06.08.2019 - 16:26 Uhr
KulmainOberpfalz

Sanfte Pflege am Straßenrand

Das Volksbegehren zum Thema Artenschutz ist seit 17. Juli, mit ergänzenden Bestimmungen, gültiges Gesetz. Die Gemeinde Kulmain hat aber schon im Vorfeld erste Maßnahmen zum Insektenschutz umgesetzt.

Mit Wolfgang Schödel vom Bund Naturschutz stimmen Bürgermeister Günter Kopp und Fahrzeugführer Otto Schroll (von links) ab, wie die Bankette und Straßengräben gemäht werden können, um möglichst viele Blühpflanzen zu erhalten und so einen Beitrag zur Artenvielfalt zu leisten.
von Externer BeitragProfil

Bereits 2018 hat sie Gespräche mit Mitgliedern der Kreisgruppe Tirschenreuth des Bundes Naturschutz (BN) Bayern geführt. Somit war die Kommune durchaus der Zeit voraus. Konkret ging es um das Mulchen der Bankette und Gräben der Gemeindestraßen. Diese wurden bisher systematisch bearbeitet, so dass nach dem Mulchen die Lebensgrundlagen für Insekten, Blütenpflanzen und auch deren Samen verschwunden waren. In den ausgeräumten landwirtschaftlichen Flächen sind dies aber oft die letzten Blütenpflanzen, so dass der Lebenszyklus zahlreicher Insektenarten schlagartig beendet war. Dadurch hatten viele Vogelarten keine Nahrung mehr.

Ziel der neuen Strategie war es, die bis in den Herbst blühenden Pflanzen und auch über den Winter möglichst viele abgeblühte Samenstände zu erhalten. Denn auch diese sind Nahrungsgrundlage vieler Vögel. Auch zahlreiche Insekten überwintern als Ei oder Puppe an diesen abgestorbenen Pflanzen.

Um diese zu erhalten, wird beim ersten Mulchgang nur der Bankett-Streifen direkt neben der Straße bearbeitet, wobei blütenreiche Teilbereiche zum größten Teil außen vor blieben. Gräben und weiter entfernt liegende Flächen an der Böschung sind zunächst ausgenommen, soweit die Verkehrssicherheit gegeben ist. Im zweiten Mähgang erfolgt die restliche Mulchung, wobei auch hier blütenreiche Teile und Samenstände sowie sehr dünn bewachsene Flächen verschont bleiben. Nur Bereiche mit Baumanflug sind konsequent zu bearbeiten, da dies Lichtraum der Straße verengt und Blütenpflanzen verdräng.

Letztlich spart sich die Kommune auch Geld, denn der Zeitaufwand der Bankettpflege wird etwas geringer. Wichtigste Erkenntnis ist aber, dass der Fahrer des Mulchers, Otto Schroll, konzentriert und engagiert bei der Sache ist. Den allein von seiner Kenntnis und Achtsamkeit hängt es ab, inwieweit dieses Konzept funktioniert. Die Summe der Straßenrandflächen, die nun zu zum Artenschutz beitragen, ist nicht zu unterschätzen. Zusätzlich bilden diese durch ihre Struktur auch wichtige Biotopverbundsysteme, in denen sich Tiere und Pflanzen ausbreiten können. Auch wenn der eine oder andere Zeitgenosse diese "Wildnis" neben der Straße nicht nachvollziehen kann oder will, der Natur wird dadurch geholfen. Bürgermeister Günter Kopp freute sich über die fachmännische Einschätzung von Wolfgang Schödel vom BN, dessen Ratschläge bei der Pflege an den Straßenrändern immer gefragt sind.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.