12.01.2020 - 17:24 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Tell-Schützen Kümmersbruck: Keiner will Chef sein

Wichtiges Requisit bei der Jahreshauptversammlung der Schützengesellschaft Tell Kümmersbruck war die Vereinssatzung. Denn die Kardinalfrage war: Was wäre, wenn der Verein keine Führung mehr hat? Ein neuer Vorstand fand sich nämlich nicht.

Schwierige Debatten über die Zukunft des Vereins: Norbert Franzel (rechts), Schatzmeisterin Michaela Zajac (links), Schriftführerin Irmgard Sollfrank (Zweite von rechts) und Bürgermeister Roland Strehl (Dritter von links).
von Klaus HöglProfil

Was bringt dann die Zukunft des 1921 gegründeten Vereins, der nächstes Jahr seinen 100. Geburtstag feiern könnte? Kommt es jetzt überhaupt noch dazu? Diese fundamentalen Fragen sind nach der jüngsten Zusammenkunft immer noch unbeantwortet. Die Tell-Schützen standen vor einer ihrer schwersten Versammlungen. Der Grund: Schützenmeister Norbert Franzel, in Personalunion auch Schießleiter, ist zurückgetreten, mit ihm der komplette Vorstand. Zu wenige müssen offenbar zu viel tun: "Ausgebrannt" sei er, bekundete Norbert Franzel, und die Arbeiten im Verein könnten nicht mehr verteilt werden. Am Geld liegt's ganz sicher nicht, denn der Verein verfügt über beträchtliches Vermögen. Das Interesse am Schießbetrieb habe aber ebenso nachgelassen wie das Engagement im Verein selbst, berichtete Franzel.

Schützenmeister Norbert Franzel.

Neuwahl gestrichen

Nach dem Schießleiter und Schützenmeister standen Berichte von Jugendleiter, Schatzmeister und Kassenprüfer auf der Tagesordnung. Zu Punkt 9, der Neuwahl des Vorstands, kam es dann gar nicht mehr. Franzel blieb bei seinem Entschluss, nicht weiterzumachen, und eine neue Führungsriege fand sich nicht.

Bürgermeister Roland Strehl, selbst Vereinsmitglied, und Alt-Bürgermeister Richard Gaßner versuchten, zu vermitteln, sahen eine "schwierige Situation", mit der auch andere Vereine, wenn auch nicht so akut, zu kämpfen hätten. Eine Dreierspitze, Vereins-Politik der kleinen Schritte, oder die Jugend verstärkt mit ins Boot nehmen, waren wohlgemeinte Ratschläge, die auch von Landessportleiter Ludwig Mayer zu hören waren. Schließlich kam eine Fusion mit einem anderen gemeindlichen Schützenverein zur Sprache.

Richtig gezündet hat am Ende keiner der vielen Beiträge aus der Versammlung. "So wie jetzt geht es nicht mehr weiter", fasste Mitglied Michael Zeitler zusammen und redete einer Fusion das Wort: "Das würde uns besser aufstellen." Er schlug eine Änderung der Schießzeiten vor, um diese attraktiver zu machen. Am Ende gab's dennoch keinen Erfolg. Die Satzung wurde zitiert, mit dem Ergebnis, dass der Vorstand um Norbert Franzel kommissarisch im Amt bleiben muss.

Neuer Termin im März

Man muss sich jetzt noch einmal zusammensetzen. Im März soll eine außerordentliche Mitglieder-Versammlung Klärung bringen, wie es mit dem Verein weitergeht.

Info:

Hintergrund

Trotz der aktuellen Führungskrise waren die Tell-Schützen im vergangenen Jahr recht aktiv. Wie Vorsitzender Norbert Franzel sagte, ist der Mitgliederstand stabil geblieben. „Wirtschaftlich und finanziell ist der Verein solide.“ Einsatz und Bereitschaft hätten aber „drastisch abgenommen“ klagte Franzel. Die „Tendenz ist eher fallend“, kommentierte er das Engagement der Mitglieder. Deshalb gelte: „Wenige müssen alles tun und das geht nicht mehr.“

Der Vorsitzende redete Tacheles mit den Mitgliedern: „Selbst Schützenkönig zu werden, ist nicht mehr erstrebenswert“. Einen Faschingsball wird es 2020 nicht mehr geben: „Der Aufwand steht nicht im Verhältnis zu den Kosten.“ 35 Schießtage habe es 2019 gegeben – mit einem Schnitt von 13 Teilnehmern.

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