagen haben sie mit ihrer Gruppe die Patenkinder und Projekte in den Anden besucht. Um die acht Stunden waren insgesamt 16 Pateneltern in zwei Kleinbussen jeden Tag unterwegs.

Günther Rambach schaudert es, wenn er an die abenteuerlichen Fahrten zurückdenkt: "Nicht geteerte, schmale Straßen führten in unzähligen Serpentinen über die Berge." An den Seiten der unbefestigten Straßen ging es teils bis zu 100 Meter in die Tiefe. "In Erinnerung an die Berichte in Deutschland von abgestürzten Bussen in Peru war das ein mehr als mulmiges Gefühl und das erst recht bei entgegenkommenden Lkw", fügt er hinzu. Höhen von bis zu 4000 Metern setzten einigen der Reisenden ziemlich zu. So sehr sogar, dass einmal der Notarzt kommen musste.

Blumen zur Begrüßung

"Mit drei örtlichen Mitarbeitern von Plan sind wir zu unserem kleinen Inka-Mädchen Brisaida gefahren", sagt der Pensionär. "Vor dem Haus erwartete uns die Mutter mit einem Baby auf dem Rücken und Brisaida, die gerade von der Schule kam. Sie hatte noch die Schulkleidung an." Zur Begrüßung gab es einen Blumenstrauß. Das Haus der Gastgeber hatte einen gestampften Lehmboden, eine Heizung gab es dort nicht, obwohl die Temperaturen manchmal bis zum Gefrierpunkt sinken.

Zur Verständigung im Dorf standen den Pateneltern zwei Dolmetscher zur Seite. Aus der Sprache der indigenen Bevölkerung, die Quechua genannt wird, übersetzte einer zunächst ins Spanische. Der andere übertrug das Gesagte dann ins Englische. "Um die Situation zu entspannen, zeigten wir zunächst Fotos von unseren Enkelkindern und unserem Zuhause", beschreibt Günther Rambach. Um das Eis zu brechen, brachten die Pateneltern Süßigkeiten und andere Geschenke mit. Ihren Pateneltern wollte die kleine Brisaida unbedingt ihre Tracht vorführen, während ihre Mutter Tee für die Gäste brachte. Auch bei Familie Rambach zu Hause im Wohnzimmer erinnert noch einiges an die aufregende Reise. Auf dem Schrank steht ein Foto der beiden hoch oben in den Anden. Am Esstisch der Rambachs liegt ein Schal, den Brisaidas Mutter selbst gewebt und dem Paar geschenkt hat. Eine ganze Woche hat die Frau daran gearbeitet. "Er gefällt uns sehr. Die Farben sind dezenter als die sonst üblichen grellen Farben", sagt die ehemalige Sozialpädagogin.

Schule in Peru

Auch die Schule ihres Patenkinds haben die Rambachs besichtigt. Damals hat Brisaida dem Ehepaar stolz ihr Klassenzimmer und ihren Platz gezeigt. "Der Besuch bei unserem Patenkind hat uns tief bewegt", sind sich die beiden einig. Günther Rambach ist sichtlich berührt, sooft er von Brisaida spricht.

Als die Gruppe eine Grundschule besuchte, hatte der pensionierte Lehrer ein Geschenk dabei, das - wie er selbst sagt - den Schülern eine große Freude machte, die Reiseteilnehmer aus Norddeutschland aber weniger begeisterte. "Ich habe ihnen eine große politische Landkarte von Europa mitgebracht und zeigte ihnen die verschiedenen Länder." Auf die Frage, wo es in Deutschland am schönsten sei, antwortete er: "Natürlich in Bayern und in München. Später meinten dann einige, die Peruaner glauben jetzt, München sei die Hauptstadt von Deutschland."

Bei der Begrüßung der Pateneltern aus Deutschland singen die Kinder ein Lied. Sie tragen die typische Tracht der indigenen Bevölkerung.

Zwei Alpakas weiden in den Anden. Im Hintergrund die Serpentinen, die die Busreisenden auf dem Weg zu den Projekten zurücklegen mussten.

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Kommentare

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Heinz Rahm

Das finde ich toll. Leider ist so eine Patenschaft nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Solange die alten (in vielen Ländern korrupten) Strukturen nicht aufgebrochen werden, ändert sich in großem Maße nichts. Aber diese Kinder danken es einem sehr. Ich selber habe in meinem Leben vier auf diese Weise "großgezogen", dabei bin ich wahrlich nicht arm geworden. Eine gute Sache, die sich doch "bezahlt" macht: die dankbaren Gebete dieser Kinder begleiten einen sicher das ganze Leben! Hier noch was Interessantes zum "Googeln": Diospi Suyana!

13.07.2018