31.08.2018 - 15:59 Uhr
KulmainOberpfalz

"Es geht immer um die Musik"

Michael Wagner produziert elektronische Tanzmusik. Der 24-Jährige aus Kulmain ist dabei ziemlich erfolgreich. Allerdings misst er Erfolg nicht in Geldbeträgen.

Hier ensteht der "Renga Weh"-Sound: Michael Wagner in seinem Studio in Kulmain
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Bei etwa zehn Plattenfirmen hat Michael Wagner in den vergangenen beiden Jahren seine Stücke veröffentlicht. Verdient hat er keinen Cent, die Erlöse decken nur die Auslagen der Firmen. Der bald 25-Jährige ist trotzdem mit sich und seiner Musik im Reinen. "Es läuft gut", sagt Wagner, der unter dem Künstlernamen "Renga Weh" auflegt und produziert. Seine Musik entsteht im Studio daheim in Kulmain im Landkreis Tirschenreuth. Der Stil liegt zwischen Techno und House, durchaus melodisch und auch etwas melancholisch. Es ist keine Musik fürs Radio oder die Charts - sie taugt zum Feiern im Club.

Renga Weh: Der Produzent

Dort könnte man mit elektronischer Tanzmusik auch Geld machen, DJs mit großen Namen verdienen auch groß. Obwohl "Renga Weh" auch auflegt, sieht er sich dennoch eher als Produzent, obwohl er weiß, dass seine Stücke nie häufiger als ein paar hundert Mal gekauft werden. "Es geht mir nicht ums Geld, es geht um Musik."

An der Musik macht Wagner auch seine Fortschritte fest. "Mir gefällt ein neues Stück immer besser als das vorhergehende." Auch bei Plattenfirmen scheint das so zu sein. Vor zwei Jahren war Wagner stolz, überhaupt Labels zu finden, die seine Musik auf die gängigen Plattformen von Amazon bis Beatport brachten. Dank digitaler Technik sei es heute einfach, Musik zu produzieren. Dass Labels seine Tracks auswählen, zeige, dass sie sich von der Massenware abheben, sagt Wagner, der als Kind lange Klavier spielte. Inzwischen reagieren auch bekanntere Labels, wenn er seine Stücke mit einem kurzen Anschreiben verschickt. Eine der letzten Veröffentlichungen erschien bei 3000Grad, einem Label, das in der Szene einen sehr guten Namen hat und in Ostdeutschland das angesagte 3000Grad-Festival veranstaltet. Seine aktuelle Dystopie EP belegt aktuell Platz 61 in der Top-100 "Melodic House & Techno Alben".

Rumor auf 3000Grad

Der Kontakt zu den Platenfirmen sei aber ziemlich unpersönlich, mehr als ein paar Mails werde nicht ausgetauscht. Auch Mitspracherecht gebe es praktisch nicht. Wagner erfährt nicht einmal die Download-Zahl seiner Stücke. Unglücklich ist er deshalb nicht, er freue sich, dass die Veröffentlichungen den Namen "Renga Weh" bekannter machen.

Das merke er vor allem als DJ. In den vergangenen Monaten wurde er mehrfach für Auftritte gebucht, die vor einem Jahr nicht möglich schienen. Die Veranstalter "Bordel Des Arts" luden ihn im Mai in den "Salon zur Wilden Renate" nach Berlin ein. Vor kurzem spielte er beim Klangtherapie-Festival in der Fränkischen Schweiz. Auch DJ Hell legte dort auf. Die Techno-Legende spielte vor 4000 Menschen, Wagner vor 100. Trotzdem war das experimentelle Festival ein Erlebnis. "Mir gefallen individuelle Partys viel besser, als die großen, kommerziellen."

Zur wilden Renate

Allerdings geht auch dort viel über Beziehungen und Kontakte: "Ich habe aber das Gefühl, dass bei mir alles auf einer natürlichen Ebene läuft. Ich habe noch nie gebettelt." Das will Wagner nicht ändern. Er habe auch nicht vor, für die Musik umzuziehen, weil es in einer Metropole einfacher sein könnte. "Meine Musik würde nicht besser, wenn sie plötzlich in Berlin entsteht." Und für Michael Wagner ist klar, auch künftig soll die Musik der Maßstab sein.

Renga Weh auf Facebook

Michael Wagner alias "Renga Weh"

Mit "Berlin Calling" fing es an:

Michael Wagners Liebe zum Techno begann mit einem Video. 2008 sah er "Berlin Calling" mit Paul Kalkbrenner in der Hauptrolle. Der Film porträtiert die Techno-Szene der Hauptstadt. Wagner war begeistert. Zwei Jahre später begann er selbst aufzulegen, seit 2013 bastelt er an eigenen Stücken. Als Teil des Villa-Varia-Kollektivs ist er zudem für den Techno-Boom mitverantwortlich, den es zwischen Bayreuth, Hof und Weiden gibt. Das Villa-Varia-Festival "Kindheitstraum" zog 2018 über 3000 Besucher an. Es ist Vorbild für junge Veranstalter in der Region. Wagner selbst hat sich aus der Organisation zurückgezogen, konzentriert sich aufs Produzieren mit Computer und analogen Synthesizern. Sein nächstes Ziel: Die eigene Musik vor Publikum spielen, seine Stücke live zu mischen und zu arrangieren.

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