08.01.2019 - 13:12 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Sternsinger: Segen bringen, Segen sein

Sie kommen nicht aus dem Morgenland, haben keine Geschenke dabei und „Weise“ sind sie wohl auch nicht – und doch bringen die Sternsinger Segen in die Häuser ihrer Heimatorte. Und sind damit gleichzeitig auch ein Segen für Kinder in Peru.

von Redaktion ONETZProfil

Es ist der letzte Freitag in den Weihnachtsferien. Eigentlich könnten Luzie, Luisa, Emilia und Christina noch einmal ausschlafen. Stattdessen sind sie alle um kurz nach 9 Uhr bei Luzie und Emilia in der Küche und ziehen kunterbunte Gewänder und Umhänge über ihre Winterjacken: Die vier ziehen gleich als Sternsinger los.

Für alle vier ist es keine Premiere: Emilia ist schon zum fünften Mal dabei, die anderen zum zweiten Mal. „Weil es voll Spaß gemacht hat“, verkündet Luisa voller Vorfreude und strahlt. „Es ist schön, Zeit mit Freunden zu opfern, um was für andere Kinder zu machen“, sagt Christina (10). „Es ist ja für einen guten Zweck“, ergänzt Luzie, „und man kann zwischendurch auch ratschen.“

Das Pensum: 280 Häuser

„Sollen wir noch unseren Text hinten auf den Stern kleben?“, fragt Luzie, bevor die vier das Haus verlassen. „Quatsch“, meinen die anderen – schließlich kennen sie ihre Verse noch aus dem vergangenen Jahr. „Ein bisschen aufgeregt ist man am Anfang aber schon immer“, gibt Emilia zu. Dann geht es los. Draußen hat es Minusgrade, vor der Gruppe liegen zwei lange Tage.

34 Kinder hatten sich für die Sternsingeraktion gemeldet. Sie sind in neun Gruppen unterwegs. Die Gemeinde Kümmersbruck ist aber groß, die Pfarrei hat sie in 15 Gebiete aufgeteilt. Die Sternsinger werden es nicht schaffen, an jeder Haustür zu läuten. Trotzdem haben sich die vier Mädchen bereiterklärt, zwei Gebiete zu übernehmen: Damit stehen insgesamt 280 Häuser auf ihrem Plan. Mit Beuteln für die Süßigkeiten und ihrer Büchse ziehen sie los. „Wir haben Aufkleber für die Tür dabei, Kreide, den Plan von unserem Gebiet, Zettel für die Briefkasten und noch mehr Aufkleber“, zählt Emilia (14) auf. Weihrauch haben die Mädchen nicht dabei – dafür seien viele der Sternsinger noch zu jung, meint Gemeindereferentin Elisabeth Harlander. „Die wenigsten haben damit Erfahrung, und man muss sich mit Weihrauch schon ein bisschen auskennen.“

Ein ängstlicher Blick

Gleich an der ersten Haustüre, an der die vier klingeln, öffnet ein asiatisch aussehender Mann. Er ruft seine Frau und seine Kinder zur Tür, dann dürfen die Sternsingerinnen ihren Vers aufsagen. Das kleine Mädchen der Familie schaut zuerst noch ein wenig ängstlich, doch als die Besucherinnen fertig sind, strahlt es. Der Vater steckt die erste Spende in die Büchse, die Sternsinger bedanken sich, kleben den „20*C+M+B+*19“-Spruch an die Tür, und schon geht es weiter. Bei den nächsten Häusern haben die vier weniger Glück – niemand öffnet ihnen. „Viele sind in den Ferien weggefahren oder müssen arbeiten“, wissen die Sternsinger. Deshalb werfen sie einen Gruß in den Briefkasten, „damit die Leute wissen, dass wir da waren.“

Die Schminke juckt

So geht es weiter, Haus für Haus. Das kann auch anstrengend sein. „Die Kälte ist nicht so schön“, sagt Christina. Und Luisa meint: „Die Kleidung nervt auch manchmal, wenn einem immer das Tuch ins Gesicht fällt.“ Schwarz angemalt hat sich von ihnen in diesem Jahr keine. „Die Schminke juckt mit der Zeit total“, erinnert sich Christina ans vergangene Jahr. Eigentlich ist es auch egal, welche Hautfarbe die Sternsinger haben. Es geht schließlich um die Spenden, die sie sammeln. Diesmal sei das Geld für Peru bestimmt, weiß Luisa (10). „Für behinderte Kinder“, ergänzt Christina. Gemeinsam mit den anderen Sternsingern der Pfarrei haben sie sich im Vorfeld einen Film angesehen, der ihnen genau gezeigt hat, wohin die Spendengelder gehen. „Der Willi von ,Willi will’s wissen‘ ist zu verschiedenen Kindern gegangen, die hatten fast alle eine Behinderung“, erinnert sich Luzie. „Die Kinder hatten Betreuer und haben dem Willi gezeigt, wie sie wieder Kraft kriegen können.“

