13.08.2020 - 12:08 Uhr
KulmainOberpfalz

Gemeinde Kulmain kommt lange Wasserleitung teuer zu stehen

Sommerpause war für den Gemeinderat Kulmain ein Fremdwort. Der öffentliche Teil der Sitzung dauerte knapp vier Stunden. Davon beanspruchte der Punkt „Sanierungs- und Strukturkonzept Wasserversorgung Kulmain“ 80 Minuten.

Der Hochbehälter von Kulmain ist ein Sorgenkind. Zwischen den Varianten einer Sanierung mit Erweiterung oder eines Neubaus muss noch entschieden werden.
von Bernhard KreuzerProfil

Eine Studie zur Wasserversorgung stellte Diplom-Ingenieur Bernhard Kaltenecker vom Ingenieurbüro Zwick aus Weiden vor. Seine Präsentation umfasste 43 Folien. "Wir sind seit langem dabei, ein Konzept aufzustellen", sagte Bürgermeister Günter Kopp.

Wie notwendig dies ist, unterstrich Gemeinderat und Wasserwart Tobias Schroll (CSU) mit dem Hinweis, dass es in manchen Bereichen mit der Wasserversorgung schon eng werde und zum Wassersparen aufgerufen werden musste. Nach den Worten von CSU-Fraktionssprecher Albert Sollfrank ist das Wassernetz das wichtigste Netz in der Gemeinde. Dringend sei es, das Guthaben unter der Erde zukunftsfähig zu machen. "Das, was gemacht werden muss, ist auch eine Auswirkung der Klimaveränderung. Die Netze müssen verbunden werden", sagte Kaltenecker.

Steigender Wasserverbrauch

Die Studie bezeichnete der Ingenieur als eine Bestandsaufnahme des Ist-Zustands, des Wasserverbrauchs und der notwendigen Maßnahmen zur Sicherung der Wasserversorgung der 2370 Einwohner der Gemeinde. Acht Wasserversorgungsanlagen gewährleisten dies zurzeit. Oberbruck bezieht dabei sein Wasser von Kemnath beziehungsweise Lenau von Immenreuth. Zinst und Altensteinreuth besitzen eigene Anlagen.

Kaltenecker stellte die Verbundstrukturen vor und prognostizierte einen steigenden Wasserverbrauch bis zum Jahr 2040 um zehn Prozent. Die Hochbehälter sind auf den maximalen Tagesbedarf und für Löschwasser auszulegen, erklärte er die Vorgabe. Kaltenecker errechnete Fehlvolumen von 47 Kubikmetern für Witzlasreuth, 23 für Erdenweiß, 66 für Zinst und 52 für Altensteinreuth. Bezüglich des Löschwassers könne der Mangel in vielen Fällen durch Teiche ausgeglichen werden, betonte der Fachmann.

Als gravierend wertete er die Situation des Kulmainer Hochbehälters, Baujahr 1957/58. Seine zwei Kammern mit jeweils 125 Kubikmetern wiesen ein zu geringes Volumen von 280 Kubikmetern aus. Die Kammern seien auch stark sanierungsbedürftig. Sanieren und um eine Kammer erweitern oder ein Neubau sind nach seinen Worten die Alternativen. Bei einem Neubau regte er an, den Standort des Hochbehälters auf einen um zehn Meter höheren Standort zu verlegen. Dieser Schritt würde den Wasserdruck um ein Bar erhöhen. Als Kosten für die Variante 1 errechnete Kaltenecker 101 500 Euro und für die zweite Variante 1 215 000 Euro.

Wir müssen uns auf den Weg machen zu handeln.

Bürgermeister Günter Kopp

40 Kilometer Wasserleitungen

Von den 40 Kilometern Wasserleitungen im Gemeindebereich müssten 3,73 Kilometer saniert werden. Dies betrifft die Wasserleitungsanbindungen des Kulmainer Hochbehälters mit 1000 Metern, die Verbindungswasserleitung von Rothenhof nach Oberwappenöst (1100), den Schloßweg Witzlasreuth (730) sowie in Kulmain die Rosenstraße (275), den Armesbergweg (225) und den Burgweg/Schulplatz (400 Meter).

Zinst und Altensteinreuth müssten zur Absicherung mit einer 520 Meter langen Leitung verbunden werden. Allerdings sind die Kosten von den beiden Zweckverbänden selbst zu tragen. "Zweckverbände bekommen keine Förderung, es sei denn, sie würden sich auflösen", informierte Bürgermeister Kopp.

Nicht nur Wasserleitungen bedürften der Sanierung. Verbindungs- und Verbundleitungen von Rothenhof nach Oberwappenöst, von Zinst nach Altensteinreuth und von Ölbrunn nach Frankenreuth müssten in den bevorstehenden Jahren geschaffen werden. Alles zusammen wird einen Finanzaufwand von 2 605 000 Euro bringen, rechnete Kaltenecker vor. In die Tat umgesetzt werden soll dies im Zeitraum von 2021 bis 2024.

