22.07.2018 - 15:29 Uhr
Oberpfalz

Kurze Unachtsamkeit endet tödlich

Es war ein kurzer Augenblick der Unachtsamkeit, der einem Rollerfahrer das Leben kostete. Jetzt stand der Verursacher vor Gericht, weil er nicht mit dem deshalb ergangenen Strafbefehl einverstanden war.

Eine Vorfahrtsverletzung mit dramatischen Folgen. In Poppenricht will ein Autofahrer die Staatsstraße 2040 überqueren und wird zum unüberwindbaren Hindernis für einen Motorroller, auf dem zwei Personen sitzen. Eine von ihnen überlebt den Anprall nicht.

Ein heißer Sommertag im August letzten Jahres. Kurz vor der Mittagszeit kommt ein damals 77-Jähriger mit seinem Wagen aus der St.-Michael-Straße in Poppenricht und will die Staatsstraße 2040 in Richtung Traßlberg überqueren. Plötzlich nähert sich von Amberg her ein Motorroller. Das Krad rammt den Pkw. Dies geschieht so wuchtig, dass der 67-jährige Rollerfahrer kurz nach seiner Einlieferung ins Klinikum St. Marien stirbt. Seine mit auf dem Motorroller sitzende Ehefrau (64) erleidet schwerste Verletzungen.

Nach tödlichen Unfällen neigt die Staatsanwaltschaft dazu, gegen den Verursacher einen Strafbefehl zu erwirken. Das tat sie auch diesmal. Doch der heute 78-Jährige legte Einspruch ein und saß nun vor Amtsrichterin Sonja Tofolini. Das wunderte die Juristin. Denn eigentlich, so argumentierte sie zu Verhandlungsbeginn, sei die Schuldfrage ja eindeutig. Doch in den Augen des Rentners war sie das nicht so ganz. "Ich fahre dort täglich und habe alle Vorschriften beachtet", ließ der Mann vernehmen. "Zwei mal nach links und zwei mal nach rechts geschaut."

Doch wahrgenommen habe er den Rollerfahrer nicht. Alles sei irgendwie grau gewesen, womöglich der grellen Sonne geschuldet. Überdies wäre es seiner Ansicht nach nie zu dem Zusammenprall gekommen, "wenn der Kradfahrer Warnkleidung getragen hätte." Die Richterin war diesen Argumenten nicht zugänglich. "Der Strafbefehl ist angemessen", befand Sonja Tofolini. Sie riet zur Rücknahme des Einspruchs und gab zu bedenken: "Wir können das Verfahren auch durchziehen. Dann aber mit einer größeren Beweisaufnahme." In diesem Zusammenhang zitierte sie aus der polizeilichen Vernehmung eines Zeugen.

Der Mann hatte sich angesichts seiner Beobachtungen gedacht: "Hoffentlich fährt der nicht los." Nach einem Gespräch mit seinem Anwalt Werner Greißinger nahm der 78-Jährige den Einspruch zurück. Damit wird eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen fällig, außerdem ein zweimonatiges Fahrverbot. Den Führerschein hatte die Richterin, wie sie äußerte, im Vorfeld des Prozesses nicht eingezogen. "Weil Sie, wie ich glaube, trotz des Alters nach wie vor in der Lage sind, ein Fahrzeug zu steuern."



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