Der Film war eine Motivation für die Sternsinger. Trotzdem brauchen sie nach drei Stunden in der Kälte dringend eine Pause. Aber nicht zu lang – denn wenn es dunkel wird, ist es für heute erst einmal genug. Den Samstag über geht es weiter, am Nachmittag sind die Sternsinger dann mit ihrem Gebiet fertig. „Am Ende waren wir jetzt richtig durchgefroren“, sagt Christina. Tütenweise Süßigkeiten haben sich in den vergangenen beiden Tagen angehäuft. „Das meiste spenden wir an die Tafel“, sagt Luisa. Den Rest teilen sie untereinander auf.

640 Euro gesammelt

Interessanter ist aber der Inhalt der Büchsen: 640 Euro haben die Mädchen gesammelt – damit sind sie sehr zufrieden. „Manche Leute wollten auch uns unbedingt Geld geben“, erzählt Emilia. Das dürfen die Sternsinger aber nicht annehmen. „Bevor wir lang diskutieren, tun wir es dann einfach in die Büchse.“ Zwischen 2 und 30 Euro hätten die Leute gespendet, sagt Emilia. „Ich glaube, es ist für die Leute leichter, direkt an der Haustüre zu spenden, da müssen sie nicht selber aktiv werden.“

Zwei spannende Tage

Es waren zwei spannende Tage für die vier Mädchen: Wer sonst bekommt schon einen Einblick in so viele fremde Häuser? „Ich finde es super interessant, zu sehen, welche Leute in Kümmersbruck wohnen“, meint Luisa. Die meisten hätten sich über ihren Besuch gefreut. „Manche sind aus dem Haus gekommen und haben uns gewunken, weil sie unbedingt wollten, dass wir zu ihnen kommen“, erzählt Emilia. Und Christina berichtet: „Einmal hat ein Auto neben uns angehalten und der Fahrer hat Geld aus dem Fenster gestreckt.“ Viele Leute hätten die Mädchen auch ins Haus gebeten „und manche haben uns sogar was zum Trinken angeboten“, ergänzt Luisa.

Und doch wurden die Sternsinger nicht immer freudig empfangen. „Ein paar Leute haben gesagt, dass sie das nicht unterstützen wollen“, sagt Luzie. Trotzdem haben die vier überwiegend positive Erfahrungen gesammelt. Sie waren bei Kindern und Rentnern, sind Leuten in Schlafanzug und Anzug begegnet, haben Hühner und Hunde getroffen. Für die 14-jährige Emilia war es wohl die letzte Sternsingeraktion. Aber für die anderen drei ist klar: „Wir sind nächstes Jahr wieder dabei.“

Hintergrund:

Die Sternsinger-Aktion

Im Jahr 2019 wird das Sternsingen in Deutschland zum 60. Mal vom katholischen Kindermissionswerk ausgerichtet.

In dieser Zeit haben die Sternsinger nach Angaben des Kindermissionswerks insgesamt mehr als eine Milliarde Euro für Kinder in Not gesammelt.

Deutschlandweit sind etwa 300 000 Kinder und Jugendliche um den Dreikönigstag herum als Sternsinger unterwegs - auch viele evangelische.

Seit 2015 zählt das Sternsingen zum immateriellen Weltkulturerbe in Deutschland.

Der Segensspruch:

Der Segensspruch

Kaspar:

Seht ihr Leut‘ den hellen Stern,

er bringt uns Kunde von Gott dem Herrn.

Melchior:

Wir sahen ihn aufgehen im Morgenland,

und folgten ihm gleich, durch sein licht’ Gewand.

Balthasar:

Zu Betlehem, in der Krippe, im Stall,

fanden wir Jesus, das Heil für uns all.

Sternträger:

Mit Freude wir seinen Segen empfingen,

um ihn heute zu euch zu bringen.

Alle:

Wir sagen euch Dank für eure Gaben,

für die auf der Welt, die gar nichts haben.

Und wünschen euch ein frohes Jahr.

Kaspar, Melchior und Balthasar.

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