Für das kommende Jahr schlug er Wasserleitungssanierungen in Kulmain und in Witzlasreuth vor. Hergestellt werden sollen die Verbindungsleitungen von Rothenhof nach Oberwappenöst und die Verbundleitung von Lenau nach Ölbrunn und Frankenreuth mit der zweiten Möglichkeit eines Anschlusses über Gründberg zum Zweckverband Wasserversorgung Oberes Fichtelnaabtal.

Sanierungen 2023

Ein Jahr später enthielt der Zeitplan die Verbundleitung von Zinst nach Altensteinreuth und den Neubau oder die Sanierung des Kulmainer Hochbehälters mit Wasserleitungsanbindungen. Die Wasserleitungssanierungen in Kulmain regte der Ingenieur für 2023 an. Ein weiterer Schritt sieht die Sanierung der Wasserfassungen in Witzlasreuth, Zinst, Altensteinreuth und Ölbrunn sowie die Sanierung der Hochbehälter Erdenweiß, Zinst, Altensteinreuth und Ölbrunn im Jahr 2024 vor. Weitere Arbeiten sind im Anschluss geplant.

Bericht zur Gemeinderatssitzung in Kulmain zu Zone-30-Einrichtungen

Kulmain

Mit Fragezeichen behaftet waren die Förderquoten für die Maßnahmen. Auch wenn das staatliche Programm um weitere vier Jahre verlängert wurde, wurde bezweifelt, dass die bisherige Förderhöhe beibehalten wird. "Besser wird es nicht werden", mutmaßte Kaltenecker. Deshalb forderte der Bürgermeister: "Wir müssen uns auf den Weg machen zu handeln."

Der Gemeinderat stimmte dem vorgestellten Sanierungs- und Strukturkonzept zu und beauftragte die Verwaltung, die erforderlichen Maßnahmen in die Wege zu leiten.

Im Blickpunkt:

Bekanntgaben

Die Coronakrise bremst die weitere Entwicklung der Gemeinde nicht aus. Mit zahlreichen Aufträgen treibt sie der Gemeinderat voran. Zum Ausdruck kam dies bei der Bekanntgabe von Beschlüssen aus nichtöffentlichen Sitzungen.

  • Schule: Der Auftrag für den Glasfaseranschluss ging an die Firma T-Systeme International GmbH für 41 402,92 Euro. Dazu erhält die Gemeinde einen Zuschuss von 37 262,63 Euro. Zusätzliche Aufwendungen von 1122,59 Euro entstanden für Ausbesserungsarbeiten beim Bodenbelag der Grundschule. Die Arbeiten übernahm die Firma Maler Riess, Arzberg. Für die „Offene Ganztagsschule“ wurden Einrichtungsgegenstände bei der Firma VS für 2767,86 Euro bestellt.
  • Bürgerhaus, Turnhalle und Grundschule: Mit der Elektroinstallation der Hauptverteilung wurde die Firma Elektrotechnik Plauen GmbH zum Bruttopreis von 25 254,63 Euro nachträglich beauftragt.
  • Bürgerhaus und Turnhalle: Zusätzliche Arbeiten für die Lüftungsinstallation, die Vergrößerung der Lamellenhaube sowie für die Blendringe der Brandschutzventile und den Betonsägearbeiten wurde an die Firma Leupold aus Selb für 3224,44 Euro übergeben. In einer Nachtragsvereinbarung für den äußeren Blitzschutz wurden Arbeiten für 11 842,07 Euro an die Firma Elektrotechnik Plauen GmbH übertragen. Einsparungen in Höhe von 264,50 Euro erbrachte die Elektroinstallation der ELA-Anlage. Das Nachtragsangebot der Firma Elektrotechnik Plauen zur Anpassung der Leuchten, der Funkuhr für die Turnhalle sowie der Querschnittsanpassung des Stromhauptkabels ergaben eine Kostenminderung von 13 469,73 Euro.
  • Naturerlebnisbad und Campingplatz GmbH im Kemnather Land: Der Abberufung des früheren Geschäftsführers (Anm.d.Red.: Robert Kratzenberg) wurde rückwirkend zum 31. Juli 2019 und der Bestellung des neuen Geschäftsführers (Anm.: Günther Strobel) rückwirkend zum 1. Januar 2020 zugestimmt.

Bürgermeister Günter Kopp informierte weiter über einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 1600 Euro von der Bayerischen Staatsbibliothek Regensburg für die gemeindliche Bücherei. Ebenfalls am 15. Juli teilte die Regierung der Oberpfalz mit, dass die Gemeinde im Bayerischen Städtebauförderungsprogramm mit der Teilmaßnahme „Ortsmitte“ aufgenommen wurde. Die förderfähigen Kosten sind dort mit 940 000 Euro aufgeführt. Dementsprechend ist mit einem Zuschuss von 752 000 Euro zu rechnen.

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